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Am vergangenen Freitag veröffentlichte das amerikanische Nachrichtenportal Defense News die Meldung, dass der von Rheinmetall und Raytheon angebotene Schützenpanzer Lynx 41 vom Wettbewerb um die Nachfolge der Bradley-Flotte der U.S. Army ausgeschlossen worden sei.

Die US Army gab gegenüber Defense News hierzu jedoch keine Stellungnahme ab.

Defense News verwies in seinem Bericht auf “mehrere Quellen” (multiple sources) und führte weiterhin aus, dass formale Gründe zum Ausschluss geführt haben sollen. So habe das Vergabeverfahren neben der Angebotsabgabe bis zum 1. Oktober 2019 auch die Übergabe eines funktionsfähigen Fahrzeuges an die U.S. Army in den USA vorgesehen. Diese Voraussetzung habe das Rheinmetall-Raytheon-Team laut Defense News nicht erfüllen können, da Rheinmetall die dafür notwendigen Transportgenehmigungen nicht rechtzeitig habe erhalten können. Somit verbleibe ausschließlich General Dynamics Land Systems im Optionally Manned Fighting Vehicle (OMFV) Wettbewerb um die Bradley Nachfolge, so die Meldung. In den US-Medien ist eine Diskussion darüber entstanden, ob es zielführend sei, ein Rüstungsprojekt dieser Dimension ohne Wettbewerb und mit nur einem einzelnen verbliebenen Anbieter voranzutreiben.

Der Redaktion von Europäische Sicherheit und Technik liegt nun eine Stellungnahme von Rheinmetall zum Sachverhalt mit folgendem Wortlaut vor:

Rheinmetall und Raytheon haben sich frühzeitig im Team aufgestellt und für das OMFV-Programm (Optionally Manned Fighting Vehicle) der US-Armee einen überzeugenden Vorschlag präsentiert, der technologisch auf dem Lynx Schützenpanzer von Rheinmetall basiert. Mit der Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures in den USA und der jüngst erfolgten  Aufnahme von Textron als kompetentem Produktionspartner in das Team haben Rheinmetall und Raytheon unter Beweis gestellt, dass sie sich der Zielsetzung des OMFV-Programms verpflichtet fühlen und einen entscheidenden Beitrag zu seinem Erfolg beisteuern wollen.

Ein entsprechendes Angebot für das OMFV-Programm der US-Armee wurde der Army vom Joint Venture Raytheon Rheinmetall Land Systems zeitgerecht zum 1. Oktober 2019 vorgelegt. Auf der Grundlage eines existierenden Fahrzeugs wurde ein ausgereifter Vorschlag präsentiert, der es ermöglicht, den ehrgeizigen Test- und Evaluierungsplan der Armee zu erfüllen und gleichzeitig die Integration zusätzlicher fortschrittlicher Technologien zu gewährleisten.

Vom US Army Contracting Command und vom US Army Futures Command gibt es bislang kein öffentliches Statement über den aktuellen Stand des nun laufenden Prozesses der Auswahlentscheidung (Source Selection Evaluation).

Daher ist es uns aktuell auch nicht möglich, einen Kommentar zum aktuellen Stand im Projekt abgeben.

Unabhängig davon fühlt sich das von Rheinmetall und Raytheon geführte Industrieteam weiter dem OMFV-Programm verpflichtet. In einem der anspruchsvollsten Projekte der Heeresrüstung weltweit setzen wir auf einen offenen und lebhaften Wettbewerb, um eine in jeder Hinsicht überzeugende Lösung für die ehrgeizigen Forderungen der US-Streitkräfte im OMFV-Programm finden zu können.

Unser Team will weiterhin eng mit der US-Army und den für die militärische Beschaffung Verantwortlichen zusammenarbeiten, um mit dem Lynx eines der weltweit kampfstärksten und modernsten Militärfahrzeuge für die US-Streitkräfte verfügbar zu machen.

Hintergrund OMFV Wettbewerb

Als Ersatz für die rund 4.700 in Nutzung befindlichen Schützenpanzer Bradley fordert die U.S. Army ein Fahrzeug, das je nach Bedarf bemannt oder unbemannt eingesetzt werden kann (optionally manned). Das Fahrzeug wird mit einem aktiven Schutzsystem ausgestattet. Gewicht und äußere Abmessungen müssen den Transport in einer C-17 Globemaster zulassen.

Zeitplan und Kernforderungen

Der ursprüngliche Plan, den Bradley beginnend 2032 durch das neu entwickelte OMFV Gefechtsfahrzeug zu ersetzen, wurde im April 2018 durch eine Entscheidung von Mark Esper, den damals zuständigen Staatssekretär für die U.S. Army und mittlerweile ernannte Verteidigungsminister der USA, deutlich beschleunigt. Um den neuen Zeitplan einhalten zu können beabsichtigt die U.S. Army Berichten zufolge die Beschaffung  eines stark modifizierten, marktverfügbaren Standardmodells, welches über ein ausgereiftes Chassis und einen Turm mit neu zu integrierenden Sensoren (Wärmebildgeräten der zweiten Generation) verfügt. Da nach Ansicht der U.S. Army derzeit noch keine serienreife Bewaffnung mit einer 50-mm-Kanone realisierbar scheint, ist Kernforderung an die Bewaffnung eine 30-mm-Bordkannonne. Von den Anbietern wird jedoch ein Realisierungsplan für die spätere Integration einer 50-mm-Kanone und Wärmebildgeräten der dritten Generation gefordert. Einschließlich Ersatzteilen und logistischer Unterstützung hat das bis zu 3.590 Gefechtsfahrzeuge umfassende OMFV Programm ein Volumenpotenzial von 42 Milliarden Dollar.

Waldemar Geiger