Am Fehmarnbelt funkt eine russische Korvette Bundespolizei und Greenpeace zur Seite, beide näherten sich einem sanktionierten Tanker. Der Vorfall vom 30. Juni ist kein Einzelfall, sondern Höhepunkt einer seit zwei Jahren absehbaren Entwicklung. Frankreich, Großbritannien und Schweden handeln längst. Und Deutschland?

Schlagabtausch bei Fehmarn

Am 30. Juni passierte der Rohöltanker „Kira K“ (IMO 9346720) den Fehmarnbelt westgehend. Am 2007 gebauten Aframax mit über 115.000 Tonnen Tragfähigkeit weht Panamas Flagge, Eigner ist seit 2023 die auf den Seychellen registrierte Briefkastenfirma Eastern Shipping Inc. Windward rechnet das mehrfach umbenannte und umgeflaggte Schiff der Schattenflotte zu.

Als Greenpeace-Aktivisten die „Kira K“ nach NDR-Angaben auf vier Schlauchbooten umkreisten und sich die „Bayreuth“ der Bundespolizei See näherte, funkte die heranstürmende Korvette „Soobrazitelniy“ (Hullnummer 531): „Here speaks Russian war ship 531, stay away from the Kira K“.

Die Fregatte RFS Soobrazitelniy (531) ist seit geraumer Zeit immer wieder in unterschiedlichen Seegebieten vor der deutschen Ostseeküste zu beobachten. Dabei liegt das knapp 105 Meter lange Schiff oftmals in internationalen Gewässern nahe der Insel Fehmarn. Copyright Michael Nitz, Naval Press Service

Seit dem Frühjahr 2024 bekanntes Muster

Abgesehen von der Rigorosität sollte der Vorfall nicht überraschen. Seit Frühjahr 2024 dokumentierte diese Zeitung die Kriegsschiff-Begleitung dubioser russischer Handelsschiffe – zunächst im Kontext des „Syrien-Express“, des Nachschubwegs zwischen russischen