Das Vereinigte Königreich hat einen Vertrag zur Beschaffung von Radhaubitzen RCH 155 im Wert von 52 Millionen Pfund (umgerechnet 60 Millionen Euro) geschlossen, wie aus einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums vom 28. Dezember 2025 hervorgeht. Das Ministerium gibt Deutschland als Vertragspartner an. Es ist unklar, ob damit die Bundeswehr gemeint ist oder die ARTEC, die Vertragspartner der Bundeswehr für die Beschaffung von RCH 155 ist.

Die Radhaubitze RCH 155 auf Boxer-Drivemodul kann aus der Fahrt schießen. (Foto: KNDS Deutschland)

Gemeinsame deutsch-britische Entwicklung und Beschaffung

Das BAAINBw hat am 19. Dezember mit der ARTEC, dem Rheinmetall-KNDS Deutschland-Joint Venture, einen Rahmenvertrag über die Herstellung und Lieferung von bis zu 500 Radhaubitzen RCH 155 (Remote Controlled Howitzer 155 mm) abgeschlossen. In den Rahmenvertrag können auch andere Nationen eintreten, was jetzt offensichtlich Großbritannien getan hat.

Der Vertrag mit dem Vereinigten Königreich sieht die Lieferung einer hochmodernen Early Capability Demonstrator (ECD)-Plattform des RCH 155 auf die Insel vor, während zwei weitere nach Deutschland für gemeinsame Tests gehen.

Diese gemeinsame Beschaffung ist dem britischen Verteidigungsministerium zufolge Ausdruck der vertieften Verteidigungszusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland im Rahmen des im Oktober 2024 unterzeichneten Trinity-House-Abkommens – einem wegweisenden Verteidigungsabkommen, mit dem sich beide Nationen zur militärischen Zusammenarbeit verpflichtet haben.

Stärke des Trinity House Agreement

Im Rahmen des Vertrags werden Großbritannien und Deutschland Testdaten und Einrichtungen gemeinsam nutzen, um sicherzustellen, dass beide Nationen über erstklassige Ausrüstung verfügen. Das bedeutet, dass beide Nationen ihre Beschaffungsfristen verkürzen und gleichzeitig die Kosten senken – was den Steuerzahlern einen höheren Nutzen und beiden Streitkräften verbesserte Fähigkeiten bringt.

„Dieses gemeinsame Demonstrationsprogramm verdeutlicht die Stärke und den Ehrgeiz des Trinity House Agreement. Durch die enge Zusammenarbeit mit Deutschland beschleunigen wir nicht nur die Bereitstellung von Artillerieausrüstung von Weltklasse für die britische Armee, sondern tun dies auch effizienter und kostengünstiger, als es jedes Land allein erreichen könnte“, sagte Edward Cutts, Verantwortlicher für „Mobile Fires“ in der British Army.

Langfristige Lösung RCH 155

Die RCH 155 ist den Angaben zufolge eine langfristige Lösung für den Bedarf der British Army an mobilen Feuerplattformen. Derzeit setzen Soldaten 14 Archer-Artilleriesysteme ein, die als kurzfristiger Ersatz für die an die Ukraine verschenkten AS90-Kanonen dienen.

„Die British Army wird bald über neue Artillerie verfügen, die während der Fahrt feuern kann. Dies baut auf den Erfahrungen aus der Ukraine auf und ermöglicht es unserer Armee, Ziele in 70 km Entfernung zu treffen und sich schnell aus der Schusslinie zu entfernen, um erneut feuern zu können“, erläuterte Luke Pollard, Minister für Verteidigungsbereitschaft und Industrie.

RCH 155 – Quantensprung in der mobilen Artillerie

Das Artilleriemodul der RCH 155 ist als Missionsmodul auf einem Boxer-Drivemodul integriert. Das Ministerium schreibt, die RCH 155 könne

  • innerhalb von Sekunden einsatzbereit sein und je nach Munitionstyp acht Schuss pro Minute mit einer Reichweite von bis zu 70 km abfeuern,
  • Ziele in jeder Richtung treffen, ohne neu positioniert werden zu müssen,
  • schnell wieder eingesetzt werden und sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h fortbewegen, wodurch es für Gegner schwieriger wird, es ins Visier zu nehmen,
  • 700 km ohne Auftanken zurücklegen und
  • Dank modernster Automatisierung mit nur zwei Besatzungsmitgliedern betrieben werden.

Die RCH 155 stelle einen Quantensprung in der mobilen Artillerie dar – sie kombiniere verheerende Feuerkraft mit der Fähigkeit zur schnellen Neupositionierung, führte Cutts weiter aus. „Diese Zusammenarbeit stellt sicher, dass unsere Soldaten mit modernster Technologie ausgestattet werden und stärkt gleichzeitig die Interoperabilität zwischen den britischen und deutschen Streitkräften, die für die kollektive Verteidigung der NATO von entscheidender Bedeutung ist.“

Gerhard Heiming