Nachgefragt bei Dr. Harald Buschek, Chief Program Officer von Diehl Defence
Interview mit Dr. Harald Buschek, Chief Program Officer von Diehl Defence
ES&T: Herr Buschek, Luftverteidigung hat für die Bundeswehr oberste Priorität. Welche Technologien werden aus Ihrer Sicht perspektivisch hier die Zukunft bestimmen?
Zunächst einmal gilt es, die bestehenden Technologien in ausreichender Stückzahl schnell bereitzustellen. Hierzu muss von der Fertigung als „Manufaktur“ in große Serienfertigung hochskaliert werden, was eine Herausforderung für sich darstellt – sowohl für uns, aber insbesondere auch für unsere Partner und Lieferketten.
In den nächsten Jahren werden zwei technologische Stränge zu beobachten sein. Zum einen wird im Bereich der Drohnen und Drohnenabwehr ein weiter hohes Niveau an Innovationen und sehr kurzen Entwicklungszyklen erwartet; der Ukrainekrieg verdeutlicht dies sehr eindrücklich.
Zum anderen wird die „klassische“ Luftverteidigung und Raketenabwehr nicht an Bedeutung verlieren. Bei aller Aufmerksamkeit für Drohnen wird auch hier der Bedarf nach wie vor steigen. Auch in der Luftverteidigung werden wir permanente Weiterentwicklungen und neue Effektoren, zum Beispiel zur Abwehr von hypersonischen Bedrohungen, sehen. In beiden Bereichen, Drohnenabwehr und Abwehr von hypersonischen Bedrohungen, sind wir als Diehl Defence mit unseren c-UAV Systemen und mit der technischen Führung im EU HYDEF Konsortium sehr gut aufgestellt.
Ganz grundsätzlich werden neue Technologien wie KI stärker Einzug halten. Darüber hinaus wird die Vernetzung aller Systeme zu einem leistungsfähigeren Verbund vorangetrieben. Egal, ob bei Drohnen oder in der klassischen Luftverteidigung: Entwicklungszyklen und Anpassungen werden sich beschleunigen. „Software Defined Defence“ ist hier ein wichtiges Schlagwort.
ES&T: Qualität sollte auch in einer hohen Quantität zur Verfügung stehen. In welchen Bereichen erweitern Sie ihre Produktionskapazitäten?
Unsere angestrebten und bereits umgesetzten Produktionskapazitätserweiterungen beziehen sich sowohl auf die Anzahl der Feuereinheiten als auch auf die Produktion der Lenkflugkörper selbst. Bei den Feuereinheiten (Fire Units, FUs) haben wir für das am stärksten nachgefragte System IRIS-T SLM – unser Luftverteidigungssystem für die mittlere Reichweite – bereits eine Anzahl von zehn FUs pro Jahr überschritten. Langfristig streben wir die Auslieferung von 30 Feuereinheiten pro Jahr an.
Im Bereich der Lenkflugkörper der IRIS-T Familie, sowohl für die Luft-Luft- als auch für die Boden-Luft-Anwendung, haben wir die Produktion bereits um den Faktor 20 gesteigert.
Um einen solch beachtlichen Kapazitätsaufbau zu ermöglichen, investieren wir unternehmensweit und über alle Standorte hinweg ca. 1,5 Mrd. Euro in Infrastruktur, Liegenschaften und Produktionslinien. Darüber hinaus haben wir unsere Personalstärke mehr als verdoppelt und stellen weiterhin ein.
ES&T: Zeit ist zum kritischen Faktor geworden. Wenn Sie verschiedene Nationen vergleichen, wo steht da das deutsche Beschaffungssystem? Sehen Sie bei uns Handlungsbedarf?
Die Beschaffungen in Deutschland haben seit dem Beginn des Ukrainekriegs deutlich an Geschwindigkeit gewonnen. Dies liegt unter anderem an einer veränderten Wahrnehmung der Notwendigkeit für schnellere Beschaffungen bei allen Beteiligten. Daraus resultiert ein größerer Pragmatismus und die eine oder andere Vereinfachung im Prozess. Man ist darüber hinaus viel schneller bereit, zeitnah marktverfügbare Technologien zu beschaffen und nicht mehr auf die „Goldrandlösung“ zu bestehen – ein Phänomen, für das insbesondere Deutschland bekannt war.
Ein hervorragendes Beispiel für die Zeitenwende ist die „European Sky Shield Initiative“, mit der sich Deutschland sogar an die Spitze der Beschleunigung und Vereinfachung im Beschaffungswesen für Luftverteidigung gestellt hat. Die Initiative und der dazugehörige Beschaffungsvertrag helfen vielen Partnernationen, schnell und effizient zu einer leistungsfähigen Luftverteidigung zu kommen. Diese Erfolgsgeschichte gilt es fortzuschreiben und auch weitere Partnernationen inner- und außerhalb Europas zu befähigen. „Government-to-Government“ ist hier das Stichwort. Ein Prinzip, das die Amerikaner seit Jahrzehnten sehr erfolgreich einsetzen.

©Diehl
ES&T: Was präsentieren Sie dieses Jahr auf der ILA?
Die ILA ist eine der wichtigsten Messen in unserem prall gefüllten Messekalender. Unter dem Leitmotiv „Global Commitment, Proven Protection“ präsentieren wir z.T. mit Großfahrzeugen im Defence Park unser gesamtes Produktportfolio: von bodengebundener Luftverteidigung gemäß unserem „Layered-Air-Defence“-Ansatz mit IRIS-T SLS, SLM, SLX, der navalisierten Version von IRIS-T SLM, unserem Hyperschallabwehrflugkörper HYDEF über das UGV Ziesel, die eMissile CICADA zur Drohnenabwehr bis hin zum C-UAV System GARMR. Im Bereich der Lenkflugkörper sind für die Dimension Luft IRIS-T, HUSSAR, Euro-GATR und SPICE 250 ER sowie weitere zukunftsfähige Effektoren wie FEANIX und FCAAM ausgestellt. Für die Dimension See präsentieren wir RBS15 MK3 sowohl als Schiffsbewaffnung als auch als „Costal Defence“-Lösung zum Küstenschutz. Ebenso sind unsere Produkte der Raketenartillerie vertreten. Zum hochmobilen Short Range Air Defence System IRIS-T SLS MK4 von Diehl Defence und dessen Upgrade dürfen Sie während der ILA mit einer spannenden Produktenthüllung rechnen.



















