
Forschung für die Sicherheit Europas – Weiter, neu, anders denken!
Dr. Anke Kaysser-Pyzalla
Die gegenwärtig oft zitierte Zeitenwende bezeichnet das Ende einer Epoche und den Beginn einer neuen Zeit. Die geopolitischen Entwicklungen der vergangen beiden Jahre haben eine für Europa einmalige und einschneidende Wende eingeleitet. Wir sind uns dessen bewusst und bereit, diese mit unseren Partnern gemeinsam auszugestalten. Umbrüche und Herausforderungen gemeinsam zu meistern, gehört zur DNA von Forschungseinrichtungen.
Das DLR ist eines der größten Forschungs- und Technologiezentren Europas. Wir arbeiten an Technologien für die Nutzung in Industrie und Wirtschaft sowie Behörden, Verwaltung und für öffentliche Stakeholder. Durch den intensiven Wissensaustausch und einen gezielten Technologietransfer stellt sich das DLR seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verlangen von uns, unsere langjährigen Schlüsselkompetenzen, die Analyse- und Bewertungsfähigkeit, zu sichern, zu erhalten und weiter auszubauen. Durch das Verknüpfen unserer Expertise in der Luft- und Raumfahrt mit unseren Kompetenzen in Energie und Verkehr sowie Digitalisierung können wir das volle Potenzial für die Sicherheits- und Verteidigungsforschung im DLR entfalten.
Das verlangt aber auch, dass wir die Sicherheits- und Verteidigungsforschung mit unseren Partnern in der Industrie, der Politik und der Forschung neu, weiter und vor allem gemeinsam denken.
Kooperationen sind der Weg zum Erfolg
Die für Kooperationen zuverlässige und belastbare Expertise in der kompletten Spannbreite des DLR bereitzustellen, ist ebenso essenzielle Aufgabe, wie auch Innovationen und Entwicklungen voranzutreiben, diese schnell in Anwendungen und Fähigkeiten zu bringen.
Für die Entwicklung von Methoden, Prozessen und systemischen Lösungsansätzen benötigen wir die Kraft zum Sprinten, verbunden mit der Ausdauer für einen Marathonlauf.
Mit dieser Einstellung sichern und erhalten wir die nationalen Kernfähigkeiten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig. Die Zeitenwende verdeutlicht auch, wie wichtig gemeinsame Anstrengungen sind. Dafür benötigen wir die richtigen Partner im richtigen Umfeld. Gute Beziehungen zu den Dienststellen der Bundeswehr, den zivilen Behörden mit Sicherheitsaufgaben, regelmäßige Abstimmungen und Übungen sind notwendig für unsere Forschungsarbeit. Wir müssen die strategischen Interessenfelder verstehen, dann können wir verfügbare Lösungen zügig in die Fähigkeitsentwicklung einbringen.

Längst ist klar geworden, wie viel kritische Anwendungen und Fähigkeiten in der Dimension Weltraum existenziell für uns auf der Erde sind – von Anwendungen im Bereich der Erbbeobachtung und der Navigation, bis hin zur Mobilität und selbstverständlich auch zur Sicherheit und dem Katastrophenschutz. Gerade in der militärischen Raumfahrt braucht es gemeinsame Anstrengungen, wie sie in der zivilen Raumfahrt Praxis sind. Unsere orbitale Infrastruktur zu schützen, ist eine Aufgabe von Bundeswehr, den Ministerien und Behörden in Kooperation mit Forschung und Industrie, sowie der Politik.
Blick voraus
Es heißt: Innovation ist ein wichtiger Standortfaktor. Durch die Beherrschung von Schlüsseltechnologien können wir die Sicherheit der Gesellschaft und ihrer Infrastrukturen gewährleisten. Dafür ist eine zuverlässige und gesicherte wehrtechnische Forschung dringend erforderlich, um mittel- und langfristig Technologien und Kompetenzen zu garantieren. Ebenso benötigen wir die Offenheit, aktuelle Ergebnisse in die Fähigkeitsentwicklung einzubeziehen und Einblick in die konkreten Bedarfe zu geben. Vor allem benötigen wir ein stabiles Handlungsdreieck aus Sicherheitsorganen, Industrie und Forschung, mit dem sich gemeinsamen Anstrengungen zeitgerecht realisieren lassen.
In der Sicherheits- und Verteidigungsforschung muss es nicht der „Goldstandard“ sein, d.h. am wirklichen Bedarf orientieren, Komplexität reduzieren, schnelle Einsatzfähigkeit herstellen. Forschung ist immer risikobehaftet, doch ist sie in der Lage, disruptive Lösungen bereitzustellen. Das bedeutet, die vorhandene Technologieoffenheit effektiv zu nutzen und die Forschungsergebnisse aus der zivilen Forschung schneller einzubeziehen.
Wir als DLR stehen mit unseren Kompetenzen, unserer Infrastruktur und Expertise sowie unseren Mitarbeitenden dafür bereit.
Dr. Anke Kaysser-Pyzalla ist seit März 2020 Vorstandsvorsitzende des DLR.

















