Stand: 13. April 2026, 12.13 Uhr MESZ

Die Straße von Hormus bleibt ein Seegebiet, das je nach Perspektive gleichzeitig offen und faktisch geschlossen ist: Formal ist die Passage nicht gesperrt, operativ hängt jeder Transit von der Zustimmung der iranischen Revolutionsgarden ab, die den Verkehr in einen schmalen, von ihnen kontrollierten Korridor nahe Larak umlenken. Die Zahl der Schiffe über 10.000 dwt, die die Meerenge tatsächlich passieren, liegt weiterhin deutlich unter Vorkriegsniveau; nach dem Joint Maritime Information Center vom 12. April vier Schiffe in den letzten 24 Stunden.

Neu ist, dass sich zur iranischen Pförtner‑Rolle nun die offene Blockadedrohung der USA gesellt: Präsident Trump fordert von europäischen Partnern eine Beteiligung an einem Marineeinsatz zur „Sicherung“ der Meerenge und erhöht den politischen Druck auf Hauptstädte, sich an einer solchen Operation zu beteiligen. In Deutschland lehnen Bundeskanzler Merz und andere Kabinettsmitglieder bislang ab – mit dem Hinweis, dass der Irankrieg keine NATO‑Mission sei und bis heute kein überzeugendes militärisches Konzept für eine solche Operation vorliege. Für die Schifffahrt bedeutet das: Die Risiken steigen, ohne dass am Horizont eine glaubwürdige internationale Ordnung erkennbar wäre.