Mit Steadfast Dart 26 testet die NATO die schnelle Verlegung der neuen Allied Reaction Force. In Rota stellte der Kommandeur des JFC Brunssum, General Ingo Gerhartz, den maritimen Auftakt vor: Über ein Dutzend Schiffe laufen Richtung Kiel, im Februar folgt eine amphibische Demonstration in Putlos.
Mit dem maritimen Auftakt im spanischen Marinestützpunkt Rota hat die NATO einen sichtbaren Schwerpunkt von Steadfast Dart 26 gesetzt. Die Übung gilt nach NATO-Angaben als größte militärische NATO-Übung 2026 und soll zeigen, wie schnell die Allianz ihre neue Allied Reaction Force (ARF) aktivieren, verlegen und in einem gemeinsamen Kommando zusammenführen kann. General Ingo Gerhartz ordnete den Ansatz in Rota klar ein: „Steadfast Dart 26 ist die größte NATO-Übung im Jahr 2026.“
Ungewöhnlich ist die Richtung der Verlegung: Die Übung zeigt, wie Kräfte der Südflanke binnen kurzer Zeit nach Nord- und Mitteleuropa verlegt und dort integriert werden. In einer Allianz mit unterschiedlichen regionalen Prioritäten – an der Ostflanke geprägt durch Russlands Krieg gegen die Ukraine – stellt diese Verlegeachse ein bewusstes Signal für Zusammenhalt und gegenseitige Verstärkung dar.
Der Kommandeur des NATO-Hauptquartiers Joint Force Command Brunssum (Niederlande) betonte zugleich den Zweck der Übung: „Wir verlegen die Allied Reaction Force und zeigen damit die hohe Einsatzbereitschaft unserer NATO-Kräfte. Das sind mehr als 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus elf Nationen mit Fähigkeiten über das gesamte Spektrum, von Land und See bis Cyber und Weltraum,“ sagt Gerhartz im Gespräch mit Journalisten.

Maritimer Verband läuft Richtung Norden
In Rota sammelten sich die Marinekräfte, die den maritimen Teil der Verlegung abbilden und das Zusammenspiel in Nord- und Ostsee trainieren sollen. Das Spanish Maritime Forces Headquarters (SPMARFOR) als Maritime Component Command der Allied Reaction Force (ARF) führt den maritimen Anteil der Übung. Vorgesehen sind rund 2.500 Angehörige und 15 Schiffe. Als Führungsplattform dient das amphibische Angriffsschiff ESPS Castilla, begleitet unter anderem vom Aegis-Zerstörer ESPS Cristóbal Colón.

Der spanische SPMARFOR-Kommandeur, Vizeadmiral Juan Bautista Pérez Puig, machte deutlich, warum der maritime Anteil mehr ist als „nur“ Transit: „Der maritime Raum bleibt zentral für die Sicherheit der NATO.“ Zugleich ordnete er die Allied Reaction Force (ARF) als neues Hochbereitschafts-Instrument ein: „Die Allied Reaction Force ist eine hochverfügbare Multi-Domain-Streitkraft, die so ausgelegt ist, dass sie kurzfristig, wo und wann immer erforderlich, verlegt werden kann. Sie liefert der Allianz glaubwürdige, flexible und schnell verfügbare militärische Option, um Verbündete zu verstärken und potenzielle Gegner abzuschrecken.“

Zum maritimen Übungsverband gehört außerdem eine türkische Task Group mit der TCG Anadolu (LHD) sowie TCG Derya, TCG İstanbul und TCG Oruçreis. Ergänzend ist die Einbindung von NATO-Dauerverbänden vorgesehen, darunter die Standing NATO Maritime Group 1. Der maritime Anteil soll über mehrere Wochen in Atlantik, Nordsee und Ostsee operieren, dabei das Zusammenspiel multinationaler Einheiten erproben und zugleich die Verlege- und Versorgungsabläufe entlang der Routen testen.

Nach Angaben von Übungsteilnehmern wird die Castilla für Steadfast Dart 26 nicht nur als amphibische Plattform genutzt, sondern zugleich als Führungsplattform: Zusätzlich zur regulären Besatzung sollen rund 150 Soldatinnen und Soldaten als Verstärkung für die Operationszentrale eingeschifft werden, um die maritime Führung und das Lagebild während der Verlegung und der anschließenden Übungsphasen an Bord sicherzustellen.
Pérez Puig verwies dabei ausdrücklich auf die strategischen Abhängigkeiten: „Mehr als 90 Prozent des Welthandels laufen über See, und fast der gesamte Internetverkehr geht über Unterseekabel. Energie-Seewege, Kabel und maritime Infrastruktur sind kritisch.“ Daraus folge eine klare militärische Konsequenz: „Ohne sichere Seewege kann die NATO ihre Verstärkungskräfte nicht zuverlässig nachführen und nicht wirksam abschrecken und verteidigen.“ Mit Blick auf die amphibische Komponente hob er zudem den starken türkischen Beitrag hervor: „Ich möchte den wichtigen Beitrag der amphibischen Kräfte unseres türkischen Verbündeten besonders hervorheben.“

Kiel als nächster markanter Punkt – Ostsee als zweite Phase
Ein sichtbarer nächster Schritt ist das Anlaufen Norddeutschlands: Die Schiffe sollen nach dem aktuellen Planungsstand Mitte Februar in Kiel ankommen. Daran schließt sich der zweite Teil der Übung – dann in der Ostsee – an. Hier soll nicht nur die Präsenz des Verbands gezeigt werden, sondern vor allem die Fähigkeit, Kräfte unter realistischen Rahmenbedingungen zu führen, nachzuführen und über längere Distanzen einsatzbereit zu halten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf amphibischen Fähigkeiten. Vorgesehen ist im Februar an der deutschen Ostseeküste im Bereich Putlos eine Amphibious Landing Demonstration, also eine amphibische Landungsoperation. Damit rückt Deutschland als Aufnahme- und Drehscheibenraum in den Mittelpunkt: Häfen, Umschlagpunkte und Logistikketten werden praktisch erprobt, ebenso die Koordination mit nationalen Stellen und verbündeten Kommandos.

Welche Landungsstärke in Putlos tatsächlich zum Einsatz kommen wird, blieb unklar. Vor Ort ließ sich nicht feststellen, ob während der gesamten Verlegung das vollständige Transport‑ und Landepotenzial – also Landungsboote sowie eingeschiffte Kräfte mit Fahrzeugen und Gerät – in maximaler Stärke bereitstehen wird oder ob für die Vorführung in Putlos nur ausgewählte Teile gezeigt werden. Klar ist: Gerade diese Frage – volle Landungsleistung oder exemplarischer Ausschnitt – wird sich in der Ostseephase und bei der Demonstration an der Küste entscheiden und dürfte für Beobachter der zentrale Gradmesser für Realitätsnähe und Durchhaltefähigkeit der amphibischen Komponente sein.
Warum Steadfast Dart 26 geübt wird
Steadfast Dart ist darauf angelegt, die schnelle Aktivierung, Verlegung und Integration der Allied Reaction Force zu testen. Also jener Kräfte, die innerhalb kurzer Zeit für Bündnisverteidigung, Abschreckung und Krisenreaktion bereitgestellt werden. Im Kern geht es um die Frage: Wie schnell kann die NATO Truppen aus verschiedenen Nationen zusammenführen, über See-, Land- und Luftwege verlegen und anschließend in einem gemeinsamen Führungsrahmen operativ einsetzen?
Auf Nachfrage am Rande des Termins hieß es aus Teilnehmerkreisen, dass für Steadfast Dart 26 kein U-Boot-Anteil vorgesehen sei. Da U-Boot-Operationen allerdings häufig nicht öffentlich ausgewiesen werden, bleibt offen, welche Schutzkomponenten im Schwerpunkt die maritime Verlegung absichern sollen und ob der Übungsansatz bewusst auf offen sichtbare Mittel wie Überwasserkräfte, Luftlagebild, Maritime Patrol Aircraft und Minenabwehr setzt.
Gerhartz betonte in Rota besonders den Solidaritäts- und Verlegeaspekt von Süd nach Nord: „Heute hat sich hier in Rota die multinationale Flotte gesammelt und verlegt anschließend nach Norden. Nach Mitteleuropa und schließlich nach Deutschland.“ Und er machte den politischen Kern der Übung deutlich: „Gerade in der Zeit, in der wir leben, ist es wichtig, ein klares Signal zu senden und die Einheit des Bündnisses zu demonstrieren: In dieser Rotation verlegen vor allem Nationen der Südflanke nach Mitteleuropa – nach Deutschland –, um im Krisenfall verstärken zu können.“

Auf die Frage nach der außenpolitischen Botschaft ordnete Gerhartz die Übung geostrategisch ein: „Ich würde nicht sagen, dass das vor allem eine Botschaft gegen irgendjemanden ist. Es ist eine 360-Grad-Botschaft: Die NATO ist hoch einsatzbereit und sie zeigt, dass Nationen der Südflanke Mitteleuropa verstärken können. Und es ist auch eine Botschaft an uns selbst im Bündnis: Wir stehen geschlossen.“
Jürgen Fischer
Zur Einordnung: Der Autor war Teilnehmer des internationalen Pressetermins des Joint Force Command Brunssum in Rota










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