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In einem Memorandum of Understanding (MoU) haben sich der Rüstungskonzern Rheinmetall und die litauische Regierung über Rahmenbedingungen für einen Standort zur Produktion von Munition verständigt. Das MoU haben am 16. April im Beisein ihrer Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte die litauischen Minister für Wirtschaft und Innovation, Aušrinė Armonaitė, und für Nationale Verteidigung, Laurynas Kasčiūnas, sowie der Koordinator für strategisches Programmmanagement der Rheinmetall AG Maximilian Froch unterzeichnet.

Das unterzeichnete Dokument lege die Verpflichtungen und Absichten beider Seiten fest, um den frühestmöglichen Baubeginn einer 155-mm-Munitionsfabrik in Litauen und die erforderliche Umsetzung der notwendigen Voraussetzungen zu gewährleisten, schreibt das litauische Verteidigungsministerium auf seiner Webseite. Das Dokument spiegele die Bereitschaft Litauens zur Stärkung der Sicherheit in der Region und die enge Partnerschaft mit Deutschland wider.

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Unterzeichnung des MoU mit (von links) Laurynas Kasčiūnas, Ingrida Simonyte, Aušrinė Armonaitė, Maximilian Froch. ( Foto: MoD Litauen)

Mit „Freiheit muss besser bewaffnet sein als Tyrannei“, dem Ausspruch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenksyy, eröffnete Ministerpräsidentin Simonyte ihre Ansprache. „Auch wenn wir uns einen möglichst baldigen Sieg der Ukraine wünschen, ist uns klar, dass Russland für lange Zeit die größte Bedrohung für Europa bleiben wird. Deshalb müssen wir zeitnah nicht nur in eine angemessene militärische Bereitschaft und öffentliche Widerstandsfähigkeit, sondern auch in die Rüstungsindustrie investieren“, sagte Simonyte. Der Munitionsproduktionsstandort von Rheinmetall sei ein praktisches Beispiel dafür, dass in dieser Hinsicht keine Zeit verloren würde. Diese Fabrik werde für Litauen, die Ukraine und die gesamte Region von Bedeutung sein. Die Regierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass der Standort so bald wie möglich eröffnet werden kann, so Šimonytė weiter.

„Dies ist ein sehr wichtiger Schritt für die nationale Sicherheit und Verteidigung. Die Ansiedlung des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall in Litauen wird unsere Abhängigkeit von den langen Lieferketten verringern, die derzeit in der Europäischen Union und weltweit eine große Herausforderung für die Versorgung des Militärs darstellen. Sie wird die Versorgung langfristig sicherstellen und als gegenseitige Verpflichtung zum Aufbau von Munitionsbeständen und zur Unterstützung der Ukraine dienen“, sagte Verteidigungsminister Kasčiūnas. Er sei zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit dadurch gestärkt werde, insbesondere im Zusammenhang mit der Stationierung der deutschen Brigade in Litauen.

„Wir arbeiten bereits daran, die Entwicklungsanforderungen für große Investitionsprojekte, die den nationalen Sicherheits- und Verteidigungserfordernissen entsprechen, zu vereinfachen. Das lockt Investoren an, die in Litauen Waffen herstellen wollen, was unsere Abhängigkeit vom Angebot auf den internationalen Märkten verringern wird. Auf diese Weise schaffen wir ein sichereres Litauen“, ergänzte die Ministerin für Wirtschaft und Innovation Armonaitė.

Für Rheinmetall bedankte sich Froch für das Vertrauen und die proaktive Herangehensweise an das Projekt. „Als Partner der Verteidigungsindustrie freuen wir uns, einen Beitrag zur Souveränität eines Landes im Bereich der Artilleriemunition leisten zu können. Mit der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding legen wir den Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit“, so Froch weiter.

Rheinmetall-CEO Armin Papperger hatte bei der Bilanzpressekonferenz am 14. März einen massiven Ausbau der Produktionskapazitäten des Konzerns insbesondere bei Artilleriemunition angekündigt (ESuT berichtete). Neben dem Ausbau der Kapazitäten bestehender Werke in Australien, Südafrika und Spanien hat das Unternehmen ein Neubauprogramm gestartet. In Unterlüß sollen ab 2025 pro Jahr rund 200.000 Artilleriegranaten, 1.900 Tonnen RDX-Sprengstoff und 3.000 Motoren für Artillerieraketen produziert werden. Mit dem Aufbau neuer Fabriken in Rumänien, Ungarn, der Ukraine und Litauen, der überall schon angestoßen ist, soll das Ziel, mehr als eine Million Schuss Artilleriemunition zu produzieren, erreicht werden.

Diese Aktivitäten von Rheinmetall werden mittel- und langfristig zur Deckung des Munitionsbedarfs für die Unterstützung der Ukraine und die Auffüllung der nationalen Vorräte beitragen.

Für den kurzfristigen Bedarf, der in den nächsten Tagen und Wochen zu decken ist, sind andere Maßnahmen eingeleitet, die aus jetziger Sicht kaum ausreichend sind.

Gerhard Heiming