Defence-Tech wächst und erzeugt immer größeres Interesse. Rüstungs-Start-ups gründen sich vor allem in Bayern, weil der Freistaat weiß, worauf es ankommt.

Europa kann in seiner angestrebten Selbstbehauptung zunehmend auf in Süddeutschland ansässige Defence-Tech-Start-ups setzen. Mit Blick auf Innovationen für die zivile und militärische Verteidigung „treibt München die europäische Aufholjagd gegenüber den USA voran“, schreibt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern in ihrem „Start-up- und Scale-up-Monitor“. Das Selbstbewusstsein ist begründet. Seit 2023 wurden mehr als 1,8 Milliarden Euro in Defence-Tech investiert, das Geld sei „fast ausschließlich nach Bayern geflossen“.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat vor wenigen Monaten den Ton gesetzt. „Innovationen von kleinen und mittleren Unternehmen fördern wir künftig unbürokratisch und frühzeitig“, sagte der SPD-Politiker auf dem Weltraumkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. Er wolle „größere Unternehmen als Systemintegratoren nutzen, die kleine Firmen, einschließlich Start-ups, einbinden“. Es gehe ihm darum, „all das aufzuholen, was zu lange vernachlässigt wurde“.

Welche Fähigkeiten aufzuholen sind, hat die „Zeitenwende“ einem vor Augen geführt. Mittlerweile verteidigt sich die Ukraine im fünften Kriegsjahr mit hochtechnologisiertem Kampfgerät gegen den russischen Aggressor. Drohnen haben die Gefechtsfelder radikal verändert. Derweil neigen sich die sicherheitspolitischen Garantien der NATO ihrem Ende zu. Pistorius hatte noch vor Kurzem das Gefühl, dass diese Gefahr nicht jedem präsent ist. „Das russische Verhalten ist eine fundamentale Bedrohung für uns alle“, sagte er. „Eine Bedrohung, die wir nicht länger ignorieren dürfen.“

München ragt aus mehreren Gründen heraus

Die Ergebnisse des Münchner IHK-Monitors bestätigen den Minister. Demnach hat Defence-Tech für europäische Start-ups „bis 2023 keine Rolle gespielt“. Verglichen mit den USA waren die Investments sehr gering. Inzwischen umfasse Hochtechnologie, die in Kriegen eingesetzt werden kann, einen „kleinen, aber gut finanzierten und stark wachsenden Sektor im deutschen Ökosystem“. Mehr als eine Milliarde Euro steckten Kapitalgeber 2025 in Start-ups, die ihren Hauptsitz in und um München angemeldet haben. Zu den herausragend finanzierten Verteidigungsfirmen in der Region gehören Helsing, Quantum Systems und ARX Robotics.