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Nach Informationen der dpa hat es einen politisch-industriellen Kompromiss für die Nachfolge des Tornados gegeben. Der Plan, dem Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer noch zustimmen muss, sieht eine Mischbeschaffung vor.

Seit über drei Jahrzehnten ist das Waffensystem Tornado, von dem die Bundeswehr 93 Systeme besitzt, ein wesentlicher Träger der Fähigkeiten der Luftwaffe zur Wirkung gegen Ziele am Boden. Seine Aufgaben umfassen:

  • taktische Luftaufklärung (Tactical Air Reconnaissance, TAR),
  • Unterstützung eigener Kräfte auf dem Gefechtsfeld (Close Air Support, CAS),
  • Abriegelung des Gefechtsfeldes aus der Luft (Air Interdiction, AI),
  • Wirkung gegen die gegnerischen Luftstreitkräfte am Boden (Offensive Counter Air, OCA),
  • Unterdrückung der gegnerischen Luftverteidigung (Suppression of Enemy Air Defence, SEAD),
  • Wirkung gegen Überwassereinheiten (Anti-Surface Warfare, ASuW),
  • Nukleare Teilhabe (NT).

Dem Vernehmen nach sieht der Kompromiss vor, dass die Tornados der Luftwaffe durch bis zu 90 Eurofighter von Airbus und 45 F/A-18 Super Hornet von Boeing ersetzt werden sollen. In den 90 Eurofighter-Maschinen wären strenggenommen 38 Systeme als Ersatz für die Tranche 1 des Eurofighters mitenthalten, so das formal nur 52 Eurofighter als Ersatz für den Tornado beschafft werden würden. Diese sollen bis auf den Elektronischen Kampf, bzw. SEAD, und die Nukleare Teilhabe alle anderen Aufgaben des Tornados übernehmen. Die Rolle der Nuklearen Teilhabe würde den Informationen der dpa nach 30 Systemen der F/A-18 E/F zufallen. Weitere 15 Maschinen in der Version EA-18 G Growler sollen die Aufgabe des Elektronischen Kampfes, hier Begleitstörer, übernehmen.

Die Luftwaffe würde im Anschluss somit über insgesamt 193 Waffensysteme Eurofighter und 45 Waffensysteme Super Hornet/Growler verfügen.

Ein weiter Weg mit vielen Hürden

Gesetz den Fall, dass der berichtete Kompromiss stimmt und in Kürze eine Auswahlentscheidung, die Tornados durch die angesprochene „Mischbeschaffung“ zu ersetzen, getroffen würde, würde dies noch nicht unmittelbar zu einer Vertragsunterzeichnung führen.

Zunächst bedeutet eine Auswahlentscheidung lediglich, dass das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in die Realisierungsphase gehen und Verhandlungen mit den Vertretern der Industrie über die konkrete Ausgestaltung der Verträge (Kosten, Leistung, Zeitplan,…) führen würde. Es kann nach Berücksichtigung der Komplexität der einzelnen Waffensysteme davon ausgegangen werden, dass dieser Schritt einige Zeit in Anspruch nehmen wird, so dass eine Beratung über die Beschaffung dieser Systeme im Parlament (25. Mio Vorlage) realistischer Weise erst in der nächsten Legislaturperiode zu erwarten ist. Je nach Ausgang der nächsten Wahl, verbunden mit den daraus resultierenden Mehrheitsverhältnissen in der Regierung und im Parlament, könnte dies unter anderem folgende Ergebnisse mit sich bringen:

  • Beschaffung wie geplant (somit keine weitere Verzögerung).
  • Änderung von einzelnen Punkten der Beschaffung bspw. Mengen- oder Fähigkeitsanpassungen (somit wäre eine Verzögerung zu erwarten bzw. die Luftwaffe müsste auf einzelne Fähigkeiten verzichten).
  • Stopp der kompletten Beschaffung (die Luftwaffe müsste nach Ausphasung der Tornados auf die Fähigkeiten verzichten, die nicht von den bereits eingeführten Eurofightern übernommen werden können).

Waldemar Geiger und Ulrich Renn

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