Beim Global AI Summit in Paris, an dem hochrangige Staats- und Regierungschefs teilnahmen, hat das europäische Verteidigungstechnologie-Unternehmen Helsing zwei wegweisende Partnerschaften angekündigt. Ziel dieser Kooperationen ist die Entwicklung und der Einsatz von KI-Systemen der nächsten Generation.

Die HX-2-Drohne, die u.a. mit KI den „toten Raum“ beherrscht, ist für Einsatz in der Ukraine vorgesehen. (Foto: Helsing)

Helsing und Mistral AI

Mit dem Entwickler und Dienstleister für große KI-Sprachmodelle, der Mistral AI, hat Helsing eine strategische Partnerschaft zur gemeinsamen Entwicklung von KI-Systemen der nächsten Generation für die Verteidigung Europas vereinbart.

Die Zusammenarbeit verbinde Helsings Wissen über KI in der Militärtechnik – zum Beispiel bei Kampfdrohnen in der Ukraine oder der elektronischen Kriegsführung des Eurofighters – mit den fortschrittlichen KI-Modellen von Mistral, schreibt Helsing in einer Mitteilung. Die gemeinsame Entwicklungsarbeit der Partner werde sich auf Vision-Language-Action-Modelle konzentrieren. Mit diesen Modellen sollen Verteidigungsplattformen ihre Umgebung verstehen, auf einfache Weise mit Bedienern kommunizieren und schnellere, zuverlässigere Entscheidungen in komplexen Szenarien treffen.

Gundbert Scherf, Mitgründer von Helsing, sagt: „Europa muss seine Stärke als globaler Akteur zeigen, und eine führende Rolle in der KI ist dafür entscheidend – sowohl für unsere Sicherheit als auch unseren Wohlstand.“

Arthur Mensch, CEO von Mistral AI, ergänzte: „Unsere Zusammenarbeit mit Helsing hilft Europa, bei künstlicher Intelligenz führend zu werden. Mit unseren Mistral AI-Modellen können neue Verteidigungssysteme entstehen, die Europa stärker und sicherer machen.“

Helsing und Loft Orbital

Mit dem US-amerikanischen Provider von Satellitenstrukturen Loft Orbital will Helsing Europas erste KI-gestützte Satellitenkonstellation für Regierungs-, Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen aufbauen.

In strategischer Partnerschaft wollen beide Unternehmen eine hochmoderne Multisensor-Satellitenkonstellation entwickeln.

Die Partnerschaft werde künstliche Intelligenz nutzen, um Europas Verteidigungs- und Sicherheitsakteure mit Echtzeit-Informationen zu unterstützen, schreibt Helsing. Das System könne bei wichtigen Aufgaben wie Grenzüberwachung, der Beobachtung von Truppenbewegungen und dem Schutz wichtiger Infrastruktur unterstützen. So sollen europäische Streitkräfte in jeder Situation einen Vorteil haben.

Die Satellitenflotte soll mit mehreren Loft Orbital-Satelliten beginnen, die moderne Sensoren wie Kameras und Funksensoren an Bord haben. Diese Sensoren sollen die KI-Technologie von Helsing direkt im All nutzen, um militärische Objekte weltweit aus dem erdnahen Orbit in Echtzeit zu erkennen und zu identifizieren. Durch schnelle Reaktionszeiten, hohe Wiederholungsraten und sofortige Datenverarbeitung soll das System taktische Entscheidungen und schnelle Reaktionen ermöglichen.

Loft Orbital verfügt über einen Bestand an vormontierten Satellitenplattformen und vorgebuchten Starts. (Fotos: Loft Orbital)

Informationsverarbeitung im All

Im Gegensatz zu herkömmlichen satellitengestützten Aufklärungssystemen, bei denen die Daten erst nach der Mission verarbeitet werden, kann diese Konstellation durch die KI-Verarbeitung an Bord Helsing zufolge sofortige Erkenntnisse liefern. Hohe Wiederholungsraten gewährleisten eine kontinuierliche Überwachung von Schlüsselbereichen, während kurze Reaktionszeiten und Echtzeitwarnungen den militärischen Entscheidungsträgern einen operativen Vorteil verschaffen.

Pierre-Damien Vaujour, CEO von Loft Orbital, sagt: „Gemeinsam mit Helsing liefern wir europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsakteuren schnellere und zuverlässigere Informationen, mit denen sie in jeder Situation entschlossen handeln können.“

Scherf verwies auf den Krieg in der Ukraine, in dem sich zeige, dass KI und Satelliten das Schlachtfeld immer durchschaubarer machen. „Loft und Helsing wollen Verteidigungskunden eine dauerhafte und schnelle Aufklärung bieten. Europa braucht jetzt eigenen Zugang zu solchen Weltraum-Ressourcen. Deshalb investieren beide Unternehmen eigenes Geld, um das zu beschleunigen“, so Scherf weiter.

Marc Fontaine, Präsident von Helsing France, fügt hinzu: „Unsere Partnerschaft bringt neue Technologien aus Raumfahrt und Verteidigung zusammen. Unser Ziel ist es, schnell und unabhängig moderne Fähigkeiten als Service bereitzustellen. Mit unserer wachsenden Präsenz in Frankreich und Europa helfen wir, die Zukunft smarter Raumfahrtsysteme zu gestalten.“

Sachstand

Nach Angabe von Helsing befinden sich die Satelliten bereits in der Produktion und die Startslots sind bereits gesichert, so dass der Start der Satelliten im Jahr 2026 erfolgen wird.

Editorial staff / gwh