Die Verlegung in den Indo-Pazifik wird der diesjährige Höhepunkt für unsere Luftwaffe. „Pacific Skies“ beschreibt den Luftwaffenanteil des zusammen mit der Marine geplanten Indo-Pacific Deployments 2024 (IPD 24). Wir verlegen dabei zwei Monate von Mitte Juni bis Mitte August einmal Richtung Westen um den Globus und nehmen an fünf verschiedenen Übungen teil.

Multinationale Beteiligung und teilstreitkraftgemeinsame Bedeutung

Die fünf verschiedenen Übungen finden in Alaska, Japan, Hawaii, Australien und Indien statt. Zusätzlich werden in Kanada, Neuseeland, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten Zwischenstopps eingelegt. Damit wird „Pacific Skies“ die komplexeste je von der Luftwaffe durchgeführte Operation.

Die Verlegung wird trinational als europäisches Projekt zusammen mit den FCAS-Nationen Frankreich und Spanien unter deutscher Führung geplant und durchgeführt.

Mit „Pacific Skies“ werden einige international historische Meilensteine erreicht werden:

  • Zum ersten Mal wird eine gemeinsame japanisch-deutsche Luftwaffenübung in Japan durchgeführt.
  • Zum ersten Mal übt die Luftwaffe auf dem indischen
  • Zum ersten Mal nimmt die Luftwaffe an der US-Übung RIMPAC auf Hawaii teil.
  • Aufgrund der beträchtlichen Distanzen im Indo-Pazifik wird der Flug von Japan nach Hawaii mit mehr als zehn Stunden der bisher längste Eurofighterflug aller Nutzer- nationen werden.

Neben dem multinationalen Aspekt spielt die teilstreitkraft- übergreifende Zusammenarbeit eine große Rolle. Ein Höhepunkt ist die erste gemeinsame Teilnahme der Luftwaffe und der Marine an der US-Übung RIMPAC. Schon beim Auslaufen am 7. Mai haben wir die Marine auf dem Weg in den Atlantik mit Überflügen begleitet. Während der Übung in Alaska werden u. a. Spezialkräfte des Deutschen Heeres sowie die U.S. Army, das U.S. Marine Corps und die U.S. Army National Guard aus New Hampshire mit dem Mehrfachraketenwerfer HIMARS (Red.: High Mobility Artillery Rocket System) eingebunden.

Gemeinsamer Flug bei „Pitch Black 2022“: ein deutscher Eurofighter und aus Australien eine F-22 und eine F-18. (©Bw/Christian Timmig)

Trinationale Flottengröße

Zu Beginn der trinationalen Verlegung am 27. Juni werden wir mit acht Eurofighter und zwölf Tornado insgesamt 20 Kampfflugzeuge nach Alaska verlegen. Dazu kommen vier A400M Transporter und zum Betanken vier A330 MRTT der Multinational Multi Role Tanker Transport Unit (MMU). Vier unserer Light Utility Helicopter (LUH) werden zum Einsatz der Spezialkräfte des Heeres nach Alaska verlegt. Damit stellt die Luftwaffe zu Beginn der Verlegung 32 Luftfahrzeuge. Spanien beteiligt sich mit vier Eurofighter und zwei A400M, Frankreich mit vier Rafale, drei A400M und zwei A330 MRTT.

Zwölf Tornado kommen zum Einsatz. (Foto: Bundeswehr)

Politische Einordnung

Politische Grundlage der Verlegung sind die von der Bundesregierung im Jahr 2020 veröffentlichten „Leitlinien zum Indo- Pazifik“. Im Koalitionsvertrag vom November 2021 haben die Regierungsparteien diese Leitlinien nicht nur bestätigt, sondern auch ihre Absicht bekundet, dass sich Deutschland in Zukunft noch aktiver an Maßnahmen zum Schutz und zur Sicherung der regelbasierten internationalen Ordnung im Indo-Pazifik beteiligt und dazu sein dortiges sicherheits- und verteidigungspolitisches Engagement ausweitet. Die Leitlinien benennen eine Reihe von verteidigungspolitischen Maßnahmen, die dem Ziel der Vertiefung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Partnern in der Region dienen. So fordern sie ausdrücklich die Teilnahme an bi- und multinationalen Übungen.

Auf dieser Basis verlegte die Marine im Jahr 2021 in den Indo- Pazifik. Im Jahr 2022 nahm die Luftwaffe erstmals an der Luftwaffenübung „Pitch Black“ und der Marineübung „Kakadu“ in Australien teil. Im Jahr 2023 beteiligten sich Heer, Marine und Luftwaffe an der Übung „Talisman Sabre“ in Australien.

Das Engagement Deutschlands für Sicherheit und Stabilität im Indo-Pazifik ist nachhaltig und langfristig angelegt. Deshalb plant die Luftwaffe z. B. auch in Zukunft an der alle zwei Jahre stattfindenden Übung „Pitch Black“ in Australien teilzunehmen. Die Übung in Alaska unterstützt die Ziele der „Leitlinien deutscher Arktispolitik“, weswegen diese Übung „Arctic Defender“ getauft wurde.

Alaska: „Arctic Defender“

„Arctic Defender“ ist wie „Air Defender“ keine NATO-Übung, sondern eine von Deutschland geplante und durchgeführte Übung. Damit wird verdeutlicht, dass Deutschland sicherheits- politische Verantwortung übernimmt. Alaska bietet weltweit einmalige Übungsmöglichkeiten. Genutzt werden die weltweit größten Übungslufträume, die sich über einem nur dünn besiedelten Gebiet erstrecken und damit auch Tiefstflugtraining unserer Tornado in 100 Fuß erlauben.

Mit über 600 deutschen Übungsteilnehmern und über 30 beteiligten deutschen Flugzeugen wird „Arctic Defender“ mit neun Übungstagen DER taktische Höhepunkt zur Ausbildung der Luftwaffen- und Heeressoldaten während „Pacific Skies“: Insgesamt nehmen international ca. 70 Kampfflugzeuge und zwölf Transport- bzw. Tankflugzeuge teil.

Vor Ort sind zahlreiche US-Kampfflugzeuge der fünften Generation (F-22 und F-35) stationiert, deren Integration mit Kampfflugzeugen der vierten Generation während „Arctic Defender“ eine große Rolle spielt.

Neben den internationalen Luftstreitkräften aus Frankreich und Spanien sowie USA und Kanada, für die die Arktis eine besondere Bedeutung hat, nehmen auch das Deutsche Heer mit Spezialkräften und die U.S. Army Nationalgarde aus New Hampshire mit dem Artilleriesystem HIMARS an der Übung teil. HIMARS werden von einer A400M der Luftwaffe ins Operationsgebiet hin- und rückverlegt, um dort eine gegnerische Luftverteidigungsstellung zu unterdrücken. Die Spezialkräfte des Heeres werden von den dafür vorgesehenen Hubschraubern (LUH) der Luftwaffe im Operationsgebiet abgesetzt, damit sie gegnerische Ziele mittels Laser zuweisen und beleuchten können. Von Alaska verlegt die trinationale Flotte weiter nach Japan.

Eurofighter bei der Betankung durch Airbus A330 der Multinational Multirole Tanker Transport Unit (MMU). (©Bw/Christian Timmig)

Japan: „Nippon Skies“

Da die Übung „Pitch Black“ in Australien nahezu gleichzeitig stattfindet, verlegen die spanischen und französischen Anteile mit dem größten Teil der deutschen Flotte nach einer Übernachtung direkt weiter nach Australien. Unsere Flotte wird sich in Japan aufteilen, sodass ein Teil unserer Eurofighter und A400M vor Ort verbleibt, um dort historisch zum ersten Mal mit der japanischen Air Self Defense Force zu trainieren.

Von Japan aus verlegt dieser Teil der deutschen Flotte anschließend weiter zur Übung RIMPAC nach Hawaii.

Hawaii: RIMPAC

In Hawaii findet zu diesem Zeitpunkt die aus amerikanischer Perzeption bedeutende Übung RIMPAC (Rim of the Pacific) statt. Die größte maritime Übung weltweit beinhaltet auch einen Luftwaffenanteil.

An der Übung nehmen insgesamt über 25.000 Soldaten, ca. 40 seegehende Einheiten und mehr als 100 Flugzeuge aus über 30 Nationen teil. Die Flugzeuge der Luftwaffe werden in einen US-Flugzeugträgerverband integriert.

Nach RIMPAC verbleiben wir zum lokalen Übungsflugbetrieb mit den F-22 der Nationalgarde in Hawaii.

Hawaii: Co-operative Electronic Support Measures Operations (CESMO)

Eine weitere Besonderheit der Übung RIMPAC ist der Anteil digitalisierter elektromagnetischer Kampf und digitalisierte Ubootjagd mittels CESMO, der für die Übung RIMPAC für alle internationalen Übungsteilnehmer unter Führung unserer Luftwaffe streitkräftegemeinsam mit Spezialisten des Kommando Cyber- und Informationsraum (Bataillon Elektronische Kampfführung) und der Deutschen Marine geplant und durchgeführt wird. Ziel ist, die Aufklärungsergebnisse zu vernetzen, um ein möglichst umfassendes Lagebild nahezu in Echtzeit zur Verfügung zu stellen.

Australien: „Pitch Black“

Nach 2022 nimmt die Luftwaffe bereits zum zweiten Mal an „Pitch Black“ teil. Diese multinationale Übung bietet idealtypisch die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit den Partnern in der Region gemäß den Vorgaben der o. a. Leitlinien zum Indo- Pazifik zu vertiefen und mit den insgesamt 16 teilnehmenden Luftwaffen aus Südostasien zu üben. Neben Ländern aus der Region beteiligen sich die USA, Kanada und europäische Nationen wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien mit einem Flugzeugträger. In „Pitch Black“ sind zahlreiche Flugzeugtypen eingebunden, wie z. B. F-35, F-22, F-15, F-16, F-18, Su-30MKI, AV-8 Harrier, Gripen, Eurofighter und Rafale.

Von Australien aus verlegt die trinationale deutsch-französisch-spanische Flotte mit einem Zwischenstopp in Malaysia nach Indien.

Indien: „Tarang Shakti“

In Indien findet historisch erstmalig deutscher Übungsflugbetrieb statt. Geflogen wird im Süden des indischen Subkontinents. Während dieser fünftägigen Übung kommen neben den beteiligten europäischen Flugzeugen – u.a. auch A400M oder A330 MRTT – verschiedene indische Flugzeuge aus unter- schiedlichsten Produktionen zum Einsatz. Dazu gehören die indische Eigenproduktion HAL Tejas, die aus Frankreich beschafften Rafale, die Su-30MKI und Il-78 Tanker. Die Übungsanteile steigern sich von Luftnahkampf (eins gegen eins) zu Beginn hin zu großen Missionen mit über 20 beteiligten Luftfahrzeugen in den unterschiedlichsten Rollen.

Grafik: Bw

Bedeutung und Zusammenfassung

Durch die zahlreichen Interaktionen mit internationalen Partnern, die dadurch gesteigerte Interoperabilität und das in vielen Bereichen beschrittene Neuland wird der taktische und operationelle Mehrwert der beteiligten Luftwaffengeschwader enorm sein.

Für den logistischen Aufwand sind größtenteils gleichzeitig sieben deutsche A400M weltweit im Einsatz. „Pacific Skies“ dient damit auch der Demonstration deutscher bzw. europäischer Projektionsfähigkeit und Technologien. Damit bietet „Pacific Skies“ auch eine Plattform für die deutsche Industrie.

Die Luftwaffe zeigt, dass sie – parallel zu ihrem Engagement in Osteuropa – aufgrund ihrer inhärenten Eigenschaften wie Reichweite, Geschwindigkeit und Flexibilität als sogenannte First Responder schnell weltweit verlege- und einsatzfähig ist.

Ganz im Sinne der in der „Konzeption der Bundeswehr“ postulierten Verteidigungsdiplomatie – oder in den Worten der Luft- waffe „Air Diplomacy“ – werden Partnerschaften entlang der Erwartungshaltung unserer dortigen Partner weiterentwickelt. Die FCAS-Nationen demonstrieren europäische Luftmacht und europäische Verantwortung.

Durch die Intensivierung der sicherheitspolitischen und militärischen Zusammenarbeit mit dortigen Schlüsselländern dokumentiert die Bundesregierung, dass Deutschland trotz der Situation und des Engagements in Europa auch im Indo-Pazifik ein sicherheitspolitisch verlässlicher und glaubwürdiger Partner ist und bleibt, der sich nachhaltig für Sicherheit und Stabilität in der Region und die regelbasierte internationale Ordnung weltweit engagiert.

Frank Gräfe