Die transatlantische Allianz galt lange als gesetzt. Wegen der Außenpolitik von Präsident Donald Trump sieht eine große Mehrheit der Deutschen die USA inzwischen kritisch – im Gegensatz zu Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Obwohl die historisch gewachsene Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zunehmend infrage steht, gab sich Papperger auf einer Tagung des „Handelsblatt“ zuversichtlich. „Ich glaube weiterhin an die transatlantische Partnerschaft, weil das wichtig ist“, sagte der Rheinmetall-Chef. „Amerika und Europa müssen zusammenarbeiten – aber ich glaube, eines müssen wir lernen: dass Europa stärker werden muss.“
Europa ist nach Meinung des Rüstungsmanagers momentan nicht in der Lage, ein „echter Partner der Amerikaner“ zu sein. „Warum? Weil wir 30 Jahre lang geschlafen haben.“ Europa sei gefordert, seine Verteidigungsfähigkeit auszubauen, um wieder ein verlässlicher Partner in der NATO zu werden, sagte Papperger rund ein Jahr nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Der US-Präsident hatte den Europäern in der Grönland-Frage gedroht und den transatlantischen Beziehungen nachhaltig geschadet.
Papperger „selber geschockt“ über die Beziehungen
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben europäische NATO-Mitglieder ihre Wehretats mitunter üppig vergrößert. Papperger zeigte sich auf der Tagung zu Verteidigung und Sicherheit in Berlin überzeugt, dass Deutschland und Frankreich ihre Engagements noch einmal steigern werden. „Und dann ist man auch nicht in einer Situation, dass man letztendlich erpresst wird, denn das ist ja nichts anderes gewesen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG. „Wir sind selber ein bisschen geschockt, was da im Augenblick passiert“, gab er zu. Europa und Amerika liefen Gefahr, sich zu entzweien. „Wir alle sollten daran arbeiten, wieder enger zusammenzukommen.“
Auf die Nachfrage des Moderators, ob er persönlich in den USA noch einen verlässlichen Verbündeten sieht, schränkte Papperger seine Position ein. „Ich kann es ja nur von der industriellen Seite her sagen: Wir haben Partnerschaften mit vielen US-Unternehmen, eine ganz enge Partnerschaft mit Lockheed Martin, und das ist eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
Trumps Liebeserklärung an Rheinmetall
Im Rheinmetall-Werk in Weeze gastierten zuweilen bis zu 20 US-Regierungsvertreter. Dies zeige, dass „Pentagon oder auch White House überzeugt davon sind, dass Europa und Deutschland gute Partner sind“, so Papperger. „Sonst würde man uns ja auch diese ganzen Technologien nicht geben.“ Im nordrhein-westfälischen Weeze fertigt Rheinmetall Rumpfteile für das US-Tarnkappenkampfflugzeug F-35, das als modernster Kampfjet der Welt gilt. „Die ersten drei sind jetzt produziert“, sagte der Chef des Rüstungsriesen, „und das in einer Rekordzeit.“
Rheinmetall profitiert von der Aufrüstung in Deutschland wie kaum ein anderes Rüstungsunternehmen. Ungefähr 35 Prozent des Umsatzes des Dax-Konzerns gehen auf die Bundeswehr zurück. Im Jahr 2024 lag das Plus im Defence-Geschäft bei 51 Prozent. „Wir werden dieses Jahr zwischen 40 und 50 Prozent wachsen“, prognostizierte Papperger. Rheinmetall sei ein globales Unternehmen, das freilich auch in den USA investiert. „Was Präsident Trump ganz gut findet“, sagte der CEO. „Also der sagt: If you make America great again, we love you.“
Florian Pfitzner


















