Am Morgen des 9. April 2026 veröffentlichten die iranischen Revolutionsgarden eine Navigationskarte, die die international etablierten Schifffahrtswege des Verkehrstrennungsgebiets als Gefahrenzone kennzeichnet. Als Begründung wird eine mögliche Verlegung von Seeminen in den regulären Fahrrinnen angeführt. Stattdessen werden die verbliebenen Schiffe in einen schmalen Korridor nahe der Insel Larak umgeleitet, der unter direkter iranischer Kontrolle steht.

Das Briefing von Lloyd’s List vom 9. April beschreibt damit eine Lage, in der die Straße von Hormus formal offen, operativ aber nur noch eingeschränkt passierbar ist. Der Transit hängt zunehmend von iranischer Genehmigung, Vorabprüfung und möglichen Gebührenforderungen ab. An die Stelle freier Passage nach internationalem Seerecht tritt damit die Drohung militärischer Gewalt gegen nicht autorisierte Schiffe.

Dabei reicht es Teheran aus, den Verkehr selektiv zu kontrollieren, Unsicherheit zu erzeugen und das Risiko für Reeder, Charterer und Versicherer so weit zu erhöhen, dass wirtschaftlicher Zwang eine ähnliche Wirkung entfaltet wie eine physische Blockade.

Asymmetrische Kriegführung und Verkehrskontrolle

Ein Mittel, diese Unsicherheit zu erzeugen, ist die Drohkulisse einer Minengefahr. Nach Risikoanalysen und Fachbeobachtern verfügt Iran seit Jahren über einen Bestand von etwa 5.000 bis 6.000 Seeminen unterschiedlicher Typen. Entscheidend ist jedoch nicht die Gesamtzahl im Depot, sondern die Menge, die in das betreffende Seegebiet eingebracht wurde oder kurzfristig eingebracht werden kann.