Für das erfolgreiche hochgeschützte 8×8 Radfahrzeug Boxer hat KNDS Deutschland in Anwesenheit hochrangiger Ehrengäste – allen voran Bayerns Ministerpräsident Markus Söder – eine neuen Fertigungs- und Produktionsstraße in München Allach eingeweiht. Wie das Unternehmen am 22. April mitgeteilt hat, wurde gleichzeitig die strategische Partnerschaft mit dem Automobil-Zulieferer Dräxlmaier ein.

„Die Zusammenarbeit von KNDS und Dräxlmaier ist ein perfektes Match. Bayerische Industriekompetenz wächst zusammen. Wir brauchen eine starke Verteidigungsindustrie mit eigenen Technologien aus Deutschland, um uns verteidigen zu können“, bewertete Söder die Kooperation.

In der neuen Boxer-Produktionsstätte in München/Allach werden Fahrmodule hergestellt. (Foto: KNDS Deutschland)

Industrialisierung der Boxer-Produktion

KNDS läutet damit die Industrialisierung der Boxer-Produktion ein. Bisher werden die Boxer in überschaubarer Stückzahl im Manufakturbetrieb hergestellt. Damit kann der wachsende Bedarf in Deutschland und Europa aber nicht mehr gedeckt werden. Wenn auch bisher niemand aus der Industrie oder von der Beschaffer Seite das bestätigen will, wird absehbar noch in diesem Jahr ein Großauftrag mit Stückzahlen bis 3.000 Radpanzer erwartet.

Florian Hohenwarter, CEO von KNDS Deutschland, präsentierte das neue Serienkonzept als Teil der industriellen Skalierungsmaßnahmen. Allein am neuen Standort München/Allach sollen zukünftig zehn Boxer-Fahrmodule in einer Linienserienfertigung pro Monat produziert werden. Mit weiteren Produktionsstätten bei KNDS und seinen Partnern in ähnlichem Setting will Hohenwarter die Stückzahlen der Boxerproduktion auf ein neues Level bringen. Die neue Fertigungsstraße sei Teil eines umfangreichen Maßnahmenpaketes mit dem Ziel, bis 2030 sechsmal so viele Boxer-Systeme als bisher zu fertigen, um u.a. die geforderten Bedarfe des deutschen Heeres zu erfüllen.

„Die klare Erwartung vieler Streitkräfte und Regierungen an uns ist, die Produktion für die Verteidigungsfähigkeit Europas zu steigern. Bayern spielt dabei eine besondere Rolle für KNDS. Wir werden auch zukünftig weiter in unsere Standorte im Freistaat investieren und unsere Aktivitäten ausbauen“, sagte Florian Hohenwarter.

Dräxlmaier produziert Missionsmodule

Die Boxer werden von dem Joint Venture ARTEC produziert, an dem Rheinmetall Landsysteme mit 64 Prozent und KNDS mit 36 Prozent beteiligt sind. Produktionsstätten sind in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Australien. Während der KNDS-Fokus auf Mobilität und Logistik liegt, hat Rheinmetall den Schwerpunkt bei Sensorik und Feuerkraft.

Hohenwarter kennt aus seiner Zeit bei Mercedes-Benz die Prinzipien der industriellen Produktion. Diese sollen jetzt auf die Boxer-Produktion übertragen werden, um die oben genannten Stückzahlen zu erreichen. Der strategische Partner Dräxlmaier kommt als Automobilzulieferer ebenfalls aus der Großserienproduktion und soll in Landau eine signifikante Anzahl von Missionsmodulen produzieren.

„Ich freue mich, dass wir mit Dräxlmaier einen Partner gefunden haben, mit dem wir bei der notwendigen Skalierung unserer Produktion vertrauensvoll und partnerschaftlich zusammenarbeiten. Wir erweitern dabei die Produktionskapazitäten durch einen Player aus dem Non-Defense Bereich ganz im Sinne der Notwendigkeiten der zeitnahen Skalierung unserer Produktion“, so Hohenwarter.

„Mit über 65 Jahren Erfahrung in der Entwicklung, Validierung und Industrialisierung von Serienprodukten der Automobilindustrie bringen wir unsere prozessualen und technologischen Kompetenzen gezielt in die Fertigung komplexer Subsysteme ein. Die Partnerschaft mit KNDS ist für uns ein bedeutender Meilenstein und verbindet zwei leistungsfähige bayerische Unternehmen zu einer stabilen industriellen Zusammenarbeit,“ sagt Jan Reblin, CEO von Dräxlmaier.

Über 2.000 Boxer in sieben Ländern

KNDS beschreibt den Boxer als eines der bestgeschützten 8×8-Radfahrzeuge weltweit. Das modulare Konzept aus Fahr- und Missionsmodul bietet eine hohe Flexibilität und Variantenvielfalt, die von Ambulanz- bis zu den weltweit modernsten Radhaubitzen- und Radschützenpanzersystemen reicht. In allen Varianten bietet er der Besatzung höchsten Schutz vor Minen, Sprengfallen und Beschuss und zeichnet sich durch hohe Mobilität sowohl auf der Straße als auch in schwerstem Gelände aus. Mit über 2.000 Systemen ist der Boxer in Deutschland, den Niederlanden, Litauen, Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, Katar, Australien und der Ukraine unter Vertrag.

Gerhard Heiming