Im Rahmen der offiziellen Indienststellung der P-8A Poseidon in Nordholz haben Boeing, Lufthansa Technik Defense und Hensoldt (Vertragspartner ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH) einen langfristigen Performance Based Logistics-Vertrag (PBL) unterzeichnet. Einer Mitteilung von Boeing vom 20. November zufolge markiert die Vereinbarung einen wichtigen Meilenstein zur Stärkung der deutschen Seefernaufklärungsfähigkeiten. Für Boeing ist dies der erste Vertrag dieser Art in Deutschland seit der Betreuung der F-4 Phantom der Bundeswehr in den frühen 1980er-Jahren.

„Dieser Meilenstein ist das Ergebnis jahrelanger, enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und unseren deutschen Industriepartnern“, sagte Stephen Schmidt, Senior Program Manager für Global P-8 Sustainment bei Boeing. Die maßgeschneiderte, leistungsorientierte Lösung ermögliche eine sichere Indienststellung der deutschen P-8A-Flotte und versetze die Deutsche Marine von Tag eins an in die Lage, ihre nationalen und regionalen Einsatzverpflichtungen im Schulterschluss mit ihren globalen Partnern zu erfüllen.

Der Betrieb des Seefernaufklärers P-8A Poseidon wird von einem deutschen Industrieteam mit Lufthansa Technik und Hensoldt/ESG unterstützt. (Foto: Hensoldt)

PBL-Vertrag für Wartung und Logistik

Nach Angabe von Boeing beinhalten die neuen, mehrjährigen Vereinbarungen im Wert von mehreren hundert Millionen Euro einen deutschen Wertschöpfungsanteil von über fünfzig Prozent. Sie bilden die Grundlage eines umfassenden logistischen Versorgungs- und Instandhaltungskonzepts, dass die sichere Indienststellung, Lufttüchtigkeit und Einsatzbereitschaft der deutschen P-8A Poseidon-Flotte gewährleistet.

Der PBL-Vertrag bildet die Grundlage einer strategischen Partnerschaft zwischen Boeing, dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), der Deutschen Marine und den deutschen Industriepartnern Lufthansa Technik Defense und Hensoldt. Dabei greift das deutsche P-8A Poseidon-Industrieteam auf die globalen Fähigkeiten und Erfahrungswerte des P-8-Netzwerks zurück (unter anderem USA, Großbritannien und Kanada). Dieses internationale Netzwerk unterstützt das digitale Wartungs- und Versorgungssystem der Deutschen Marine und ergänzt es um ingenieurtechnische Leistungen, Supply-Chain-Management und digitale Flugzeugservices.

Stärkung der Einsatzverfügbarkeit

Lufthansa Technik Defense wird die Basiswartung und Instandhaltung der Flugzeuge am Standort Hamburg verantworten und zudem sein bestehendes P-8-Komponentensupport-Angebot für Deutschland erweitern. Deutschland ist nach Großbritannien und Neuseeland der dritte internationale P-8-Kunde, der auf die umfangreichen Fähigkeiten von Lufthansa Technik Defense zurückgreift, einschließlich Trainings in Wartungs- und Triebwerkstechnik.

„Mit diesem neuen Vertrag erweitern wir unser militärisches MRO-Portfolio um ein erstes waffentragendes Flugzeugsystem und stärken unsere langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft mit der Bundeswehr weiter”, sagte Michael von Puttkamer, Vice President Special Aircraft Services & Defense bei Lufthansa Technik.

Lufthansa Technik liefere vor allem Einsatzverfügbarkeit, stellte Dorthe Nell, Leiterin Akquise Defense Programme bei der Lufthansa Technik, heraus. „Auch bei der technischen Betreuung der Boeing 737 haben wir über Jahrzehnte ein einzigartiges Knowhow aufgebaut, und ich freue mich, dass wir diese Kenntnisse nun auch bei der Deutschen Marine unter Beweis stellen können.“

Vorbereitung: Ausbildung und Gerätebeschaffung

Bereits lange bevor die Poseidon in deutsche Dienste kam, hatten Lufthansa Technik und deren Tochtergesellschaft Lufthansa Technical Training damit begonnen, die deutsche Marine für die P-8A auszubilden. Mehr als 20 Techniker haben inzwischen einen mehrstufigen Ausbildungskurs an der Basisausführung 737NG absolviert, von wo nur ein kurzer Differenzierungskurs erforderlich ist, um sich auch für die militärische Ableitung zu qualifizieren.

Um für die P-8A vom ersten Tag an gerüstet zu sein, hat Lufthansa Technik darüber hinaus aktiv die erforderlichen Werkzeuge und Bodenabfertigungsgeräte (Ground Support Equipment, GSE) für die Deutsche Marine beschafft, von Flugzeugtreppen über Hydraulikaggregate bis hin zu Schleppwerkzeugen. Die erforderliche regelmäßige Kalibrierung von Werkzeugen und GSE wird ebenfalls vom MRO-Team von Lufthansa Technik durchgeführt. Weiterhin unterstützt das Technical Operation Center von Lufthansa Technik in Hamburg die deutsche Marine durch einen speziellen technischen Helpdesk.

Hensoldt/ESG für Logistik und Materialbewirtschaftung zuständig

Hensoldt (Vertragspartner ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH) stellt am Marinefliegerstützpunkt Nordholz sowie im operativen Einsatz die gesamte Logistik, Materialbewirtschaftung und Bodenausrüstung bereit und erweitert zusätzlich seine bestehenden IT- und Missionssystem-Services.

Dietmar Thelen, Geschäftsführer ESG und Mitglied des Group Executive Committee von Hensoldt, begrüßt die umfassende Einbindung deutscher Partner: „Als verlässlicher Partner der Bundeswehr und des Boeing-Industrieteams bringen wir unsere vielfältigen Fähigkeiten und langjährige Erfahrung in das P-8A-Programm ein – zum Nutzen der Marineflieger und für die Sicherheit von uns allen.“

gwh