Bei der Bilanzpressekonferenz am 11. März hat CEO Armin Papperger den Bereich Weltraum und Satelliten („Space“) als neues strategisches Geschäftsfeld für das Unternehmen vorgestellt. Rheinmetall habe vor rund zweieinhalb Jahren begonnen, sich in diesem Bereich auszurichten. Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung von Daten aus dem Weltraum für militärische Führungs- und Informationssysteme. Bisher musste Rheinmetall bei seinen Combat- und Battle-Management-Systemen auf externe Satellitendaten zurückgreifen. Künftig will das Unternehmen diese Informationen selbst erzeugen und verarbeiten.

35 Milliarden Euro für Military Space

Auslöser für den strategischen Einstieg ist auch die Initiative von Verteidigungsminister Boris Pistorius, der rund 35 Milliarden Euro für den militärischen Weltraumbereich investieren will. Rheinmetall baut deshalb eine eigene Satellitenproduktion in Neuss auf. Dort sollen künftig sowohl SAR-Radaraufklärungssatelliten als auch Kommunikationssatelliten entstehen. Gleichzeitig prüft das Unternehmen Kooperationen im Bereich Raketenstarts, da der Zugang zum Weltraum derzeit stark von US-Anbietern dominiert wird.

Rheinmetall konzentriert sich dabei vor allem auf Datenverarbeitung und Bereitstellung von Informationen als Dienstleistung für Streitkräfte und Behörden. Das Unternehmen möchte damit zu einem militärischen Daten- und Informationsdienstleister werden.

SPOCK1 und SatCom 4

Eine zentrale Rolle spielt das Joint Venture mit dem finnischen Spezialisten für Radarsatelliten ICEYE, an dem Rheinmetall rund 60 Prozent hält. Im Rahmen des Projekts SPOCK 1 soll bereits im dritten Quartal 2026 der erste Aufklärungssatellit gestartet werden. Das Auftragsvolumen beträgt laut Papperger über 1,5 Milliarden Euro, mit einer zusätzlichen Option von etwa einer weiteren Milliarde Euro. Der Start der ersten Satelliten soll über SpaceX erfolgen.

Parallel arbeitet Rheinmetall an einem weiteren großen Projekt: dem militärischen Kommunikationssatellitensystem SatCom BW Stufe 4. Hier plant das Unternehmen ein Joint Venture mit dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB und den Aufbau eines größeren deutschen Industriekonsortiums. Das Programm zielt auf den Aufbau einer neuen militärischen Satellitenkommunikationsinfrastruktur der Bundeswehr. Die Kosten für die geplante Satellitenkonstellation werden auf mindestens zehn Milliarden Euro geschätzt. Die Auftragsvergabe soll noch im laufenden Jahr erfolgen, während eine erste Einsatzfähigkeit ab 2029 vorgesehen ist.

Gerhard Heiming