Mit dem diesjährigen Surface Fleet Review legte das australische Verteidigungsministerium den konzeptionellen Grundstein für die Zukunft der Royal Australian Navy (RAN). Neben Kürzungen bei der Beschaffung der Hunter- und der Arafura-Klasse, beinhaltete der Bericht eine zügige Beschaffung von 7-11 sogenannten Tier 2 Combatants, um die Anzahl an seegehenden Einheiten der australischen Marine schnellstmöglich zu erhöhen.

Tier 2 Combatants – Deutsche Optionen im Wettbewerb

Die Tier 2 Combatants sind als Mehrzweckfregatten mittlerer Größe konzipiert, die die Hochwerteinheiten wie die Zerstörer der Hobart-Klasse und die U-Jagd-Fregatten der Hunter-Klasse ergänzen sollen. Bei der Beschaffung dieser neuen Klasse stehen besonders die schnelle Lieferbarkeit und der Technologietransfer im Vordergrund. Um dies zu erreichen, sollen die ersten drei Fregatten im Land des Auftragnehmers produziert werden, während die weiteren Schiffe ab dem vierten in Australien gefertigt werden. Die ersten drei Schiffe müssen auf bereits operativ erprobten Entwürfen basieren.

Fregatte MEKO A 200 SAN 7 (Foto: thyssenkrupp Marine) Systems

Wettbewerb um die australischen Aufträge

thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) tritt mit seiner MEKO A-200 in den Wettbewerb, neben Bewerbern wie Navantia (Spanien), Hanwha Ocean und Hyundai Heavy Industries (Südkorea) sowie Mitsubishi Heavy Industries (Japan). Eine Entscheidung der australischen Regierung wird bis Ende 2024 erwartet, während der Baubeginn für 2026 angesetzt ist.

(Foto: tkMS)

Varianten der MEKO A-200 für Australien

Für das erste Los von drei Fregatten, das in Deutschland produziert werden soll, bietet tkMS die MEKO A-200 an. Diese Fregatte ist 121 Meter lang, 16,34 Meter breit und hat eine Verdrängung von 3.940 Tonnen. Sie ist in der Lage, sowohl einen Seahawk-Helikopter als auch zwei unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) aufzunehmen. Angetrieben wird die MEKO A-200 durch ein CODAG-WARP-System, das eine Höchstgeschwindigkeit von über 28 Knoten ermöglicht. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten kommt sie auf eine Reichweite von 6.500 Seemeilen. Die Besatzung umfasst 125 Personen, einschließlich des Helikopterkontingents, und es gibt Platz für zusätzlich 49 Personen.

tkMS hat bei der Lieferung der MEKO A-200EN für Ägypten bereits gezeigt, dass sie sowohl schnell liefern als auch einen Technologietransfer umsetzen können. Für Australien stehen zwei mögliche Versionen der A-200 zur Verfügung.

Zum einen wäre da die MEKO A-200 Batch III, die für Ägypten gebaut wurde. Sie ist ausgestattet mit dem ATLAS Elektronik ANCS Combat Management System (CMS), dem Thales NS-110 Radar und einer Sonar-Suite von ATLAS Elektronik. Die Bewaffnung umfasst unter anderem das 127/64 Lightweight Schiffsgeschütz von Leonardo, 32 MICA NG Flugabwehrraketen, 16 Exocet MM40 Block 3 Seezielflugkörper von MBDA sowie Typhoon 30mm Remote Weapon Stations (RWS) von Rafael und MU90 Leichtgewichtstorpedos.

(Foto: tkMS)

Alternativ könnte auch die MEKO A-200 Batch IV für die Royal Australian Navy (RAN) angepasst werden. Diese Version könnte das 9LV Führungs- und Waffeneinsatzsystem von Saab, das Sea Giraffe 4A Radar von Saab und eine Sonar-Suite von Thales enthalten. Mögliche Bewaffnung wäre unter anderem ein 76/62 STRALES Schiffsgeschütz von Leonardo, 16 NSM Seezielflugkörper von Kongsberg sowie 16 MK41 ‚Tactical‘ VLS-Zellen für 64 ESSM-Block 2 Flugabwehrraketen. Auch ein PHALANX-Nahbereichsverteidigungssystem und Nulka-Täuschkörperwerfer könnten integriert werden.

Beide Versionen der MEKO A-200 erfüllen offenbar die Anforderungen der Royal Australian Navy und könnten daher für das erste Los, das in Deutschland gebaut werden soll, in Betracht kommen. Die Auslieferung des ersten Loses ist für 2029 geplant und die Kosten werden auf etwa zwei Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: tkMS)

Option auf das A-210-Design

Ab dem vierten Schiff soll die Produktion durch Henderson in Westaustralien realisiert werden. Hier sollen bis 2033 drei weitere Fregatten produziert und ausgeliefert werden. Neben den Optionen Batch III und Batch IV des MEKO A-200, könnte auch das A-210-Design in Betracht gezogen werden. Dieses Design bietet mit einer Verdrängung von 4.750 Tonnen mehr Aufwuchspotenzial und könnte die Integration der australischen CEAFAR-Radarsuite ermöglichen. Mit bis zu vier möglichen MK41 ‚Strike‘ VLS-Modulen könnte das A-210 über 32 VLS-Zellen verfügen, wodurch der Einsatz von ESSM-Block 2, SM-6 oder TLAM (Tomahawk Land Attack Missile) möglich wäre. Ebenso könnten SEASPIDER von ATLAS Elektronik und SKYNIGHT von Rheinmetall integriert werden.

Das A-210-Design, das erstmals auf der Indo Pacific Expo 2023 in Sydney vorgestellt wurde, wurde speziell für den Wettbewerb um die Tier 2 Combatants entwickelt und dementsprechend optimal auf die Bedürfnisse der australischen Marine abgestimmt. Es bietet eine hohe Flexibilität für mögliche Kooperationen zwischen tkMS und dem Commonwealth of Australia. So könnte man beispielsweise australische Ingenieure an der Entwicklung der A-210 beteiligen, um einen vollen Technologietransfer zu gewährleisten. Dadurch wäre Australien zukünftig in der Lage, eigenständig Schiffe zu modernisieren und zu entwickeln. Neben einer gemeinsamen Entwicklung und Produktion für eigene Zwecke könnte Australien auch die Vermarktung, Entwicklung und Produktion für weitere Kunden, wie beispielsweise Neuseeland, übernehmen. Ob das A-210 tatsächlich in Betracht gezogen wird, hängt jedoch von weiteren Planungen und den Prioritäten der australischen Regierung ab.

Deutsch-australische Zusammenarbeit: Eine Chance für die Rüstungsindustrie

Die geplante Ablösung der Fregatten der ANZAC-Klasse durch neue Tier-2-Kampfschiffe bietet eine vielversprechende Gelegenheit für den Einsatz von MEKO-Designs der nächsten Generation. Aufgrund der bisherigen positiven Erfahrungen der australischen Marine mit den MEKO 200-Fregatten wäre eine Fortsetzung dieser Linie von marinerüstungsspezifischer, logistischer, industrieller und politischer Seite vorteilhaft. Die australische Marine und ihre Industrie sind bereits mit dem Design vertraut, was den Übergang zu neuen MEKOs erleichtern würde. Zudem verliefen Produktion und Modernisierung dieser Schiffe in der Vergangenheit reibungslos.

In Anbetracht der wachsenden Bedeutung des indopazifischen Raums ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Australien auch im Bereich der Verteidigungsindustrie von strategischer Bedeutung. Nach erfolgreichen gemeinsamen Militärübungen wie „Talisman Sabre 23“ und „Pitch Black“ bietet die mögliche Zusammenarbeit im Rahmen des Tier-2-Projekts die Chance, die deutsch-australische Rüstungskooperation weiter zu vertiefen. Diese hat bereits mit der Produktion von 123 Boxer-basierten Waffenträgern in Australien positive Impulse erfahren.

Doch für eine erfolgreiche Kooperation bedarf es politischer Unterstützung aus Berlin, um das volle Potenzial dieser Partnerschaft auszuschöpfen.

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