
Eurosatory: Manövrierfähige 155mm-Präzisionsmunition Vektrex von Rheinmetall und General Atomics
Gerhard Heiming
Rheinmetall und General Atomics Electromagnetic Systems (GA-EMS) haben auf der Eurosatory eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie Rheinmetall am 18. Juni mitgeteilt hat. Ziel sei es, die Möglichkeiten einer kooperativen, transatlantischen Produktion von Vektrex, einer manövrierfähigen 155-mm-Präzisionsmunition, zu prüfen. Die Partnerschaft soll dazu beitragen, die Reichweite und Wirksamkeit der NATO-Artillerie zu steigern, Munitionsvorräte aufzustocken und der Industrie der Bündnisstaaten den Ausbau ihrer Fernkampfkapazitäten zu ermöglichen.
„Europäische und verbündete Streitkräfte benötigen Langstrecken-Schlagkraft, die sich schnell integrieren lässt, effizient skalierbar ist und durch widerstandsfähige multinationale industrielle Netzwerke nachhaltig bleibt“, sagte Roman Köhne, CEO der Rheinmetall-Division Weapon and Ammunition.

Reichweite, Flexibilität und Integration
Kennzeichnend für Vektrex ist ein gleitbasiertes, aerodynamisches Design aus. Dabei „kippt“ das Geschoss am Scheitelpunkt um und gleitet in einem flachen Winkel extrem weit. Dieses erweitert die Reichweite im Vergleich zu herkömmlichen Artilleriegeschossen um das Zwei- bis Dreifache. Die Munition ist speziell für den Einsatz in umkämpften und GPS-beeinträchtigten Umgebungen ausgelegt. Ein wesentlicher operativer Vorteil ist die Kompatibilität: Vektrex lässt sich ohne neue Abschuss-, Treibstoff- oder Logistikinfrastrukturen in bereits eingeführte 155-mm-Artilleriesysteme der Kaliberlängen 39 und 52 integrieren. Dies erlaubt eine schnelle Einbindung in die bestehenden Strukturen der Streitkräfte.
Wirtschaftlichkeit und Großserienfertigung
Angesichts der weltweit stark gestiegenen Nachfrage nach Artilleriemunition für hochintensive Konflikte wird Vektrex als kosteneffiziente Alternative zu teuren taktischen Raketensystemen positioniert. Die Kooperation bündelt die Entwicklung von GA-EMS im Bereich der Präzisionsmunition mit dem Produktions-Know-how und der NATO-konformen Infrastruktur von Rheinmetall. Diese Kombination soll die Voraussetzungen für eine künftige Großserienfertigung schaffen, um den Bedarf der Bündnis- und Partnerländer nachhaltig zu decken.
„Der operative Bedarf übersteigt weiterhin die Produktionskapazitäten für herkömmliche Lenkmunition“, sagte Scott Forney, Präsident von GA-EMS. „Diese Zusammenarbeit hilft der Industrie der Bündnisstaaten, ihre Fernkampfkapazitäten auszubauen und gleichzeitig Artilleriesysteme zu nutzen, die bereits in den Streitkräften eingesetzt werden.“
Die geplante Zusammenarbeit setzt auf Optionen der dezentralen Koproduktion. Dadurch sollen multinationale industrielle Netzwerke gestärkt, Lieferketten resilienter gestaltet und die Beschaffungszeiträume verkürzt werden. Die Partner reagieren damit auf den strategischen Wandel in der modernen Kriegsführung, der zunehmend nach einem höheren Volumen an präzisem Weitstreckenfeuer verlangt.
Gerhard Heiming














