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ES&T: Auf der deutschen Behördenmesse EnforceTac hat man Sie erstmalig unter dem Namen VECTED wahrnehmen können. Was waren die Gründe für die Umbenennung von vhf defence zu VECTED?

Schöberl: Wir wollen damit unser Know-how in der Produktentwicklung und bei Ingenieursdienstleistungen noch stärker hervorheben. Bei uns ist ein Großteil der Belegschaft in der Entwicklung tätig, rund 30 Prozent, während wir nur einen sehr kleinen Verwaltungsbereich haben. Entsprechend können wir sehr flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Das spiegelt sich nun auch in unserem neuen Namen. VECTED, das steht für „Vision“ – „Engineering“ – „Customizing“ – „Targeting“ – „Electronic“ – „Defence“. Mit dem Namenszusatz „Engineering Advantage“ wird nochmal besonders auf unsere Entwicklungs- und Engineeringfähigkeiten hingewiesen.

ES&T: Über welche Kernkompetenzen der Entwicklung verfügt VECTED?

Schöberl: Unsere Kernkompetenz sehen wir ganz klar im Bereich der Elektronik- und Softwareentwicklung für optronische Systeme. Den Schwerpunkt legen wir dabei auf Wärmebildsysteme und die spezifischen Technologien, die dazu nötig sind. Dazu gehören das Elektronikdesign für die Sensoransteuerung, die Fernsteuerung, Software- und Bildsystemtechnik und Bildverarbeitung. Da wir alles im eigenen Haus unter einem Dach haben, von der Entwicklung bis zur Produktion, verfügen wir hier über eine besonders hohe Fertigungstiefe.

Oft kommen Firmen, die Produkte im Bereich Optoelektronik entwickeln, aus der „klassischen“ Optik. Das heißt, sie haben wenig Erfahrung mit Elektronik, die dann häufig externen Dienstleistern überlassen wird. Diese wiederum entwickeln die Elektronik allein nach einer vorgegebenen Spezifikation und haben entsprechend wenig Einblick in das Mechanikdesign. Umgekehrt ist es genauso, dass Produkthersteller große Kompetenz im Bereich der Mechanikentwicklung haben, aber ihnen oft die Erfahrung mit der Elektronikintegration fehlt. Bei uns läuft beides Hand in Hand. Das heißt, dass wir bei der Konzeption eines Wärmebildgeräts schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Planung die Rahmenbedingungen für Mechanikentwicklung, Gerätedesign und Integration der Elektronik in das Gerät sehr eng verzahnt miteinander betrachten, um am Ende ein optimales Ergebnis erzielen und ein möglichst kompaktes Produkt präsentieren zu können.

Unsere Geräte sind grundsätzlich so konzipiert, dass sie ohne Entwicklungsaufwand in einem extrem weiten Spektrum an den Einsatzbereich angepasst werden können. Übrigens auch zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich das Einsatzszenario des Kunden erweitert oder ändert. In so einem Fall bekommt der Kunde von uns eine neue Einsatzkonfiguration, die er selbst auf die Geräte aufspielen kann. Bei uns endet die Kundenbeziehung nicht mit der Auslieferung der Geräte, sondern wir begleiten auch weiterhin. Und das im Prinzip ab einer Stückzahl von einem einzigen Gerät. Selbst dann können wir dieses im Nachhinein spezifisch an sein Einsatzszenario anpassen.

ES&T: Treten Sie dabei ausschließlich als Zulieferer auf?

Die Wärmebildgeräte von VECTED sind äußerst robust und kompakt und eigenen sich auch für den Einsatz unter extremen Bedingungen.

Schöberl: Nein. Ein großer Teil unseres Geschäfts ist zwar der OEM-Bereich. Das heißt, hier wird ein Gerät mit entsprechendem Branding des Kunden von uns entwickelt, auch dahingehend, dass zum Beispiel das Gehäusedesign kundenspezifisch angepasst wird. Wir haben aber auch eine eigene Produktlinie, Wärmebildgeräte, die wir unter dem Markennamen „Raubtier“ über unser Distributionsnetzwerk anbieten. Aus dieser Serie haben wir aktuell ein sehr kompaktes Gerät für den nahen bis mittleren Entfernungsbereich. Im Lauf des Jahres werden wir die Produktlinie aber noch weiter ausbauen, so dass wir ein möglichst breites Einsatzspektrum abdecken können. Momentan liegen wir mit unseren Geräten bei einem Detektionsbereich von bis zu 500 Metern und Identifikationsbereich von ungefähr 100 Metern. Die neuen Geräte, die wir dieses Jahr vorstellen, werden einen Detektionsbereich von bis zu 1.500 Metern und einen Identifikationsbereich von 300 bis 350 Metern abdecken. Wir erweitern die Geräte dahingehend, dass wir unsere eigenen Objektive einsetzen, über die wir dann diese Reichweiten erzielen können. Bei der Produktion unserer Geräte achten wir darauf, soweit möglich alle Komponenten von deutschen oder europäischen Partnern zu beziehen. So bleiben wir unabhängig von US-Exportbeschränkungen (ITAR).

ES&T: Gibt es für Sie als mittelständisches Unternehmen besondere Herausforderungen, in der heutigen Zeit wehrtechnische Produkte zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben?

Schöberl: Was die Entwicklung und die Produktion angeht, sehen wir im Vergleich mit anderen Branchen wie der Industrie oder dem Automotive-Bereich eigentlich kaum größere Herausforderungen. Natürlich haben wir im wehrtechnischen Bereich andere Qualifikationsanforderungen, die auch ein gewisses Know-how erfordern. Als größte Herausforderung sehen wir für uns als mittelständisches Unternehmen aber den Vertrieb, weil es bei Ausschreibungen nicht immer einfach ist, sich gegenüber großen Rüstungskonzernen das notwendige Gehör zu verschaffen. Unser Vorteil ist im Vergleich zu den „Big Playern“ aber dann, dass wir als kleines Unternehmen eine viel größere Flexibilität und Agilität anbieten können.

Natürlich gibt es aber für unsere Produkte, die nicht nur im wehrtechnischen, sondern auch im behördlichen und sicherheitstechnischen Bereich zum Einsatz kommen, gesetzliche Vorgaben, was Entwicklung, Produktion und Vertrieb dieser Geräte angeht, sowohl innerhalb Deutschlands als auch beim Export. Das sind Rahmenbedingungen, die man im Auge behalten muss, die für industrielle oder zivile Produkte nicht in dem Ausmaß vorhanden sind. Wir beobachten da aber durchaus Harmonisierungsbestrebungen, zumindest, was die Exportkontrolle innerhalb der Europäischen Union angeht. Für Dual-Use-Geräte, die für den zivilen Markt entwickelt wurden, aber auch militärisch genutzt werden können, gibt es bereits die Möglichkeit, die Produkte ohne explizite Exportgenehmigung innerhalb der EU zu verkaufen. Für rein militärische Produkte ist das aktuell noch nicht möglich, obwohl sich die Produkte heutzutage nicht mehr nennenswert unterscheiden.

ES&T: Die Bundeswehr hat mehrere Trendwenden angestoßen, kommen diese auch bei Ihnen im Mittelstand in Form von Aufträgen an?

Schöberl: Dass diese Trendwenden angestoßen wurden, konkret die Modernisierung der Bundeswehr, ist sicherlich ein richtiger und wichtiger Schritt, vor allem auch vor dem Hintergrund der Auslandseinsätze, an denen die Bundeswehr beteiligt ist. Aktuell beobachten wir, dass dabei vor allem Großprojekte im Vordergrund stehen. Wir hoffen aber natürlich, dass auch die Ausrüstung der Soldaten und damit unsere Wärmebildgeräte im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen nicht zu kurz kommen.

ES&T: Es kommen immer mehr optronische Geräte auf den Markt, der vorher ausschließlich mit klassischen Optiken besetzt war. Können Sie diesen Trend bestätigen und wenn ja auch erklären?

Schöberl: Ja, auf jeden Fall können wir diesen Trend bestätigen, da wir an einigen dieser Geräte beteiligt sind. Es ist so, dass Soldaten heute im Einsatz nach wie vor sehr speziellen und stressigen Situationen ausgesetzt sind. Dazu kommt, dass sie aufgrund der Kommunikationsmöglichkeiten, die heutzutage zur Verfügung stehen, zum Beispiel in Form von PDAs, enorme Informationsmengen verarbeiten müssen. Diese Informationen machen grundsätzlich die Arbeit für einen Soldaten erst einmal sicherer, aber nicht notwendigerweise einfacher. Das heißt, der Stresspegel kann sich durchaus erhöhen. Wir sind also auf der Suche nach Möglichkeiten, dem Soldaten durch unsere Geräte Informationen zur Verfügung zu stellen, ohne seine Arbeit damit noch zusätzlich zu verkomplizieren. Der beste Weg ist da natürlich, bestehende optronische Produkte, die er bereits im Einsatz nutzt und sehr gut kennt, zu optimieren, zum Beispiel, indem Informationen bereits vorab gefiltert und dann über diese Geräte angezeigt werden. Informationen über bestimmte Gefahrenlagen oder Freund-Feind-Erkennung können direkt im Gerät eingeblendet werden, weil sie in dem Moment, in dem er das Gerät benutzt, relevant sind. Das entlastet den Soldaten in seiner Arbeit, weil die Informationsmenge auf das aktuell Notwendige reduziert wird. Er kann sich voll und ganz auf seine Aufgabe konzentrieren.

Darüber hinaus können wir durch die Integration der Elektronik in optischen Geräten zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen, beispielsweise ballistische Berechnungen. Diese werden heutzutage häufig auf dem PDA oder Smartphone durgeführt. Der Anwender muss dann eine Transferleistung erbringen und die Berechnungen zum Beispiel in sein Zielfernrohr übertragen. Diese Transferleistung können wir ihm mit unserer Elektronik abnehmen. Das heißt, er hat die benötigten Informationen direkt in dem Gerät, das er anwendet, vorliegen.

Das Einsatzspektrum der Wärmebildgeräte soll im kommenden Jahr erweitert werden und eine Auflösung von bis zu 1024 auf 768 Pixel erreichen.

ES&T: Was können wir kurz- und mittelfristig als Neuerungen in diesem Bereich erwarten?

Schöberl: Wir arbeiten stetig an der Weiterentwicklung und Verbesserung unserer Bildverarbeitungsalgorithmen. Im kommenden Jahr planen wir auch Neuerungen, um das Einsatzspektrum der Geräte noch einmal zu erweitern. Mittelfristig streben wir auch eine Erhöhung der Auflösung der Geräte an. Das heißt, dass wir unsere bestehende Produktlinie mit neuen Sensoren ausstatten werden, welche die Auflösung signifikant erhöhen. Dadurch erreichen wir ein größeres Blickfeld bei gleichzeitig größerer Einsatzreichweite. Aktuell unterstützen unsere Geräte eine Auflösung von bis zu 640 auf 480 Pixel. Das ist derzeit Standard in dem Bereich. Wir wollen mit der Integration der neuen Sensorgeneration eine Auflösung von bis zu 1024 auf 768 Pixel erreichen.

Die Fragen stellte Waldemar Geiger.