Das BAAINBw hat am 19. Dezember mit der ARTEC, dem Rheinmetall-KNDS Deutschland-Joint Venture, einen Rahmenvertrag über die Herstellung und Lieferung von bis zu 500 Radhaubitzen RCH 155 (Remote Controlled Howitzer 155 mm) abgeschlossen. Das hat KNDS Deutschland am selben Tag mitgeteilt. In den Rahmenvertrag können auch andere Nationen eintreten– wie bei dem Common Procurement Agreement für die Beschaffung von Leopard 2 A8.
Auftraggeber für die RCH 155 auf Basis des 8×8-Boxer ist nicht die europäische Beschaffungsagentur Occar, wie bei den meisten GTK Boxer, die bisher bestellt worden sind. Die Boxer Combat Reconnaissance Vehicles (CRV) für Australien wurden von der australischen Regierung direkt bei Rheinmetall in Auftrag gegeben. In der Folge wurden die schweren Waffenträger Infanterie auf Boxer-Fahrgestell, die von dem Boxer CRV abgeleitet sind, vom BAAINBw unmittelbar bei Rheinmetall bestellt.

Artillerie-Geschütz-Modul von KNDS
Als Sofortbestellung wurden 84 Radhaubitzen abgerufen, die zusammen mit Ausbildungsmitteln ab 2028 geliefert werden sollen. Hinzu kommen Service und logistischen Support. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte am 17. Dezember das Vorhaben mit einem Beschaffungsvolumen von 1,2 Milliarden Euro gebilligt. Von der 84 Systemen sind vier Vorab-Exemplare, von denen drei in Deutschland für die integrierte Nachweiseführung genutzt werden sollen. Ein System ist für Großbritannien vorgesehen.
Die gepanzerte Radhaubitze RCH 155 kombiniert nach Angabe von KNDS die Feuerkraft und effektive Reichweite des unbemannten, voll automatisierten und fernbedienbaren Artillerie-Geschütz-Moduls (AGM) mit dem hohen Schutz und der Mobilität des einsatzerprobten Radpanzers Boxer. Als weltweit einziges System ist die RCH 155 in der Lage den Feuerkampf während der Fahrt zu führen.
155-mm-Waffenanlage von Rheinmetall
Ziele können Rheinmetall zufolge in bis zu 40 Kilometer Entfernung hochpräzise bekämpft werden. Neben der schnellen Feuerbereitschaft gehören ihre hohe taktische Reichweite auf der Straße sowie die Mobilität zu den Stärken der RCH155. Die Besatzung konnte aufgrund des hohen Grades an Automatisierung im Vergleich zur Panzerhaubitze 2000 auf zwei Soldaten (Kommandant und Kraftfahrer) reduziert werden.
Als systematische Weiterentwicklung auf Basis der PzH 2000 verfügt die RCH 155 über alle Funktionalitäten eines modernen Rohrartillerie-Systems, mit höchstem Schutzniveau für die Besatzung. Rheinmetall wird die Elektrik, Software und die 155-mm-Waffenanlagen an die ARTEC GmbH liefern.
Nutzung in Deutschland, der Ukraine und Großbritannien
Im Deutschen Heer wird die RCH 155 das primäre Waffensystem der Artillerie bei den neu aufgestellten Mittleren Kräften und vervollständigt diese neue Kräftekategorie.
Erstnutzer der RCH155 ist die Ukraine. Sie hat 54 RCH 155 bei KNDS Deutschland in drei Losen direkt bestellt. Auch hier liefert Rheinmetall die Elektrik, Software und die Waffenanlagen an KNDS Deutschland. Die ersten Systeme wurden ab Januar zur Ausbildung in Deutschland übergeben. Bisher ist nicht bekannt, dass die RCH 155 in der Ukraine eingesetzt wird. Dies gesamte Bestellung soll bis 2027 ausgeliefert sein.
Großbritannien beabsichtigt ebenfalls, die RCH 155 zu beschaffen. Die Regierungschefs Deutschlands und Großbritanniens haben bereits im April 2024 eine entsprechende Kooperation angekündigt.
Gerhard Heiming












