Auf der Eurosatory 2024 hat die Rolls Royce-Division Power Systems, die unter Namen mtu-Solutions firmiert, Konzepte für einen Hybrid-Antrieb für militärische Landfahrzeuge und für die Motorenbaureihe 199 mit zehn Zylindern und 1.100 kW vorgestellt.
Das Hybrid-Powerpack für militärische Landfahrzeuge soll als Kombination aus Hochleistungs-Dieselmotor und batterieelektrischem Antrieb taktischen Fahrzeugen neue Fähigkeiten im Einsatz ermöglichen – beispielsweise leiseren Betrieb und kleineren thermischen Footprint, schreibt mtu-Solutions.
Das Unternehmen kombiniert mit seinem neuen mtu-Hybridantrieb die Vorteile eines Hochleistungs-Dieselmotors mit denen eines batterieelektrischen Antriebs. Das hochintegrierte Antriebssystem benötigt laut mtu vergleichsweise wenig Bauraum im Fahrzeug, um möglichst viel Volumen für Ausrüstung und Besatzung zur Verfügung zu stellen. Kern der Lösung sei dabei eine hochmobile und extrem kompakte Antriebslösung unter Berücksichtigung des steigenden Kostendrucks, knapper Budgets und des Bedarfs an deutlich größeren Fahrzeugflotten.

„Künftige gepanzerte militärische Landfahrzeuge werden mehr Leistung für den Antrieb und die Bordstromversorgung der elektronischen Systeme benötigen. Gleichzeitig werden sie für verändertes taktisches Vorgehen im Feld konzipiert sein. Beidem tragen wir mit unseren künftigen mtu-Antriebslösungen für diese Anwendung Rechnung“, sagt Knut Müller, Senior Vice President Global Governmental Business von Rolls-Royce Power Systems.
Für einen leisen Betrieb, beispielsweise in verdeckter Position, versorgen mtu zufolge die zuvor im Dieselbetrieb aufgeladenen Hochleistungsbatterien die elektrischen und elektronischen Systeme des Fahrzeugs. Das erfolge ohne die Geräuschentwicklung und den thermischen Footprint des Dieselmotors – und das über längere Zeit hinweg. So sei das Fahrzeug für die gegnerische Aufklärung schwerer zu orten. Der sogenannte „Anti-Idle“-Modus sorge dabei nicht nur für bessere Tarnung des Fahrzeugs, sondern senke dabei deutlich den Kraftstoffverbrauch im Stand-by des Fahrzeugs. Die Reichweite der Fahrzeuge und die nachgelagerte Logistikkette für die Betankung der Fahrzeuge werden optimiert.
mtu weist daraufhin, dass die „milde“ Hybridisierung mit dem kombinierten Antrieb ihre Vorteile bei langsamen Fahrten ausspiele, wenn die Fahrzeugketten nur wenig Geräusch entwickeln. Die Geräuschentwicklung des Antriebs werde mit einem speziell entwickelten und individuell abgestimmten Schalldämpfer auf ein Minimum reduziert und die Aufklärung der Fahrzeuge dadurch erheblich erschwert. Im Kombibetrieb diene der Elektroantrieb zusätzlich als Booster für hoch dynamische Beschleunigung, geräuschreduzierte Langsamfahrt oder aber auch für Hochgeschwindigkeitsfahrt. „Damit nutzen wir die Vorteile der Hybridisierung in allen Betriebsmodi“, betont Müller.
„Dieses Antriebskonzept wird die Einsatzmöglichkeiten künftiger Kettenpanzer in einer Art und Weise erweitern, wie sie bisher kaum vorstellbar waren“, sagt Christian Wolf, Entwicklungsleiter für militärische Motoren und Systeme bei Rolls-Royce Power Systems. „Wir sind überzeugt, dass wir damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Verteidigungsfähigkeit der NATO und ihrer Verbündeten leisten. Die Fahrzeughersteller können damit erstmalig völlig neuartige Fahrzeugkonzepte verwirklichen, wobei das Hybridkonzept grundsätzlich mit jeder Motorenbaureihe aus dem mtu-Militärantriebsprogramm realisierbar ist.“

Baureihe 199 mit 1.100 kW
Durch die Einführung eines neuen 10-Zylinder-Motors will mtu-Solutions die Leistungsspanne der weit verbreiteten Baureihe 199 auf 1.100 kW erweitern. Seit 2000 hat mtu nach eigener Angabe etwa 4.000 6- und 8-Zylinder-Motoren z.B. für das Radfahrzeug 8×8-Boxer, die Kettenfahrzeuge auf Basis der ASCOD-Plattform, die Familienfahrzeuge des Ajax , die nächste Generation der Kampffahrzeuge der USA wie M10 Booker und den polnischen Schützenpanzer Borsuk geliefert.
„In einem nächsten Schritt haben wir uns eine weitere Leistungssteigerung auf 1.200 kW vorgenommen“, sagt Entwicklungsleiter Christian Wolf. Auf Grund des modularen Konstruktionsprinzips der mtu-Baureihe 199 und der kompakten Abmessungen könne der 10-Zylinder-Motor nicht nur für Neufahrzeuge, sondern auch zur Remotorisierung der bestehenden Fahrzeuge verwendet werden. Dabei setze die 10-Zylinder-Variante neue Maßstäbe bezüglich Leistungsdichte, kompakter Bauweise und vor allem bereits verfügbarer Anbauteile wie Hydraulik-Einheiten, Luftkompressoren und auch Generatoren zur Stromerzeugung. Damit werde die Fahrzeugintegration zu einem Powerpack deutlich vereinfacht.
„Mit diesem auf einem kommerziellen Grundmotor basierenden Antrieb tragen wir dazu bei, die gestiegenen Anforderungen an die Landes- und Bündnisverteidigung kosteneffizient zu erfüllen“, sagt Knut Müller.
Redaktion / gwh

















