
Umfrage zu „Kriegstüchtigkeit“: Deutsche eher besorgt als abwehrbereit
Sicherheitspolitische und Wehrtechnische Tagung
Die Menschen in Deutschland sind nur bedingt zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie bereit. Sie sehen für diese Aufgabe weniger sich persönlich als den Staat gefordert, wie eine aktuelle PwC-Umfrage zeigt. Unserer Redaktion liegen die Ergebnisse vorab vor.
Der Streit um die Wehrpflicht prägt mehr denn je die gesellschaftlichen Debatten über „Abschreckung“ und „Kriegstüchtigkeit“ in Deutschland. In ihrer jüngsten Befragung hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC herausgefunden, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Form des sozialen oder militärischen Dienstes ausspricht (73 Prozent), allerdings nicht für die Reaktivierung des Wehrdienstes nach dem früheren Muster – ausschließlich für taugliche junge Männer (19,8 Prozent). Die Ergebnisse der Befragung liegen der Europäischen Sicherheit & Technik exklusiv vorab vor.
Verglichen mit einer PwC-Befragung von Anfang Januar 2025 hat sich die Zahl der Menschen in Deutschland, die ein Gesellschaftsjahr ablehnen, nahezu verdoppelt (von 9 auf 17,6 Prozent). Dieses Ergebnis lege offen, dass „die Art der Diskussion rund um die Wehrpflicht die Menschen irritiert hat“, sagte Wolfgang Zink, Partner bei PwC und Leiter der Erhebung, im Gespräch mit Europäische Sicherheit & Technik. Eine gewisse Verunsicherung in Deutschland zu schüren, gehöre „im Rahmen seiner hybriden Kriegsführung zu den wichtigsten Zielen des Kreml“.
Die Bundeswehr galt lange als „Sicherheitsdienstleister“
Zugleich steigt in Deutschland das Bedrohungsgefühl. Zwei Drittel (66 Prozent) der Bevölkerung geben an, dass sich ihr subjektives Sicherheitsempfinden in den vergangenen drei Jahren verschlechtert hat. Ebenfalls zwei Drittel (67 Prozent) sehen ob der – mitunter mutmaßlich – aus Russland gesteuerten hybriden Angriffe eine Verschlechterung der Sicherheitslage. Die Bundeswehr sei jahrzehntelang als „Sicherheitsdienstleister“ geschätzt worden, kommentierte Zink. „Inzwischen nimmt die persönliche Betroffenheit zu, zumindest gefühlt, während viele Menschen auf Abstand zur landeseigenen Armee gehen.“
Nach den Ergebnissen der Befragung haben 44 Prozent der Deutschen Angst, wenn sie Militär auf den Straßen sehen. Im Januar gaben dies lediglich 37 Prozent an. Zudem sprechen sich mittlerweile nur noch 60 Prozent für zusätzliche und schnellere Vorbereitungen auf einen möglichen russischen Angriff aus. Während einer PwC-Befragung im Jahr 2024 befürworteten 68 Prozent den Ausbau der Verteidigungsfähigkeit.
Putin und Trump prägen das Meinungsbild
Vorbereitungen auf eine Krisenlage treffen nur wenige Menschen in Deutschland. Den Umfrageergebnissen zufolge haben 27 Prozent von ihnen Vorräte, die in einem „Katastrophenfall“ für mehrere Tage reichen. 77 Prozent sehen den Staat gefordert, um „Maßnahmen zur Resilienzbildung in der Bevölkerung“ zu ergreifen.
Neben der russischen Aggression in Europa prägt die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump das Meinungsbild in Deutschland. So ist die weitgehend positive Sicht auf die NATO zuletzt weiter gesunken, von 52 Prozent im Januar 2025 auf 49 in der jüngsten Befragung. Ungefähr zwei Drittel der Befragten vermissen angesichts der vielseitigen Bedrohungslagen politische Führung (63,3 Prozent). „Damit bleibt entschlossenes Handeln das Gebot der Stunde“, sagte Zink. „Während die Bevölkerung die gestiegene Bedrohung durch Russland sehr wohl registriert, lässt eine sichtbar effektive Antwort auf sich warten.“
Die PwC-Befragung mit dem Titel „Wie kriegstüchtig ist der Zeitgeist?“ ist am Donnerstag, 11. Dezember, auf der 38. Sicherheitspolitischen und Wehrtechnischen Tagung (SIPO) des Mittler Report Verlags vorgestellt worden. Insgesamt nahmen an der Online-Befragung, die PwC Anfang Dezember durchgeführt hatte, 1.000 Personen im Alter zwischen 21 und 65 Jahren teil, von denen jeweils 500 Personen weiblich und 500 männlich waren.
Florian Pfitzner















