Das Wetter könnte an diesem Tag besser nicht sein: Strahlend blauer Himmel über Nordostkanada. Am 4. Tag der multinationalen Übung Pacific Skies 24 steht eine gemeinsame Übung der französischen Armée de l’Air mit der kanadischen Air Force an. Mit dabei: Vier Rafale, zwei F-18 Jagdflugzeuge, zwei A400M Frachter und zwei A330 MRTT Mehrzwecktransporter und -tanker, einer davon von der multinationalen Tankerflotte MMU aus Eindhoven, der andere ein baugleicher Phénix der französischen Luftwaffe.

Vier Stunden soll es von Goose Bay nach Westen über die unbewohnte subarktische Wald- und Seenlandschaft Labradors gehen. Ziel, vereinfacht: Jeder übt erst mit jedem, anschließend ein Fototermin aus dem A400M mit geöffneter Rampe, um alle französischen Flugzeuge auf einem Foto einzufangen – ein Geburtstagsgeschenk an die französische Luftwaffe, die am 2. Juli ihren 90. Geburtstag feiert.
Am Anfang steht eine gründliche Vorbereitung
Am Vortag gab es bereits ein vierstündiges Briefing der MMU, gehalten von Christian, einem deutschen Oberstleutnant und A330-Kommandanten der Eindhovener Tanker. Er wird den MMU-Tanker fliegen.

Route, Dauer, Treibstoffmenge, Sprechfunkverfahren bis hin zum Start als Formation und zur Auflösung bei der Landung, nicht zu vergessen die Notverfahren: nichts bleibt dem Zufall überlassen, denn immer wieder müssen die Piloten, AROs (Air Refueling Operator) und sonstigen Operateure die verschiedenen SOPs, also standardisierte Verfahrensanweisungen, nebeneinanderhalten, gegebenenfalls Vorgänge abgleichen und Unterschiede und mögliche Missverständnisse ausräumen. Zwei Stunden vor dem Start am Flugtag noch mal das verkürzte Briefing mit dem aktuellen Wetter und dann gehen es für die Besatzungen zu den Flugzeugen auf dem nordöstlichen Vorfeld des Flugplatzes.
Start in Formation
Gegen zehn Uhr Ortszeit heben zuerst die französischen Rafale ab und warten in der Nähe von Goose Bay, bis die beiden Tanker in der Luft sind. Später treffen sie auf die kanadischen F-18 aus Bagotville nördlich von Québec. Für den letzten Abschnitt der Vier-Stunden-Übung sind die A400M dabei. Die mittelschweren Mehrzweck-Turbopropfrachter mit einer maximalen Abflugmasse von 141 Tonnen können ebenfalls Flugzeuge in der Luft betanken.

Ich darf heute bei den Franzosen im Phénix mitfliegen. Oberstleutnant Alex aus Istres ist ebenfalls Kommandant und erklärt mir den Hintergrund seines Verbandes: Die Armée de l’ Air verfügt insgesamt über 15 A330, die in Istres in Südfrankreich stationiert sind. Sie sind Bestandteil der französischen nuklearen Abschreckungsfähigkeit und haben sich aus diesem Grund nicht den Nationen der MMU angeschlossen, die ihre Kapazitäten und Bedarfe untereinander teilen und abstimmen. Unser Flugzeug ist nur im hinteren Drittel bestuhlt. Die Intensiv-Liegen der MedEvac-Ausstattung im vorderen Teil des Flugzeugs wurden für die Übung entfernt.

Tanken auf der Stelle im Kreis
Etwa 200 Kilometer südwestlich fangen wir an zu kurven, immer linksherum in so genannten Racetracks. Eine Minute kurven, etwa anderthalb Minuten geradeaus, wieder eine Kurve und zurück zum Ausgangspunkt, das alles in sieben km Höhe, mit einer Geschwindigkeit von etwa 750 km pro Stunde über Grund.

An den Schläuchen der beiden Tanker versorgen sich zuerst die Rafale, eine halbe Stunde später die F-18. 30 Minuten vor Ende der Übung sinken wir unter die Wolken und schießen wie geplant in knapp zwei Kilometer Höhe über den Seen Labradors zum Fototermin. Nach vier Stunden landen wir wieder in Goose Bay – nach 2000 Kilometern Strecke, einer erfolgreichen Mission. Und pünktlich zum Achtelfinale-Anstoß des EM-Spiels Deutschland- Dänemark, das die meisten Beteiligten der Übung im Fernsehen des Canuck Club auf dem Stützpunkt verfolgen.

Stefan Bitterle

















