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Seit dem Überfall auf die Ukraine hat die EU ihre Sanktionen gegenüber Russland drastisch verschärft. Diese Maßnahmen zeigen laut einer Analyse des Think Tanks EUISS (European Union Institute for Security Studies) erste Auswirkungen auf die russische Wirtschaft.

Diese Effekte kämen zwar später als zunächst erwartet, seien aber langfristig gravierend, schreibt EUISS. So erwarten die Analysten eine dauerhafte Schädigung des wirtschaftlichen und technologischen Potenzials Russlands. Als Resultat werde die Bevölkerung eine langfristige Absenkung des Lebensstandards erfahren und die Eliten des Landes eine Beschränkung ihrer wirtschaftlichen Ressourcen hinnehmen müssen.

Insbesondere der Industriesektor habe starke Einbrüche seit dem Inkrafttreten der Sanktionen zu verzeichnen. Grund hierfür ist nach Einschätzung des Instituts die Kombination aus finanziellen Sanktionen, einem strikten Technologieembargo sowie dem Rückzug von über 1000 Unternehmen aus dem Land. Insbesondere das Exportverbot von technologischen Komponenten wie zum Beispiel Chips, Maschinen oder Software habe die russische Industrie auf breiter Front getroffen. Russlands Automobil-, Bahn-, Luftfahrt- und Elektrogeräteindustrie stehe seit der Verhängung der Sanktionen fast still, so die Studie. Damit ist auch die Herstellung von modernen Rüstungsgütern deutlich eingeschränkt.

Das trotz der Härte der Sanktionen diese ihre Wirkung deutlich langsamer entfalten als zunächst erwartet, führen die Autoren auf folgende Gründe zurück: Erstens habe der Kreml seit 2014 daran gearbeitet, seine Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber westlichen Sanktionen zu machen. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung einer Alternative zum westlichen Finanztransaktionssystem SWIFT.

Zweitens sind zwar die Importe Russlands eingebrochen, die wertmäßigen Exporte jedoch deutlich angestiegen. Aufgrund der hohen Preise für Öl und Gas konnten russische Unternehmen in diesem Bereich Mehreinnahmen von 127 Milliarden Dollar im Zeitraum von März bis Juli verzeichnen. Dieser Überschuss habe in Kombination mit einer strengen Kontrolle des Kapitals eine Stärkung des Rubels ermöglicht und so Importe vergünstigt, schreiben die Autoren.

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Zudem habe der Kreml weitere finanzielle Reserven, die mobilisiert werden können, oder zur Not die Möglichkeit, Rubel nachzudrucken. Budgetprobleme dürften daher erst in ein bis zwei Jahren auftreten, so die Experten. Aufgrund solcher Maßnahmen sei auch eine Währungskrise eher unwahrscheinlich.

Dennoch würden die Sanktionen Russland zu schwierigen Entscheidungen zwingen, heißt es weiter. Die Finanzierung des Krieges werde große Teil des Budgets in Anspruch nehmen, was wiederum zum Beispiel zu Kürzungen bei Sozialleistungen führen werde.

Neben der konkreten Wirkung der EU-Sanktionen auf die russische Wirtschaft sei aber auch die Signalwirkung, die von den Sanktionen ausgehe, ein wichtiger Effekt. Damit zeige die EU der eigenen Bevölkerung und der internationalen Gemeinschaft, dass sie den russischen Überfall nicht akzeptiere, so die Analysten des EUISS.

Redaktion / oh