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Die Bundeswehr erneuert in den nächsten vier Jahren für rund 254 Millionen Euro ihre verlegefähigen zellularen Netze (ZNV). Nach der Zustimmung zu der 25-Mio-Euro-Vorlage im Verteidigungs- und im Haushaltsausschuss in der letzten Sitzung des vergangenen bzw. der ersten Sitzung diesen Jahres können jetzt die Beschaffungsverträge mit dem Hauptauftragnehmer Motorola Solutions und dem einzigen Unterauftragnehmer ESG Elektroniksystem- und Logistikgesellschaft abgeschlossen werden.

Für die gesicherte schnelle Kommunikation auf dem Gefechtsfeld baut die Bundeswehr im Rahmen der Digitalisierung landbasierter Operationen ein zellular betriebenes Funksystem (Zellulare Netze, verlegbar, ZNV) auf, das verlegbar ist, aber auch stationär betrieben werden kann. In dem Kommunikationssystem für Handfunk- und Fahrzeugfunkgeräte werden Sprache und Daten schmalbandig nach dem TETRA-Standard (Terrestrial Trunked Radio) und Daten breitbandig nach dem Mobilfunkstandard LTE übertragen. Die zellularen Netze sind mit dem Kommunikationsnetz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) interoperabel. Trotzdem liegt der Schwerpunkt den Fähigkeitsforderungen entsprechend dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr darauf. die der Anforderungen für die Einsätze der Bundeswehr zu erfüllen. Des weiteren müssen sie für die Landes- und Bündnisverteidigung eingesetzt werden können und interoperabel zu den Institutionen von NATO und EU sein.

Entscheidende Anforderungen sind flexible Einsatzmöglichkeiten, Netzabdeckung und hohe Nutzeranzahl, die mit zwei Systemvarianten realisiert werden. Bei der Variante ZNV C sind die Komponenten in einem Container untergebracht. Ein System kann 500 bis 1.000 Teilnehmer bedienen. Mit ZNV B wird die Variante bezeichnet, die in mehreren Betriebs-, Transport- und Lagerbehältern eingebaut ist. Der Vorteil des vereinfachten Transports und des geringeren Platzbedarfs wird mit Reduzierung der Teilnehmerzahl auf 100 erkauft. Insgesamt werden 120 Systeme werden beschafft, gegliedert in 40 ZNV C und 80 ZNV B. Hinzu kommen eine Ausbildungs- und Referenzanlage für beide Varianten und die Ausstattung des Gefechtsübungszentrums des Heeres.

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Mit einem Rahmenvertrag werden die ZNV in zwei gleichgroßen Losen in Auftrag gegeben. Das erste Los sollte nach ursprünglicher Planung bereits 2020 abgerufen werden. Das zweite Los wird voraussichtlich 2022 abgerufen. Die Bundeswehr stellt zu den beiden Losen insgesamt 22.000 TETRA-Hand- und 4.000 TETRA-Fahrzeugfunkgeräte mit Zubehör (z.B. Ladestationen, Halter und Programmierstationen) bei. Die Aufwendungen hierfür belaufen sich 63,9 Millionen Euro.

Gerhard Heiming