Das Financieël Dagblad meldete am 23. Oktober, Berlin dränge Damen beim Milliardenprojekt F126 aufs Nebengleis und erwäge, die Projektführung an ein deutsches Werftenbündnis – wohl NVL – zu übertragen. Gründe: bis zu 40 Monate Verzug, ein eingefrorener Baufortschritt und juristische Klärungen, die bis zu sechs Monate dauern könnten. Das niederländische Überbrückungsdarlehen von 270 Miillionen Euro sei bislang nicht gezogen worden, weil Deutschland Subunternehmer direkt bezahlt habe. Aus der Politik heißt es zugleich: Der Bau des ersten Schiffes ruht. Ein Projektabbruch kursiert in Medien als Option, politisch wurde er bisher nicht offen gefordert.
Rollenwechsel statt Abbruch
Ein Abbruch wäre fiskalisch und militärisch irrational: Rund 1,83 Milliarden Euro sind bereits geflossen, erste Sektionen stehen in Wolgast. Ein Stopp vernichtete Werte, die Marine bliebe länger mit der alternden F123-Klasse in Flug- und U-Boot-Abwehr limitiert. Plausibel ist ein organisierter Rollenwechsel: Damen bliebe mit Design und Engineering beteiligt, NVL übernähme als Hauptauftragnehmer Steuerung und Haftung.
Die geplante NVL-Übernahme durch Rheinmetall schafft den industriellen Durchgriff, den Berlin sucht: deutsche Kontrolle über Integration und Lieferkette, Vermeidung einer teuren Rückabwicklung, politische Gesichtswahrung gegenüber Den Haag. Marineschepen.nl bewertet die Übergabe als realistisch, warnt aber, dass IP-Übertragungen und die Umlenkung hunderter Ingenieurstellen bis zu zwei Jahre dauern könnten.
Politisch ist der Rollenwechsel damit die realistische Route: mehr Durchgriff und ein kleineres juristisches Minenfeld als ein Abbruch. Mit einem Erstzulauf der F126 ab 2031 plus sprechen getätigte Investitionen, das fortschreitende Alter der F123 und der knappe Faktor Zeit für eine klare Entscheidung. Der in Osnabrück geborene Verteidigungsminister müsste so nicht „seine“ Niedersachsen verprellen; Gesichtswahrung für Den Haag und Gorinchem inklusive.

Damen im Krisenmodus
Damen steht nicht nur wegen F126 unter Druck. Das rumänische Joint Venture in Mangalia ist insolvent und wird restrukturiert. Der staatliche Mehrheitsaktionär, Șantierul Naval 2 Mai S.A., wirft Damen „illegal orchestrierte Operationen“ vor und beziffert den Schaden auf rund 55 Mio. Euro. Damen weist das zurück und klagt vor dem VIAC („Damen Holding v. Șantierul Naval 2 Mai“). Medien nennen neben MSC auch Rheinmetall als möglichen Käufer für Mangalia. Bestätigungen gibt es nicht.
Auch in den Niederlanden ermittelt das Openbaar Ministerie in zwei Verfahren: erstens wegen mutmaßlicher Bestechung, Urkundenfälschung und Geldwäsche in Auslandsgeschäften 2006–2017; zweitens wegen möglicher Sanktionsverstöße bei Russland-Geschäften nach 2014. Damen bestreitet die Vorwürfe.
VSM-Vorschlag: Verlockend, aber nicht plausibel
Neben der Neuordnung F126 unter deutscher Regie mit gleichen Fähigkeitszielen und besserer Steuerbarkeit wird eine MEKO-A200 als „Sprintlösung“ ins Spiel gebracht. So plädiert der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) dafür, F126 unter neuer industrieller Führung weiterzuführen und parallel ein bewährtes Design zu beschaffen, um schneller Einheiten zuzulaufen. Gerade dieser zweite Strang ist zu hinterfragen. Auf dem Papier verlockend, in der Praxis nicht plausibel: Die großen Werften sind auf Jahre ausgelastet; ein zusätzlicher Fregattenanlauf frisst Engineering, Zulieferketten und Hellinge und öffnet eine zweite Ausbildungs- und Logistiklinie, die die Marine personell und organisatorisch zu stemmen hätte. Systemintegration „plug & play“ gibt es nicht. Aus Erfahrung gilt: Sobald Sonderwünsche und „Goldrandlösungen“ einziehen, schmilzt der vermeintliche Zeitgewinn. Unterm Strich wirkt die MEKO A-200 als Brücke eher wie ein Mythos als wie eine Lösung.
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