Mitten in Bagdad statt fernab des Geschehens: Die deutschen Soldaten der NATO-Mission Irak befinden sich im Zentrum einer Hauptstadt, die vom Krieg in der Region unmittelbar berührt wird. Ihr direkter Einsatzraum gilt nach ES&T vorliegenden Informationen derzeit als vergleichsweise stabil, die Gesamtlage bleibt jedoch unsicher.
Die deutschen Soldaten der NATO-Mission Irak sind im Herzen Bagdads stationiert. Ihr Standort liegt in der Internationalen Zone, also in jenem Bereich, in dem sich ein wesentlicher Teil des politischen und internationalen Lebens der irakischen Hauptstadt konzentriert. Die Mission findet nicht am Rand eines entfernten Konflikts statt, sondern mitten in einem Raum, der vom Krieg in der Region unmittelbar berührt wird und in dem Schutz, Wachsamkeit und Handlungsfähigkeit ständig gewährleistet sein müssen.
Untergebracht ist das deutsche Kontingent in einem irakischen Camp, das gemeinsam mit irakischen Partnern genutzt und von diesen gesichert wird. Gerade diese enge Einbindung wird derzeit als wichtiger Stabilitätsfaktor gesehen. Trotz des Krieges in der Region gilt das unmittelbare Umfeld der NATO-Kräfte nach ES&T vorliegenden Informationen bislang noch als vergleichsweise geordnet.
Alarme gehören zum Alltag
Ganz ohne Risiko ist die Lage jedoch nicht. Wie aus dem Umfeld der Mission zu hören ist, kam es in den vergangenen Tagen mehrfach zu Alarmen wegen möglicher Bedrohungen aus der Luft. Das unterstreicht, wie fragil die Sicherheitslage weiterhin ist. Zugleich heißt es, dass die Soldaten im Lager selbst auf ein Schutzsystem zurückgreifen können, das auf unterschiedliche Bedrohungslagen ausgelegt ist.
Demnach gibt es im Camp gehärtete Gebäude, geschützte Funktionsbereiche und über das Gelände verteilte Schutzbauten, die im Alarmfall schnell erreichbar sind. Nicht jeder Alarm führt automatisch dazu, dass alle Kräfte in Bunker ausweichen müssen. Vielmehr richtet sich das Vorgehen nach Art und Umfang der jeweiligen Warnung. Das zeigt: Die Mission arbeitet in einem Umfeld permanenter Anspannung.
Beraten statt kämpfen
Das deutsche Kontingent umfasst etwa 40 Soldatinnen und Soldaten. Ihr Auftrag unterscheidet sich klar von früheren Auslandseinsätzen wie in Afghanistan oder Mali. Die NATO-Mission Irak ist vor allem als Beratungsmission angelegt. Sie unterstützt irakische Stellen, begleitet Gespräche und hilft beim institutionellen Aufbau. Ein eigener Kampfeinsatz steht nicht im Mittelpunkt.
Gerade deshalb ist auch der Operationsraum begrenzt. Wegen der aktuellen Spannungen konzentrieren sich die Aktivitäten derzeit auf die Internationale Zone in Bagdad. Über Entwicklungen außerhalb dieses Bereichs liegen den Kräften vor Ort nur eingeschränkte eigene Erkenntnisse vor heißt es gegenüber diesem Magazin. Das betrifft insbesondere andere Landesteile und Regionen außerhalb des unmittelbaren Mandatsraums.
Irakische Partner setzen auf Stabilität
Die irakische Seite ist erkennbar bemüht, das eigene Land aus einer weiteren Eskalation herauszuhalten. Internationale Missionen, Botschaften und ausländische Vertretungen sollen geschützt werden. Die Zusammenarbeit mit irakischen Stellen wird in diesem Zusammenhang als konstruktiv beschrieben.
Irakische Sicherheitskräfte reagieren in einzelnen Fällen demnach schnell auf Unterstützungsersuchen und verstärken den Schutz internationaler Einrichtungen kurzfristig. Das spricht dafür, dass Bagdad derzeit ein erhebliches eigenes Interesse daran hat, Kontrolle zu bewahren und internationale Partner nicht zusätzlich zu verunsichern.
Ein Unsicherheitsfaktor bleiben allerdings bewaffnete Proxys in der Region. Gemeint sind damit Milizen und bewaffnete Gruppen, die nicht offiziell für einen Staat auftreten, aber von externen Akteuren politisch, finanziell oder militärisch unterstützt werden und damit als verlängerter Arm fremder Interessen wirken können. Nach Schilderungen mit direkter Kenntnis der Situation gelten sie weiterhin als Risiko für eine plötzliche Verschärfung der Lage, auch weil sie Eskalationen auslösen können, ohne dass staatliche Stellen sie unmittelbar steuern oder offen verantworten. Insgesamt ergibt sich damit das Bild einer Mission, die mitten im Krisenumfeld arbeitet, deren unmittelbare Rahmenbedingungen in Bagdad derzeit jedoch noch als vergleichsweise stabil gelten.Formularbeginn
Eine ausführlichere Einordnung der NATO-Mission Irak sowie Hintergründe zur Arbeit der internationalen Kräfte vor Ort wird in der Aprilausgabe der Europäischen Sicherheit & Technik erscheinen.
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