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Für den Start des Eurodrohnen-Projekts haben mit Frankreich, Italien und Deutschland mittlerweile drei von vier Partnern grünes Licht gegeben. Es fehle nur noch die offizielle Zustimmung Spaniens, um den Vertrag über den Bau der Eurodrohne aufsetzen zu können, sagte die zuständige Airbus-Chefingenieurin für das Projekt, Daniela Lohwasser, am Dienstag beim Trade Media Briefing ihres Unternehmens. Die Industrie, also Airbus Defence and Space, Dassault und Leonardo stünden bereit, so die Chefingenieurin. Nach Zustimmung des spanischen Parlaments könne der über die europäischen Rüstungsagentur OCCAR abzuwickelnde Vertag nach einigen Monaten zur Unterschrift vorliegen.

Der Bundestag hatte dem Projekt, auch bekannt als Medium-Altitude Long-Endurance Remotely Piloted Air System (MALE RPAS), bereits im April zugestimmt und die nötigen Mittel in Höhe von 3,1 Milliarden Euro freigegeben. (ESuT berichtete).

Die Bundeswehr plant sieben Drohnensysteme zu beschaffen und damit die bisher über Betreiberverträge genutzten Drohnen vom Typ Heron 1 und Heron TP abzulösen. Ein Drohnensystem Eurodrohne besteht aus drei Luftfahrzeugen und zwei Bodenkontrollstationen. Darüber hinaus umfasst es Ground Support Equipment, Ersatzteile inklusive Lagerhaltung, Ausbildung und die Unterstützung des Betriebs in den ersten 6,5 Jahren.

Mit den Systemen will die Bundeswehr in der Lage sein, luftgestützte Aufklärung und Überwachung bis in die Tiefe eines Einsatzgebietes zu betreiben sowie gegen stationäre und bewegliche Einzelziele zu wirken. Über die Möglichkeit zur Bewaffnung wird der Bundestag jedoch gesondert entscheiden. Weiterhin fordert das BMVg, wie aus der Antwort aus einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke hervorgeht, dass „der Flugbetrieb bei Tag und Nacht, unter Bedingungen des elektronischen Kampfes und auch unter widrigen Witterungsbedingungen einschließlich vorhergesagter bzw. gemeldeter moderater Vereisung, moderaten Turbulenzen sowie Flügen in Gewitternähe in mindestens zwei räumlich getrennten Einsatzgebieten“ erfolgen kann.

Darüber hinaus wird erwartet, dass eine einzelne Drohne über mindestens 20 Stunden Stehzeit verfügt und durch den überlappenden Einsatz mehrerer Systeme eine bis zu fünf Tage durchgehende Aufklärung gewährleistet wird. Aus einer weiteren Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke geht hervor, dass das BMVg davon ausgeht, dass rund 84 Monate, also sieben Jahre, nach Vertragsschluss die Auslieferung des ersten Serienluftfahrzeugs erfolgen kann. Somit dürfte nach gegenwärtigem Stand das erste System in den Jahren 2029 / 2030 ausgeliefert werden, je nachdem, wann der Vertrag unterzeichnet werden kann.

Ursprünglich war bei Airbus die Auftragserteilung bereits 2019 erwartet worden (ESuT berichtete).

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Neben Deutschland mit sieben Systemen plant Italien, fünf Systeme zu beschaffen. Frankreich und Spanien haben jeweils einen Bedarf von vier Systemen angegeben. Das Management dieses europäischen Rüstungsprojekts wird die Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement, OCCAR) übernehmen. Diese erwartet den ersten Flug eines Prototyps im Jahr 2026.

Aus Sicht von Airbus wird die Eurodrohne das leistungsstärkste System in seiner Klasse werden. Die Luftfahrzeuge selbst werden eine Länge von 16 Metern, eine Höhe von 6 Metern und eine Spannweite von rund 30 Metern aufweisen. Die maximale Nutzlast wird von Airbus mit 2,3 Tonnen angegeben, bei einem maximalen Abfluggewicht von 11 Tonnen. Die Flugzeit der Drohne soll zwischen 18 bis zu 40 Stunden und die Höchstgeschwindigkeit bei rund 500 km/h liegen.

Chefingenieurin Lohwasser begründet die Entscheidung, zwei Triebwerke für die Eurodrohne zu nutzen damit, dass sich dadurch der Sicherheitsfaktor deutlich erhöhe, das System robuster und weniger wartungsintensiv sei und sich dadurch die höheren Anschaffungskosten über längere Sicht rentieren würden. Zudem geht Lohwasser davon aus, dass zwei Triebwerke in der MALE-Klasse in Zukunft das neue Normal seien werden.

Die Eurodohne wird nach Aussage von Lohwasser zudem von Anfang an für die Integration in den zivilen Luftverkehr konzipiert. Dies ermöglicht zum einen das freie Fliegen der Drohnen in den Lufträumen der Nutzerstaaten, zum andern ermöglicht es auch den internationalen Überflug, ohne vorherige langandauernde Zertifizierungsprozesse, so die Airbus-Vertreterin. Das Planen von direkten Flugrouten, ohne Umwege fliegen zu müssen, um immer in der Nähe von Notlandemöglichkeiten zu sein, sei mit der Eurodrohne möglich.

Die industrielle Fertigung der Eurodrohne wird nach derzeitigen Planungen in allen vier Ländern zu gewissen Teilen stattfinden. In Frankreich ist Dassault Aviation zuständig für die Flugsicherheits- und Landesysteme, das Missions-Kommunikationssystem sowie die zentralen Wartungssysteme. In Spanien verantwortet Airbus Spain den Flugzeugrupf, das Leitwerk, das Bodenkontrollsystem, die taktischen Kommunikationssysteme und das Antriebssystem.  Leonardo übernimmt in Italien die Fertigung der Tragflächen, des luftgestützten Kontrollsystems für Umgebung und Elektrik, des Missionssystems sowie des Waffenkontrollsystems. In Deutschland, das als „Lead Nation“ bei dem Projekt fungiert, übernimmt Airbus Germany die Fertigung des Flugmanagementsystems, des Systems zur Integration in den Luftraum, des Fahrwerks und der Bodenkontrollstation. Zudem wird die gesamte Endfertigung des Systems Eurodrohne im Werk in Manching stattfinden.

Ole Henckel