Indien hat parallel zum Besuch des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin auf dem Subkontinent am 4. Dezember indirekt bestätigt, dass das bereits 2019 vereinbarte Leasing eines russischen nuklearbetriebenen Angriffs-U-Boots (SSN) auf die Zielgerade einbiegt. Zwar wies die Regierung Berichte über einen „neuen 2-Milliarden-Dollar-Deal“ zurück, bestätigte jedoch zentrale Fakten: Die Lieferung soll 2028 erfolgen, die Laufzeit beträgt zehn Jahre, und das Boot wird – wie schon die früher geleasten Chakra-Einheiten – vorrangig für Ausbildung und Operationsforschung genutzt. Die Richtigstellung erfolgte über den offiziellen „PIB Fact Check“, der klarstellte, dass kein neues Abkommen geschlossen wurde, sondern ein bestehendes fortgeführt wird. Damit gewinnt ein lange verzögertes Großprojekt an Dynamik.

Das erneute Leasing eines russischen U-Bootes der Akula-Klasse ist Brückentechnologie und ein umgehend verfügbarer Fähigkeitsträger zur Entwicklung und dem Aufbau einer eigenen Flotte nuklearbetriebener Jagd-U-Boote (SSN). (Foto: copyright by Michael Nitz, Naval Press Service)

Die Leasing-Vereinbarung fügt sich in eine jahrzehntelange U-Boot-Zusammenarbeit beider Staaten ein: Seit den 1980er-Jahren hat Indien sowjetische beziehungsweise russische Boote der Kilo-Klasse übernommen, mit der mit der ersten geleasten „INS Chakra“ (Project 670 Charlie-Klasse, 1988–1991) und der „INS Chakra II“ (Project 971 Akula-II, 2012–2021) nukleare Unterwassererfahrung gesammelt und auf dieser Basis seine eigenen SSBN der Arihant-Klasse hochgezogen.

Die geopolitische Bedeutung liegt weniger in der Vertragsform als in der strategischen Einordnung. Indien setzt damit im Segment nuklear angetriebener U-Boote, das westliche Partner nicht bedienen, erneut auf russische Technologien. Die Kooperation schafft eine Fähigkeitsbrücke bis Indiens eigene SSN verfügbar sind.

Bei dem für das zehnjährige Leasingabkommen in Frage kommende Akula-Klasse SSN (Project 971), handelt es sich um die RFS Bratsk (K391), die vor ihrer Ablieferung in einer umfangreichen Modernisierungsmaßnahme bei der Zvezdochka-Shipyard auf den Standard (971M) modernisiert wird. (Foto: copyright by Michael Nitz, Naval Press Service)

Indiens eigenes SSN-Programm 

Indiens Entscheidung, erneut ein russisches Atom-U-Boot zu leasen, steht in direktem Zusammenhang mit einem weit größeren strategischen Vorhaben: dem Aufbau einer eigenen Flotte nuklearbetriebener Jagd-U-Boote (SSN). Das entsprechende Programm – intern seit Mitte der 2010er Jahre geplant und 2017 politisch genehmigt – sieht den Bau von sechs indigenen SSN vor. Die Entwicklung erfolgt unter strikter Geheimhaltung in Visakhapatnam und baut technologisch auf den Erfahrungen der Arihant-Klasse (SSBN) auf, erfordert jedoch ein völlig neues Leistungsprofil: höhere Geschwindigkeit, größere Tiefenbereiche, leistungsstärkere Reaktoren und moderne Sonararchitektur.