Als Ron Prosor 2022 sein Amt als israelischer Botschafter in Deutschland angetreten hat, schloss sich ein persönlicher Kreis. Der Posten als oberster Repräsentant seines Staates in Berlin war für ihn eine Rückkehr zu den Wurzeln. Nicht weit vom Bebelplatz hatten einst seine Großeltern gewohnt.

Der Großvater Berthold Proskauer, so erzählt es der Enkel vor einer Bilderwand in seinem Büro, sei ein preußischer Offizier gewesen. Die Großmutter habe 1933 die Zeichen der Zeit zu deuten gewusst. Die jüdische Familie rettete sich rechtzeitig ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina. Aus Proskauer wurde der Familienname Prosor. „Wer hätte gedacht, dass ich, der Enkel eines stolzen Preußen, einmal als Botschafter den Staat Israel in Deutschland vertreten werde“, sagt der Diplomat auf Deutsch. „Mir geht das immer noch sehr nahe.“

Im Gespräch mit ES&T zeigt sich der Botschafter Ron Prosor so, wie der Autor eines der ersten größeren Porträts ihn einmal beschrieben hat: als ein „Mann der klaren Worte“. Prosor vermisst in Deutschland die politische Klarheit, wenn es um den Nahen Osten geht. Mitunter findet er die Haltung der Bundesregierung „sehr problematisch“. Zwei Jahre nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober habe er den Eindruck, „dass einige in Deutschland vergessen haben, wer Täter und wer Opfer ist“.

ES&T: Herr Prosor, Sie haben den Angriff auf eine Niederlassung des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit in Ulm als „terroristischen Akt“ verurteilt. Sollten die Sicherheitsbehörden genauer hinschauen, wenn es um israelische Firmen in Deutschland geht?

Prosor: Unbedingt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gruppe „Palestine Action“ hinter der Attacke in Ulm steckt. In Großbritannien gilt sie als Terrororganisation, weil sie in Stützpunkte der Royal Air Force eingedrungen ist und Flugzeuge beschädigt hat. Es braucht hohe Strafen zur Abschreckung, denn das war kein harmloser Streich. Heute trifft es Elbit, morgen geht es um eine andere Rüstungsfirma.

ES&T: In Ulm hat eine Initiative anschließend zu einem „Protestcamp“ gegen Elbit aufgerufen – „aus Solidarität mit dem palästinensischen Volk“, wie man auf Instagram lesen kann.

Prosor: Es wirkt wie aus einem Drehbuch für hybride Kriegsführung: Vermeintliche Aktivisten geben sich einen demokratischen Anstrich, sabotieren aber gleichzeitig mit ihren Aktionen die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und gefährden die deutschen Bürger, die bei Elbit in Ulm beschäftigt werden. Der Angriff hat rein gar nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, das ist Terror. Jeder kann seine Meinung sagen, gerade Israel wird von morgens bis abends kritisiert. Nur die Kritik an der Israel-Kritik ist offenbar ein Tabu.

ES&T: Was haben Sie gedacht, als Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt hat, die Ausfuhr von deutschen Rüstungsgütern nach Israel einzuschränken?

Prosor: Wenn Hamas die Waffen niederlegt, wird es sofort Frieden geben. Wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es kein Israel mehr geben. Was ist nach der Entscheidung der Bundesregierung passiert? Sind die Geiseln heimgekehrt? Nein. Sind wir einem Waffenstillstand nähergekommen? Nein. Es ist ganz einfach: Wenn die Geiseln endlich zu Hause sind, ist der Krieg zu Ende. Jedes Embargo gegen Israel ermuntert die Hamas. Sie zieht den Krieg in die Länge.