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Nach der überraschenden Ankündigung des Britischen Verteidigungsministers über die Beschaffung von über 500 Boxern für die British Army vom 4. November 2019 liegen nun weitere Erkenntnisse vor.

Vertragspartner sind – wie zu erwarten – die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR-EA und die ARTEC, das Konsortium aus Rheinmetall und KMW. Die OCCAR-EA führt das Rüstungsprogramm Gepanzertes Transportfahrzeug GTK Boxer im Auftrag der am Programm beteiligten Nationen. Das sind Deutschland, die Niederlande, Litauen und – seit 2018 wieder – Großbritannien. Der Beschaffungsauftrag Boxer für UK wurde vom Direktor der OCCAR-EA im Namen des britischen Verteidigungsministeriums unterzeichnet. Die ARTEC als Auftragnehmerin, erteilt Unteraufträge an Rheinmetall und KMW, die sich den Gesamtauftrag zu je 50 Prozent teilen.

Die deutschen Vertragspartner geben das Volumen des Vertrags mit 2,6 Milliarden Euro an. Die britische Seite hatte ein Volumen von 3,2 Milliarden Euro angegeben. Darin sind vermutlich Leistungen im MIV-Programm enthalten, die nicht über die OCCAR-EA vergeben wurden.

Insgesamt sind 528 GTK Boxer in vier Versionen – Truppentransport (Infantry carrier), Lastentransport (specialist carrier), Führungsfahrzeug (Command post) und Ambulanz) – haben die Briten bestellt. Hinzu kommen ein Unterstützungspaket für die erste Betriebsphase und Ausrüstungssätze für spezielle Missionen. Mit den Ausrüstungssätzen sollen die Varianten durch die Truppe missionsspezifisch angepasst werden. Die hochgeschützten Fahrzeuge werden mit fernbedienten Waffenstationen für Maschinengewehr (Kaliber 12,7 mm bzw. 7,62 mm) ausgestattet.

Zunächst werden fünf Prototypen durch Rheinmetall und KMW produziert und bis Juni 2022 ausgeliefert. Nach den Abnahmetests soll das erste Serienfahrzeug im November 2022 im Großbritannien übergeben werden. Der Produktionszeitraum wird sich bis 2031 erstrecken.

528 Boxer in vier Versionen für die British Army

Die erste Phase der Serienproduktion erfolgt in Deutschland, u.a. um das britische Personal in Produktion und Montage auszubilden. Etwa 90 Prozent der Wertschöpfung des Gesamtprogramms sollen in Großbritannien erfolgen. Rheinmetall wird dazu die eigens zu diesem Zweck gegründete RBSL (Rheinmetall BAE Systems Land) und KMW ihr Tochterunternehmen WFEL beauftragen. Diese Unternehmen haben bereits Netzwerke gebildet, in denen Produktion und Montage der Fahrzeuge erfolgen können.

Mit dieser Bestellung erhöht sich der Gesamtumfang an bestellten Boxern auf über 1.400 Fahrzeuge. Nach anfänglichen schweren Geburtswehen entwickelt das Fahrzeug zum Erfolgsmodell und ist auf dem Weg, ein Standardfahrzeug in der NATO zu werden.

Gerhard Heiming