In der vergangenen Woche haben der französische Generalstab und die Beschaffungsbehörde DGA (Direction générale de l’armement) in der Pariser Militärschule (École militaire) ein Kolloquium zum Thema „Operative Probleme und Herausforderungen der Verteidigungsindustrie“ veranstaltet. Anwesend waren auch Vertreter der nationalen Rüstungsindustrie. Gedacht war dieses Seminar als Etappe auf dem Weg der französischen Nationalökonomie hin zur Umstellung auf Kriegswirtschaft, wie sie von Staatspräsident Emmanuel Macron vor zwei Jahren vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gefordert worden ist.

Foto: Ministère des Armées
Zu diesem Zweck ist im vergangenen Jahr die „Task Force reaktionsschnelle Beschaffung“ (Force d’acquisition réactive – FAR) eingerichtet worden. An ihrer Spitze stehen Brigadegeneral Emmanuel Charpy von der DGA und Oberst Hervé Mermod vom Generalstab. Aufgabe dieser Arbeitsgruppe ist es, Bedarfe der Streitkräfte zu formulieren und Beschaffungszeiten zu reduzieren.

Admiral Pierre Vandier, stellvertretender Generalstabschef (Major général des Armées – MGA), zog beim Thema „Munitionsbedarf“ einen historischen Vergleich zum Beginn des Ersten Weltkrieges, als Frankreich munitionstechnisch nicht auf einen großen Konflikt vorbereitet war: „Wir befinden uns zwar nicht im Jahr 1914, wir befinden uns auch nicht im Krieg, aber ich stelle fest, dass wir heute immer noch von fehlenden Artilleriegranaten sprechen.“
„Die Kriegswirtschaft“, so der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu bei seiner Schlussrede, „ist weder eine Modeerscheinung noch ein abschweifender Exkurs.“ Deshalb hat der Ressortchef bei dieser Veranstaltung den Generaldirektor der DGA, Emmanuel Chiva, damit beauftragt, bis September einen „Vereinfachungsvorstoß“ bei den neuen Rüstungsprogrammen vorzulegen.
Dr. Gerd Portugall


















