Der Krieg in der Ukraine hat die Landkriegsführung in Europa verändert: Drohnen und Datenketten beschleunigen Aufklärung und Wirkung. Beim Munich Security Breakfast der Münchner Sicherheitskonferenz forderte Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding deshalb mehr Tempo, Innovationskraft und robuste Einsatzbereitschaft.

Der Krieg in der Ukraine verdichtet eine neue Normalität für Landstreitkräfte: Tempo, Masse und Anpassungsfähigkeit entscheiden. Wer Wirkung erzielen will, muss Aufklärung, Schutz und Führung enger verzahnen und Fähigkeiten schnell in die Truppe bringen.

Drohnen als Taktikdruck: Schutz wird zur Grundfähigkeit

Am deutlichsten zeigt sich der Wandel der Landkriegsführung im Drohnenkampf. Drohnen sind längst nicht mehr nur „zusätzliche Sensoren“, sondern zugleich Aufklärer, Zielzuweiser und tödliche Waffen. Ohne wirksame Drohnenabwehr und abgestufte Schutzmaßnahmen drohen Verbände im Gefecht schnell aufgeklärt, gebunden oder zerschlagen zu werden.

Drohnenabwehr darf daher nicht als Spezialthema einzelner Truppenteile gelten, sondern muss zur Grundfähigkeit werden, die jeder Soldat beherrscht. Genau dieser Druck, schneller zu lernen und schneller zu skalieren, prägte auch die Botschaft beim Munich Security Breakfast.

Munich Security Breakfast: Freuding mahnt zu Entschlossenheit

Vor diesem Hintergrund setzte Freuding beim Munich Security Breakfast im Münchner Hofbräuhaus einen klaren Akzent auf Handlungsfähigkeit. „Wir haben keine Zeit. Der Gegner wartet nicht auf unseren Abschlussbericht“, sagte er. Freuding warnte vor einer weiter wachsenden und lernfähigen russischen Armee, die sich „bereits im Konflikt mit dem Westen“ sehe. Ein großangelegter Krieg in Europa sei nicht auszuschließen, falls Europa nicht glaubhaft abschrecke.

Freuding beschrieb ein datengetriebenes, vernetztes und von KI beeinflusstes Gefechtsfeld, geprägt durch konkurrierende A2/AD-Schutzschirme und die Gleichzeitigkeit von Grabenkampf, klassischer Gefechtsführung und Multi-Domain-Operationen. Daten würden zur „Munition der Zukunft“.

Für das deutsche Heer definierte Freuding drei Schwerpunkte: Einsatzbereitschaft, Wachstum und Innovation. Das Heer sei grundsätzlich bereit, verfüge jedoch über Fähigkeitslücken, die „heute, nicht morgen“ geschlossen werden müssten. Mit der neuen Brigade 45 in Litauen unterstreiche Deutschland seine Bündnisverpflichtungen.

Politik, Industrie und Streitkräfte in gemeinsamer Verantwortung

Beim Thema Innovation plädierte Freuding für ein anderes Tempo und andere Maßstäbe. Systeme müssten robust, intuitiv bedienbar, massenproduzierbar und mit offenen Schnittstellen ausgestattet sein. Verlässliche Zeit- und Qualitätszusagen seien ebenso entscheidend wie die Fähigkeit zur schnellen Skalierung.

Auch unkonventionelle Wege, etwa der Erwerb kampferprobter Systeme oder die stärkere Einbindung von Start-ups, müssten konsequent mitgedacht werden. Zum Abschluss appellierte Freuding an Politik, Industrie und Streitkräfte, die gemeinsame Verantwortung ernst zu nehmen: Mut zur Entscheidung und Disziplin in der Umsetzung seien entscheidend – „bevor der Gegner für uns entscheidet“.

jf