Print Friendly, PDF & Email

Begleitet von den üblichen Lobeshymnen auf den nach eigenen Angaben „zweifellos besten Panzer der Welt“ hat der Chef des russischen Staats-Unternehmens Rostec, Sergej Tschemesow, den Beginn der Serienauslieferung des Kampfpanzers T-14 für 2021 angekündigt. Anfang 2018 hat das russische Verteidigungsministerium einen Vertrag über die Serienproduktion von 132 Panzern T-14, T-15 und T-16 abgeschlossen mit Lieferung der ersten 100 Fahrzeuge bis Ende 2020. Anfang 2020 wurde ein Vertrag mit ebenfalls 132 Panzern bekannt zur Auslieferung bis Ende 2022. Ob das ein Vertrag ist mit Lieferzeitverlängerung oder zwei Verträge mit zusammen 264 Panzern, ist derzeit unklar.

Foto: Vitaly Kuzmin

Spätestens seit der ersten öffentlichen Vorstellung im Mai 2015 gilt der T-14 als ein Maßstab für die Bewertung von Schutz und Feuerkraft aktueller Kampf-, Schützen und Unterstützungspanzer sowie von Panzerabwehrwaffen. Realisiert auf der querschnittlichen Armata-Plattform ist der T-14 das am weitesten fortgeschrittene Projekt dieser Fahrzeugfamilie. Vom Schützenpanzer T-15 und Bergepanzer T-16 sind Prototypen bekannt. Eine Reihe von Unterstützungspanzern (Haubitze, Mörser, Minenräumer, Jagd-, Minenlege- und Brückenlegepanzer) sind konzeptionell vorgesehen.

Der Kampfpanzer T-14 ist nach den bekannten Daten mit unter 50 Tonnen deutlich leichter als die westlichen Kampfpanzer (z.B. Leopard 2, M1 Abrams, LeClerc, Challenger) und wird von einem 12-Zylinder-Diesel mit 1.100 kW angetrieben. (Leistungsgewicht 22,9 kW/t). Das Laufwerk hat sieben Laufrollen und hydropneumatische Federung.

Das neue Kampffahrzeug verfügt über eine voll digitalisierte Ausrüstung, einen unbemannten Turm und eine isolierte gepanzerte Kapsel für die Besatzung. Die Hauptbewaffnung ist eine 125-mm-Glattrohrkanone für gelenkte und ungelenkte Geschosse mit automatischem Lader. Sekundärwaffe ist eine ferngesteuerte Waffenstation für leichte und mittlere Maschinenwaffen. Experten rechnen aber auch mit einer 152-mm-Glattrohrkanone als Haupt- und einer 30-mm-Kanone als Sekundärbewaffnung. Auch eine Flugabwehrrakete wird für möglich gehalten. Die Panzerung ist eine Kombination aus Verbund- und Reaktivpanzerung sowie abstandsaktiven Hard- und Softkillsystemen.

T14-Armata in Moskau 2016, Foto: Markus Weren

Anfang 2019 hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass die Firmenerprobung eines Vorausloses von knapp 20 Kampfpanzern T-14 beginnt. Im Mai 2019 präsentierte das 1. Garde Panzerregiment Chertkovsky der 2. Taman Garde MotSchützen den T-14 bei der Victory Day Parade.  Danach gingen die Panzer in verschiedene Klimazonen zur weiteren Erprobung. Anfang 2020 sollte dieses Regiment die ersten T-14 erhalten und das Pilotlos der zwölf Kampfpanzer und vier Bergepanzer im Truppenversuch auf die Eignung aus Truppensicht prüfen.

Im Frühjahr 2020 hat die russische Regierung über den probeweisen Einsatz von T-14 in Syrien berichtet. Zielsetzung und Ergebnisse wurden nicht bekannt. Von außen betrachtet konnten keine technischen und taktischen Gründe für diesen „Test“ erkannt werden. Weder das Klima noch das Zielspektrum konnten als Herausforderung für den T-14 identifiziert werden. Dem hohen logistischen Aufwand für das komplexe Waffensystem steht das außerordentliche (geheimdienstliche) Interesse an dem russischen Spitzenprodukt entgegen. Da auch möglichen Käufern nicht imponiert werden konnte, bleibt der Versuch, „mit einer Erfolgsmeldung die ständigen Verzögerungen und Probleme bei der Einführung der Vorserienfahrzeuge in die Truppe zu kaschieren“, beurteilt unser Panzerexperte Rolf Hilmes den gefechtsnahen Einsatz.

Mit den bestellten Panzern können nur wenige Bataillone ausgestattet werden. Über weitere Bestellungen wurde bisher nichts bekannt. Tschemesow hat aber angekündigt, dass „dieses Fahrzeug in Zukunft der Hauptkampfpanzer in der russischen Armee sein wird“. Die russische Panzertruppe ist überwiegend mit Kampfpanzern T-72, T-80 und T-90 ausgerüstet. Hinzu kommt eine große Anzahl eingelagerter Kampfpanzer.

Nach Aussage von Tschemesow, sollen die T-14 auch auf dem Export-Markt angeboten werden. Die dafür notwendigen Dokumente lägen vor. Auf welche Käufer Russland dabei blickt, ist unklar. Der vermutlich hohe Preis des T-14 wird Käufer aus dem russischen Umfeld eher abschrecken. Westliche Käufer dürften aus politischen Gründen schwer zu finden sein.

Ausgehend von der Digitalisierung zahlreicher Komponenten des T-14 – hierzu zählen vor allem die Feuerleitanlage und das Getriebe – ist eine unbemannte Version des Kampfpanzers entstanden. Diese soll aber nicht in Serie produziert, sondern als Erprobungsträger für unbemannte Technologien genutzt werden. Die Entwicklung von Bodenkampf-Robotern wird derzeit von der Kalaschnikow-Gruppe forciert. Diese verwenden u.a. Algorithmen, die für den T-14 entwickelt und in scharfem Einsatz in Syrien verwendet worden sind.

Technische Daten

Besatzung 3 (Kommandant, Kraftfahrer, Richtschütze)
Primärwaffe 2A82-1M Glattrohrkanone 125 mm
mit Ladeautomat
Sekundärwaffe Fernsteuerbare Waffenstation,
PKTM MG 7,62 mm
Gefechtsgewicht 48 t
Gewicht mit Missionkit für urbane Kriegsführung 53 t
Motor X-12N360 Multi-Fuel-Diesel, 1.100 kW
Spezifisches Gewicht 22,9 kW/t (mit Missionkit: 20,8 kW/t)
Länge mit Kanone vorwärts 10,8 m
Breite / Höhe 3,5 m / 3,3 m
Maximale Straßengeschwindigkeit 80 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit über unwegsames Gelände 45-50 km/h
Reichweite (ohne externe Tanks) 500 km

 

Die Einführung des modernen – und teuren – Kampfpanzers T-14 und weiterer Familienfahrzeuge stellt eine hohe finanzielle Beanspruchung des russischen Verteidigungsetats dar. Auch die Beherrschung der komplexen Digitaltechnik scheint nach den seltenen Einblicken in Erprobungsergebnisse noch nicht ausreichend ausgeprägt. Daher bleibt mit Interesse abzuwarten, ob das Prestigeobjekt T-14 große Verbreitung in der Truppe finden wird. Trotzdem müssen sich potentielle Gegner damit auseinandersetzen, wie sie sich vor der Bedrohung durch den T-14 schützen können und wie dieser Panzer wirkungsvoll bekämpft werden kann. Für die Protagonisten des neuen Bodenkampfsystems MGCS (Main Ground Combat System) gehört der T-14 sicher zu den Auslegungskriterien.

Gerhard Heiming