Mit dem erfolgreichen Flugkörperschießen vor Andøya hat die Deutsche Marine erstmals einen bodengebundenen IRIS-T SLM von einer Fregatte der Klasse F125 aus gestartet – ein technologisch beachtlicher Schritt. Das provisorisch integrierte Anti-Air-Warfare-Modul auf dem C-Deck der „Baden-Württemberg“ zeigte: Mittlere Flugabwehr ist auch ohne tiefgreifenden Umbau nachrüstbar. Gleichzeitig offenbarte die Übung strukturelle und taktische Spannungsfelder, die eine Realisierung begleiten würden.

Fähigkeitssprung mit Vorbehalt

Zweifellos verleiht IRIS-T SLM der F125 eine überfällige Fähigkeit. Mit rund 40 Kilometern Reichweite, hoher Agilität und passiver IR-Zielsuchlenkung kann das System Bedrohungen bekämpfen, lange bevor sie in die Reichweite der RAM-Nahbereichsabwehr oder Artillerie gelangen. Gerade gegen kleine, signaturarme Ziele wie Drohnen und Sea Skimmer, für die radarbasierte Systeme anfällig sein können, bietet IRIS-T taktische Vorteile. Die Kampfwertsteigerung ist real.

Das bei Andøya eingesetzte Modul war funktional, aber nicht integriert: Radar-Daten wurden abgegriffen, das Gefechtssystem blieb außen vor, Einrichtungen für die Seeversorgung (RAS) mussten angepasst werden. Der improvisierte Aufbau – olivgrün lackiert und mit Ballaststahl am Deck gesichert – war Behelf und Demonstrator zugleich. Für den Dauerbetrieb braucht es eine marinereife Lösung: Launcher, Software, Peripherie. Und RAL 7000 (fehgrau) statt olivgrün.

IRIS-T SLM [Foto © Diehl Defence]
IRIS-T SLM [Foto © Diehl Defence]
Mehr noch: Der IR-Suchkopf des Systems bleibt witterungsempfindlich – bei Nebel, Regen oder starker Sonneneinstrahlung kann die Zielerfassung beeinträchtigt sein, was im Allwetterbetrieb ein Schwachpunkt sein kann. Ebenso mag ihm seine GPS-unterstützte Trägheitsnavigation in einem GPS-denied Umfeld zum Nachteil gereichen.