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Der veränderte Schutzbedarf in neuen Einsatzumgebungen hat in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem starken Aufwuchs bei geschützten Radfahrzeugen geführt. Mit Einführung der Geschützten Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF) und der Geschützten Transportfahrzeuge (GTF) ab den 2000er Jahren konnte Schutz auch für Logistikfahrzeuge realisiert werden.

Neben rein passiven Schutzmaßnahmen gegen Beschuss oder Ansprengungen sind die GTF für die Aufnahme von fernbedienbaren Waffenstationen (Remote Controlled Weapon Station, RCWS) für den Selbstschutz vorbereitet.

Schon aus Kostengründen kann nicht jedes RWCS-fähige Fahrzeug mit einer Waffenstation ausgestattet werden. Abhängig von der Bedrohung in unterschiedlichen Einsatzumgebungen ist das auch nicht nötig, zumal die RWCS schnell zwischen den Fahrzeugen getauscht werden können. Für die Bundeswehr ergibt sich trotzdem ein Bedarf in deutlich vierstelliger Höhe. Insider erwarten den Beginn eines Wettbewerbs zur Lieferung von RCWS in nächster Zeit.

RCWS wurden zuerst 2012 bei den GTF der Zuladungsklasse 5 Tonnen ausgeführt, die als erste Logistikfahrzeuge mit dem Eisernen Kreuz als Waffensystem gekennzeichnet wurden. Auch die UTF der neuen Generation können auf dem Kabinendach eine Waffenstation tragen.

Seit 2012 hat die Bundeswehr über 7.000 geschützte und ungeschützte Transportfahrzeuge beschafft bzw. deren Beschaffung eingeleitet, die alle mit RCWS ausgestattet werden können. Daneben existieren mehr als 2.000 Boxer, Dingo, Eagle, Yak und andere Gefechtsfahrzeuge, für die ebenfalls Bedarf an RCWS besteht.

Beschaffung von Waffenstationen für Logistik-Lkw erwartet

Die Waffenstationen erreichen Gewichte bis über 200 kg. Um die Stationen mit den zulässigen Dachlasten kompatibel zu machen, haben sich im Wesentlichen zwei Varianten entwickelt. Die leichte RCWS ist für Maschinenwaffen bis zum Kaliber 7,62 mm ausgelegt und wiegt unter 100 kg. Die schwere Variante ist für Maschinenwaffen bis 12,7 mm und 40 mm Granatmaschinenwaffen vorgesehen. Das Gewicht reicht bis 200 kg. Gemeinsam ist den Anlagen eine zweiachsige Stabilisierung und die Ausstattung mit Tag-/Nachtsichtoptiken und Laser-Entfernungsmessern zur Feuerleitung.

Beschaffung von Waffenstationen für Logistik-Lkw erwartet
Die Natter 7,62 RCWS,  Photo: Rheinemtall Video

Bisher ist die Bundeswehr vor allem mit fernbedienbaren leichten Waffenstationen (FLW) von Krauss-Maffei Wegmann ausgestattet. Seit 2008 wurden über 1.000 FLW in den Varianten FLW 100 (Gesamtgewicht 100 kg) und FLW 200 (200 kg) beschafft und auf Fahrzeugen in unterschiedlichen Szenarien eingesetzt. Das Bild zeigt einen Dingo 23 HD mit einer FLW 200.

Für den erwarteten Wettbewerb kann die Bundeswehr auf eine große Zahl an Anbietern national und international zugreifen. Die weltweit am weitesten verbreitete RCWS ist die Protector-Waffenstation von Kongsberg, von der eine Version als Wirkelement für das Drohnenabwehrsystem im Rahmen der qualifizierten Fliegerabwehr ausgewählt ist. Rheinmetall hat kürzlich in einem Video die Waffenstation Natter in den Versionen Natter 7,62 (Gewicht unter 100 kg) und Natter 12,7 (unter 200 kg) vorgestellt, die beide in das Spektrum der Bundeswehr-Anforderungen passen. Die Station mit einer schwingungsabsorbierenden Montageeinheit wurde speziell für die Anwendung auf Lkw entwickelt.

Gerhard Heiming