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Die norwegische Regierung hat entschieden, die Einführung des Hubschraubers NH90 in seine Streitkräfte zu beenden und den Vertrag mit dem Hersteller, NATO Helicopter Industries (NHI), aufzulösen. Der Flugbetrieb werde umgehend eingestellt, schreibt das norwegische Verteidigungsministerium in einer Pressemitteilung. Verteidigungsminister Bjørn Arild Gram kommentierte die Entscheidung mit den Worten: „Leider sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der NH90, egal wie viele Stunden unsere Techniker arbeiten und wie viele Ersatzteile wir bestellen, niemals in der Lage sein wird, die Anforderungen der norwegischen Streitkräfte zu erfüllen.“

Grundlage der Entscheidung ist eine umfassende Überprüfung der norwegischen maritimen Hubschrauberfähigkeiten, mit der das Verteidigungsministerium im Februar dieses Jahres die Streitkräfte zusammen mit der Beschaffungsbehörde und dem norwegischen Verteidigungsforschungsinstitut beauftragt hatte.  Die Überprüfung kam zu dem Ergebnis, dass es selbst mit erheblichen zusätzlichen finanziellen Investitionen nicht möglich wäre, die Leistung und Verfügbarkeit des NH90 auf ein Niveau zu bringen, dass den norwegischen Ansprüchen entspricht.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung, dass die norwegische Beschaffungsbehörde bereits NHI darüber informiert habe, dass Norwegen den Vertrag in seiner Gesamtheit aufkündigen und die vollständige Rückerstattung aller von beiden Parteien erhaltenen Gelder und Vermögenswerte fordern werde. Das bedeutet, dass Norwegen die bisher erhaltenen Hubschrauber sowie Ersatzteile und weitere Ausrüstungsgegenstände zurückgeben wird, im Gegenzug von NHI aber auch die Rückerstattung von rund fünf Milliarden norwegischen Kronen verlangt, die im Rahmen des Vertrages gezahlt wurden, zuzüglich Zinsen und anderer Kosten.

Nach Angaben des Generaldirektors der norwegischen Beschaffungsbehörde, Gro Jaere, wurde wiederholt versucht, die Probleme im Zusammenhang mit dem NH90 in Zusammenarbeit mit der NHI zu lösen. „Aber mehr als 20 Jahre nach der Vertragsunterzeichnung haben wir immer noch keine Hubschrauber, die in der Lage sind, die Aufgaben zu erfüllen, für die sie gekauft wurden, und ohne dass die NHI in der Lage war, uns realistische Lösungen zu präsentieren.“

Norwegen hatte ursprünglich 14 NH90 bei NHI in der maritimen Version (NFH) bestellt. Der Vertrag darüber wurde 2001 geschlossen. Die Hubschrauber sollten laut Pressemitteilung bis 2008 ausgeliefert werden. Gemäß dem norwegischen Verteidigungsministerium sind bisher aber nur acht in einer einsatzbereiten Version geliefert worden. Von den 3900 Flugstunden pro Jahr, die von der Flotte erwartet wurden, seien im Schnitt, innerhalb der letzten Jahre, nur 700 möglich gewesen.

NH Industries reagiert darauf in einer Pressemitteilung und gibt bekannt, dass man sehr enttäuscht sei von der Entscheidung der Norweger und die Aufkündigung des Vertrages als rechtlich unbegründet ansieht. Zudem weist NHI die Anschuldigungen aus der norwegischen Regierung gegen den NH90 und das Unternehmen zurück. Weiter schreibt NHI, dass man nicht die Möglichkeit bekommen habe, die neuesten Vorschläge zur Verbesserung der Verfügbarkeit des NH90 mit Norwegen zu diskutieren. Mit der Auslieferung von dreizehn Hubschraubern und dem vierzehnten bereit zur Abnahme habe man kurz vor dem Abschluss des inhaltlich umfangreichsten Teils des ursprünglich vereinbarten Vertrages gestanden, so das Unternehmen.

NHI ist ein Joint Venture der Unternehmen Airbus Helicopters (62,5 Prozent), Leonardo (32 Prozent) und GKN Fokker (5,5 Prozent).

 

Redaktion / oh