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Die litauischen Streitkräfte haben erste Verträge für den Einkauf von Sperrmaterial unterzeichnet, mit dem eine Verteidigungslinie an der Grenze zu Belarus und Kaliningrad errichtet werden soll. Laut der Mitteilung des litauischen Verteidigungsministeriums sollen für über vier Millionen Euro verschiedene Arten von Sperrvorrichtungen beschafft werden. Genannt werden Drachenzähne (Fahrzeugsperren aus Beton), Spanische Reiter, Metalligel (Tschechenigel) und Straßensperren aus Beton. Erstes Sperrmaterial soll bis Ende des Jahres bei den Streitkräften eintreffen.

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Litauisches Sperrmaterial (Eisenigel, Drachenzähne, Stacheldraht) in einem Depot, nahe der Grenze zu Belarus (Foto: MOD Lithuania)

Der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasčiūnas sagte: „Die Beschaffung von Mitteln für die Mobilitätshemmung und die Grenzsicherung ist ein wichtiger Schritt zu einer besseren Abschreckung. Die jüngsten Beschaffungen, die dem Verteidigungsministerium unterstellte Agentur für Verteidigungsmaterial durchgeführt hat, werden wichtige technische Befestigungen bereitstellen, um im Falle eines militärischen Angriffs Barrieren und geschützte Stellungen zu errichten.“

Die Beschaffung der Sperrmittel ist Teil der baltischen Initiative „Baltic Defence Line“ (baltische Verteidigungslinie), die Litauen, Lettland und Estland im Jahr 2024 ins Leben gerufen haben. Hintergrund ist, dass sich die drei baltischen Staaten durch Russland bedroht fühlen und eine Invasion, ähnlich der in der Ukraine fürchten. Da man in der Ukraine gesehen hat, dass Territorium, das einmal durch russische Truppen besetzt wurde, nur sehr schwer wieder zurückzuerobern ist, verfolgt man insbesondere in den Osteuropäischen Ländern die Strategie, bei einem Angriff von Beginn an, jeden Meter Boden zu verteidigen und den Feind nicht auf das eigene Territorium vordringen zu lassen.

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Estnische Soldaten bewachen eine Straßensperre (Foto: MOD Estonia)

Zu diesem Zweck planen die baltischen Staaten Sperrmaterial und Minen in Depots in Grenznähe zu Russland und Belarus bereitzuhalten, Gräben und Bunkeranlagen zu errichten und Infrastruktur für Nachschubwege zu ertüchtigen. Laut Vereinbarung der drei Staaten ist dabei jedes Land für die Finanzierung und die Errichtung der Befestigungen an seinen Grenzen verantwortlich. Erste Bautätigkeiten sollen im Jahr 2025 beginnen.

Zuletzt gab es Medienberichte, die aus einem Brief Polens, Lettlands, Litauens und Estlands an EU-Ratspräsident Charles Michel zitierten. Demnach sollen die vier Staaten im Rahmen des vergangenen Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs am 28. Juni 2024 um finanzielle Unterstützung seitens der EU-Partner für den Bau der Verteidigungsanlagen geworben haben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzen EU-Diplomaten die Kosten für eine solche Verteidigungslinie, die etwa 700 Kilometer lang wäre, auf 2,5 Milliarden Euro.

Redaktion / oh