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Nach der ersten Ausschreibung für das hochpriorisierte nur optional bemannte Kampffahrzeug – Optionally Manned Fighting Vehicle (OMFV) – mit dem der überalterte Schützenpanzer Bradley ersetzt werden soll, war Ende 2019 nur ein einziges akzeptiertes Angebot eingegangen, das aber technisch unzureichend war. Daher wurde das Verfahren im Januar 2020 gestoppt.

Die U.S. Army hat nach intensiven Gesprächen mit der Industrie am 9. April 2020 einen neuen Fahrplan für die Realisierung des OMFV veröffentlicht, der den Beginn der Serienproduktion 2027 und erste operationelle Fähigkeiten ab 2028 vorsieht.

Ausgangspunkt des vorgestellten Realisierungsplans ist die Neuprioisierung der kennzeichenden Merkmalen des Fahrzeugs. Erstmals steht die Überlebensfähigkeit der Besatzung und des Systems an erster Stelle und hat Forderungen nach Mobilität, Wirksamkeit, Gewicht und (Luft-) Transportfähigkeit verdrängt.

Die neue Priorisierung der Merkmale des OMFV sind:

  1. Überlebensfähigkeit,
  2. Mobilität,
  3. Aufwuchspotential,
  4. Wirksamkeit,
  5. Gewicht,
  6. Logistik,
  7. Transportfähigkeit,
  8. Besatzung und
  9. Ausbildung.

Der gesamte Entwicklungs- und Beschaffungsprozess setzt in starkem Maße auf den Dialog mit der Industrie. Die eingeleitete Diskussion, die vor allem auf eine Marktübersicht mit verfügbaren Technologien abzielt, wird voraussichtlich im April 2021 zu einer Aufforderung zur Abgabe von Angeboten führen. Gesucht werden digitale Entwürfe von Kampffahrzeugen, von denen fünf zur virtuellen Erprobung vor allem in Simulationen ausgewählt werden. Die Simulationen sollen zeigen, welchen operationellen Mehrwert die neuen Fahrzeuge sowohl im Umfeld der Neuen Generation von Kampffahrzeugen (New Generation Combat Vehicles, NGCV) als auch im Zusammenwirken mit der vorhandenen Ausrüstung entwickeln können.

Als Ergebnis der Untersuchung der virtuellen Fahrzeuge sollen im April 2023 maximal drei Anbieter aufgefordert werden, unter Berücksichtigung der Simulationsergebnisse ihre Entwürfe zu verfeinern und bis Juli 2025 funktionsfähige Prototypen zu bauen.

Ersatz der Schützenpanzer Bradley
Ersatz der Schützenpanzer Bradley
Ersatz der Schützenpanzer Bradley
Foto: U.S. Army

Die U.S. Army hat für die ausgiebige Erprobung der Demonstratoren einen Zeitraum von mehr als einem Jahr angesetzt und will im Januar 2027 einen Hersteller für die Produktion auswählen. Mit einem Vertrag für die Hersteller der Serienreife und den Beginn der Serienproduktion mit geringer Produktionsrate (Low-Rate Initial Production, LRIP) soll noch im selben Jahr die Serienproduktion gestartet werden. Die Einsatzbereitschaft des ersten Kampfbataillons mit OMFV wird für Ende 2028 erwartet. Der Vertrag für die Serienproduktion mit voller Produktionsrate im Wert von rund 41 Milliarden Euro könnte Ende 2029 abgeschlossen werden. Die Anzahl zu ersetzender Schützenpanzer Bradley liegt rund 4.700.

Der Neuansatz der U.S. Army bringt einen Zeitverzug von mindestens zwei Jahren gegenüber der Ausgangsforderung. Eigentlich sollte die Einschaltung des eigens für solche Zwecke gegründeten Army Futures Command den Beschaffungsprozess beschleunigen.

Die U.S. Army erwartet – wie oben erläutert – die Beteiligung von mehr als fünf Unternehmen an der ersten Phase des Wettbewerbs. Beim ersten Ansatz 2019 hatte BAE Systems mit dem CV 90 Mk IV zunächst Interesse angemeldet aber kein Angebot abgegeben. Das Angebot des Konsortiums Raytheon/Rheinmetall mit dem KJ41 Lynx wurde aus formalen Gründen nicht akzeptiert. Das Angebot von General Dynamics mit dem Griffin wurde wegen technischer Mängel zurückgewiesen.

Gerhard Heiming