Print Friendly, PDF & Email

Nach der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages am 26. November ist das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) lediglich mit einem sehr geringen Sockelbetrag von zwei Millionen Euro im Bundeshaushalt des kommenden Jahres abgebildet. Ein Vertragsschluss zur Realisierung des TLVS sei 2021 nicht mehr geplant, schreibt MBDA Deutschland in einer aktuellen Mitteilung. Das Unternehmen führt das TLVS-Bieterkonsortium, an dem auch Lockheed Martin beteiligt ist.

Gegenwärtig liegt das finale Angebot für das Taktische Luftverteidigungssystem beim Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw zur Bewertung. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat allerdings angekündigt, die Luftverteidigung in ihrer Gesamtheit prüfen und bewerten zu wollen. Ein Ergebnis der Bewertung soll in den ersten Monaten des nächsten Jahres vorliegen.

Da der Auftrag für das Taktische Luftverteidigungssystem nun nicht erteilt wird, will sich MBDA der neuen Situation anpassen.  „Wir nehmen die Vertagung der Entscheidung zur Kenntnis. Trotz eines entscheidungsreifen Angebots, sind die für TLVS notwendigen Haushaltsmittel weder für 2021 noch im mittelfristigen Finanzplan ausgewiesen. Aufgrund dieser Entwicklung sind wir gezwungen, eine Restrukturierung des Unternehmens durchzuführen“, wird Thomas Gottschild, Geschäftsführer MBDA Deutschland, in der Mitteilung seines Unternehmens zitiert.

Die notwendigen Maßnahmen würden derzeit erarbeitet und in den nächsten Wochen mit den zuständigen Gremien, dem Betriebsrat, den Führungskräften und Vertretern der Kundenseite diskutiert, so Gottschild weiter. „Dies schließt die Diskussion über die Möglichkeiten der Fortführung des Vergabeverfahrens TLVS und den Erhalt der Schlüsselqualifikationen im Bereich Luftverteidigung für Deutschland mit ein.“

MBDA Deutschland steht vor Restrukturierung

Seit der Auswahlentscheidung 2015 arbeitet MBDA Deutschland mit dem deutschen Kunden an der Realisierung von TLVS. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben insgesamt 150 Millionen Euro in das Projekt investiert, um über diesen Zeitraum Kernkompetenzen im Bereich Luftverteidigung zu erhalten und auszubauen sowie die geforderten Angebote zu erstellen und zu verhandeln.

In der jüngeren Vergangenheit seien massive, technologische Fortschritte bei den Bedrohungen sichtbar geworden, so MBDA. TLVS sei das einzige System, das die nationalen Forderungen zur Bekämpfung der aktuellen und zukünftigen Gefährdungen aus der Luft vollumfänglich erfülle.

Lars Hoffmann