Der Haushaltsausschuss hat heute der 25-Mio-Euro-Vorlage zur Beschaffung von zehn Panzerhaubitzen 2000 zulasten des Einzelplans 60 zugestimmt. Das BMVg hatte die Finanzmittel in Höhe von 184 Millionen Euro aus der Ertüchtigungsinitiative im Einzelplan 60 für Beschaffung der Haubitzen beantragt. In dem vorliegenden Vertragsentwurf ist optional die Lieferung von weiteren 18 Haubitzen in drei Losen zu je sechs Stück vorgesehen. Der Zulauf der Haubitzen ist für den Zeitraum 2025/2026 vereinbart.

Der Beschaffungsvertrag ist dem Vernehmen nach bereits von Annette Lehnigk-Emden für das BAAINBw und Ralf Ketzel für Krauss-Maffei Wegmann (KMW) unterzeichnet worden.

Die Bundeswehr hatte im Juni und September 2022 insgesamt 14 PzH 2000 aus Beständen des Heeres an die Ukraine abgegeben. Schon bei der ersten Abgabe hatte die Bundesregierung zugesichert, dass die entstandene Ausrüstungslücke durch Nachbeschaffung geschlossen werden solle. Dennoch hat es mehr als ein halbes Jahr gebraucht, bis jetzt die parlamentarische Billigung erfolgen konnte. In der Zwischenzeit hat die Ukraine 100 PzH 2000 bei KMW bestellt, deren Produktion soweit bekannt bereits begonnen hat.

Verwirrung ist darüber entstanden, dass nur zehn und nicht 14 Haubitzen nachbeschafft werden. Das BMVg wollte ursprünglich wohl neben den zehn festbeauftragten Haubitzen gleich die Option auf weitere sechs auslösen. Dem soll das Bundesfinanzministerium aus Haushaltsgründen widersprochen haben, weil damit mehr beschafft werde, als abgegeben worden sei. Der im Raum stehende Vorschlag, zwei Haubitzen auszusondern, um Abgabe und Nachbeschaffung auszugleichen, ist offensichtlich nicht realisiert worden.

Über etwaige technische Änderungen gegenüber der Ursprungsversion von 1998 liegen keine Erkenntnisse vor. Bekannt ist, dass Deutschland und die Niederlande für die zweite Hälfte der laufenden Dekade ein Mid-Life-Upgrade geplant haben, mit dem sowohl Obsoleszenzen beseitigt als auch Fähigkeitserweiterungen eingebracht werden sollen. Dazu gehören eine überarbeitete Feuerleitanlage, Reichweitensteigerung und die Nutzung der Präzisionsmunition Vulcano.

Die Bundeswehr beschafft zehn Panzerhaubitzen 2000 als Ersatz für die an die Ukraine abgegebenen Waffensysteme. (Foto: Bundeswehr)

Die PzH 2000 wurde im Zeitraum 1998 bis 2003 in die Bundeswehr eingeführt. Aus der bis heute und zukünftig laufenden Produktion wurden und werden zahlreiche NATO-Länder sowie Katar und demnächst die Ukraine mit mehr als 160 Haubitzen ausgestattet. Kern des Waffensystems ist die 155mm/L52-Kanone mit gezogenem Rohr und automatischem Ansetzer. Der gepanzerte Waffenturm ist auf einem Fahrgestell integriert, das vom Leopard 1 abgeleitet ist und Leopard-2-Baugruppen verwendet. Intern können 60 Geschosse und 2888 Treibladungsmodule mitgeführt werden. Als Antrieb dient ein MTU-Diesel mit 735 kW.  Das BMVg gibt als Schussreichweite mehr als 40 Kilometer an, abhängig von der genutzten Munition.

Als „Wiederbeschaffung mit Tücken“ kritisiert der Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU), Berichterstatter Verteidigung im Haushaltsausschuss, den Kauf der Haubitzen. Aufgrund einer vom Verteidigungsministerium zu verantwortenden nachteilhaften Vertragsgestaltung könne die Bundesregierung nur zehn oder 16 Systeme ordern. Offenbar sieht sich die Bundesregierung außerstande, die Differenz von zwei Systemen haushalterisch abzubilden und eine entsprechende auskömmliche Bestellung auszulösen , wie Gädechens ausführt. Es bleibe eine große Enttäuschung für die Truppe.

Zudem provoziere das BMVg mit dem Verfahren Mehraufwand durch zusätzliche 25-Mio-Euro-Vorlagen, denn jede Auslösung einer Option müsse dem Haushaltsausschuss vorgelegt werden. Dies konterkariere die Aussage des BMVg, wonach ein zentraler Grund für das schleppende Beschaffungsverfahren die Vorlagen an den Haushaltsausschuss seien.

Gerhard Heiming