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Das US-Militär experimentiert mit kleinen Kernkraftwerken für die Energieversorgung entlegener oder expeditionärer Stützpunkte. Das Pentagon folgt hiermit einer Vorgabe des US-Kongresses; im Verteidigungsetat 2019 wurde die Erprobung sogenannter Mikroreaktoren (1 bis 20 Megawatt Leistung) bis zum Jahr 2027 vorgeschrieben.

Das Konzept wurde 2016 bis 2018 durch zwei im Pentagonauftrag erstellte Studien befürwortet. Zur Disposition stehen sowohl statische Einrichtungen für die Versorgung fester Standorte wie auch Luft- oder Lkw-verlegbare Anlagen für die Versorgung taktischer Standorte. Derzeit werden Prototypen beider Reaktorkategorien entworfen.

Feste Reaktoren für die Standortversorgung

Der erste ständige Versuchsreaktor wird auf dem Luftwaffenstützpunkt Eielson Air Force Base aufgestellt. Der in Zentralalaska gelegene Stützpunkt wird derzeit durch ein 70 Jahre altes Kohlekraftwerk versorgt, das bis zu 1.000 Tonnen Kohle täglich verbraucht. Für den Kohlenachschub unterhält der Stützpunkt eine eigene Eisenbahn und ein Lager mit 90.000 Tonnen Kapazität. Das Kraftwerk ist sowohl für Stromerzeugung wie für Heizung zuständig.

Der tägliche Energiebedarf des Stützpunkts schwankt zwischen 10 bis 15 MW mit Spitzennachfrage bis zu 25 MW.

Die Ausschreibung des Projekts ist für Februar 2022 geplant; der Auftrag soll Ende 2022 vergeben werden. Der geplante 15-MW-Kernreaktor soll 2027 den Betrieb aufnehmen. Er wird ausschließlich zur Versorgung des Stützpunktes dienen. Der Reaktor wird in einem containergroßen Bau auf einem 2,2 Hektar großen Areal des Stützpunkts untergebracht.

Die Anlage wird durch eine Privatfirma gestellt und betrieben; die Betriebskosten sollen die aktuellen Energiekosten des Stützpunkts nicht überschreiten.

US-Streitkräfte erproben taktische Atomkraftwerke
Das 70 Jahre alte Kohlekraftwerk auf dem Stützpunkt Eielson AFB in Alaska (Foto: USAF)

Der Versuch soll feststellen, ob sich diese Technologie eignet, um den Militärbetrieb aufrechtzuerhalten, auch wenn die konventionelle Energieversorgung eines Standortes beeinträchtigt ist. „Es geht im Grunde um die stabile Energieversorgung“, erklärte der für Infrastruktur der U.S. Air Force zuständige Staatssekretär Mark Correll. „Wir wollen gewährleisten, dass jeder Stützpunkt zu jedem Zeitpunkt ausreichend versorgt ist, um seinen Verteidigungsauftrag zu leisten“, erklärte Correll am 5. November.

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