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Das Bundesamt für Ausrüstung Informationstechnologie und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Nexter mit der Lieferung von sieben Waffenanlagen P20 beauftragt. Diese sollen jetzt in Deutschland auf der leichten Landplattform erprobt werden.

Die Beschaffung der ITAR-freien Waffenanlagen, welche mit der Veröffentlichung des Teilnahmewettbewerbs am 24. Juni 2019 begonnen hat, dient der Qualifikation der neu in die Bundeswehr einzuführenden Maschinenkanone im Kaliber 20 mm zur Integration in ein autonomes Gefechtsfahrzeug, die sogenannte „Leichte Landplattform“. Die Erprobung erfolgt durch die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen.

Neben den sieben Maschinenkanonen im Kaliber 20 mm x 102 – nicht zu verwechseln mit dem Kaliber 20 mm × 139 (Schützenpanzer Marder und Wiesel MK) – werden auch Werkzeugsätze für Bediener und Instandsetzungskräfte, ein Ersatzteil-Erstbedarf und Zubehör geliefert. Die Lieferung soll zum 30. Juli 2020 erfolgen.

Weiterhin wurden am 10. März 2020 seitens des BAAINBw mehrere Teilnahmewettbewerbe für die Beschaffung der entsprechenden Munitionsorten im Kaliber 20 mm x 102 veröffentlicht.

Im Zeitraum Januar 2022 bis Dezember 2024 sollen folgende Munitionspakete zulaufen:

  • 25.000 Patronen 20 mm x 102 TP-T (Übung, Leuchtspur)
  • 117.500 Patronen 20 mm x 102 TP (Übung)
  • 45.000 Patronen 20 mm x 102 AP-T (Panzerbrechend, Leuchtspur)

P20 Maschinenkanone

Die P20 ist ein lafettiertes System mit einer Maschinenkanone 20M621 im Kaliber 20 mm x 102. Sie lässt sich insbesondere auf leichten 4×4-Fahrzeugen nutzen.

Die 20M621 stammt aus der Nexter-Fertigung in Bourges und arbeitet als Gasdrucklader. Die 2.207 mm lange Waffe selbst wiegt rund 45 Kilo, hat eine Kadenz von rund 800 Schuss/Minute und erreicht je nach Munitionssorte eine Anfangsgeschwindigkeit von knapp über oder unter 1.000 m/s. Neben Spreng-Brand- stehen auch panzerbrechende Geschosse sowie Trainingsmunition zur Verfügung. Anwendungsbereiche der P20-Waffenanlage sind Kampf gegen Boden- und Luftziele, Feuerunterstützung, Kampf im bebauten Gelände, Schutz, Selbstverteidigung oder Show of Force.

Bei dem Vorhaben  – dem ersten Auftrag seitens des BAAINBw für das französische Unternehmen – wurde Nexter von seinem Partner Krauss Maffei Wegmann unterstützt.

Für die Nutzung der Bewaffnung auf einem autonomen Gefechtsfahrzeug wird sicherlich eine Zuhilfenahme einer fernbedienbaren Waffenstation notwendig werden, da die P20 in der beschafften Konfiguration für eine manuelle Bedienung durch Soldaten ausgelegt ist. Grundsätzlich wären verschiedene Optionen denkbar, zum Beispiel die Entwicklung einer eigenen Lösung seitens der WTD 91. Die zweite Möglichkeit wäre die Nutzung einer FLW 200 von Krauss-Maffei Wegmann (KMW), welche sich bereits in großer Anzahl in der Bundeswehrnutzung befindet. KMW bietet einen entsprechenden Einbausatz für die P20 an.

Technische Daten P20
Waffe Maschinenkanone 20M621
Kaliber 20 mm x 102
Kadenz 750 Schuss/Minute
Feuermodi Einzelfeuer und Feuerstöße
Munitionskapazität 100 Patronen
Effektive Kampfreichweite 2.000 m
Durchschnittliche Rückstoßkräfte 250 daN
Gewicht (Lafette und Waffenanlage mit Munitionsbox) 167 kg

Nexter erwartet in der nächsten Zeit eine weitere Bestellung von P20-Waffenanlagen. Diese sollen gemäß der Pressemitteilung in den Spezialkräften der Bundeswehr zum Einsatz kommen, dann vermutlich auf dem AGF2 (Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug) dem Nachfolger des AGF SERVAL, beim Kommando Spezialkräfte (KSK). Es wäre jedoch auch eine Nutzung als Pod-Lösung am Spezialkräftehubschrauber H145M Light Utility Helicopter Special Operation Forces (LUH SOF) denkbar, da 20M621 in einer anderen Variante am französischen Kampfhubschrauber Tiger genutzt wird. Dafür müsste aber auch das Waffeneinsatzsystem HForce beschafft werden.

Leichte Landplattform

Die Spezifikationen der leichten Landplattform wurden nicht bekanntgegeben. Der estnische Hersteller für unbemannte Landsysteme (UGV) Milrem Robotics hat jedoch kürzlich im Zuge eines Messeauftrittes veröffentlichten Pressemitteilung “zwischen den Zeilen” bekannt gegeben, dass das Unternehmen bereits Systeme des UGV THeMIS (Tracked Hybrid Modular Infantry System) nach Deutschland geliefert hat.

Das THeMIS ist ein Mehrzweck-Kettenfahrzeug, es kann Ausrüstung oder Verwundete transportieren und dank seiner Kameras (IR (MIL-STD-810G), Thermal, HDR) das Situationsbewusstsein erhöhen und einen Überblick über gefährliche Bereiche ermöglichen, ohne dabei die Soldaten selbst zu gefährden. Das Fahrzeug kann auch mit einer Waffenstation, einem IED Aufklärungs- und Entschärfungsrüstsatz sowie vielen weiteren Optionen versehen werden.

Der THeMIS kann eine Vielzahl an Rollen übernehmen, darunter als Bergefahrzeug, Waffenträger und UAV Plattform. (Video: Milrem Robotics)

Der Antrieb erfolgt mit einem diesel-elektrischen Motor. Die Nutzlast wird mit 750 kg angegeben, bei einem Eigengewicht von 1.630 kg. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h, die Laufzeit mit 12 bis 15 Stunden im hybriden Modus, 0,5 bis 1,5 Stunden rein elektrisch und damit nahezu lautlos. Die Maße des Themis 2,4 m x 2,0 m x 1,15 m (L/B/H).

André Forkert und Jan-Phillipp Weisswange