Die chinesische Luftfahrtindustrie hat einen signifikanten Fortschritt in der Entwicklung unbemannter Kampfflugzeuge (UCAV) demonstriert. Der Pressestab der chinesischen Streitkräfte teilte mit, dass die „Caihong-7“ (CH-7) der Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) erfolgreich ihren Jungfernflug absolviert habe. Damit tritt das Projekt aus der Phase der statischen Konzepte in die kritische Flugerprobung ein und unterstreicht die rasante Frequenz, mit der Peking komplexe Waffensysteme zur Einsatzreife bringt.

Technische Daten und strategische Rolle

Die CH-7 bricht mit den bisherigen Mustern der bekannten „Rainbow“-Drohnenfamilie (CH-4 und CH-5), die primär für mittlere Höhen und lange Ausdauer (MALE) in permissiven Lufträumen konzipiert waren. Mit einer geschätzten Spannweite von 22 bis 26 Metern und einem maximalen Startgewicht von rund 13.000 Kilogramm bewegt sich die CH-7 in einer deutlich höheren Gewichtsklasse.

Nach Informationen von „Defence Security Asia“ wird das System angetrieben von einem einzelnen Turbofan-Triebwerk und erreicht Unterschallgeschwindigkeiten von circa 920 km/h (Mach 0,75) und eine Dienstgipfelhöhe von 13.000 Metern. Die entscheidende Fähigkeit liegt jedoch in ihrer Signaturreduzierung. Das „Flying Wing“-Design kombiniert innenliegende Waffenschächte und abgeschirmte Triebwerkseinlässe, um seine Radarsignatur zu verringern.

Daher ist die Drohne darauf ausgelegt, tief in stark verteidigte Lufträume einzudringen. Strategisch positioniert sich die CH-7 damit als „High-End“-Asset für den Erstschlag oder die Aufklärung in contested environments (umkämpften Umgebungen) und weniger als kosteneffizienter, unbemannter „Force Multiplier“. Mit einer prognostizierten Reichweite von über 11.000 Kilometern könnte sie im Westpazifik, im Südchinesischen Meer und darüber hinaus operieren, ohne auf vorgeschobene Basen angewiesen zu sein. Sie fungiert dabei nicht nur als Sensorplattform, sondern kann dank einer internen Nutzlastkapazität von bis zu zwei Tonnen auch Präzisionsmunition gegen Hochwertziele zum Einsatz bringen.

Vom Modell zur operativen Realität

Erstmals 2018 auf der Zhuhai Airshow präsentiert, wurde das Design damals von westlichen Beobachtern oft noch als ambitioniertes Zukunftskonzept abgetan. Doch spätestens mit den im Jahr 2024 beobachteten Rollversuchen auf dem Flugfeld zeichnete sich ab, dass die Ingenieure der CASC die aerodynamischen Herausforderungen des Nurflügler-Designs überwunden haben.

Der nun erfolgte Erstflug Ende November 2025 validiert diese Einschätzung. Nurflügler-Konstruktionen ohne vertikale Stabilisatoren gelten fliegerisch als anspruchsvoll und benötigen hochkomplexe Flugsteuerungssysteme, um Start, Landung und stabile Manöver zu gewährleisten. Dabei ist die CH-7 nicht der einzige Nurflügler der chinesischen Luftplattformen: Das viel beachtete System J-36 kommt ebenfalls ohne vertikale Stabilisatoren aus.

Parallelen zur amerikanischen X-47B

Beobachtern fällt bei der Betrachtung der CH-7 unweigerlich die optische Ähnlichkeit zu amerikanischen Systemen auf. Das Design der chinesischen Drohne spiegelt fast exakt die Formsprache der X-47B von Northrop Grumman wider.

Die X-47B war ein technologischer Demonstrator der US Navy, der bereits 2013 Luftfahrtgeschichte schrieb. Als erstes unbemanntes System in der Größe eines Kampfflugzeugs führte sie autonome Starts und Landungen auf einem Flugzeugträger durch. Im April 2015 gelang der X-47B zudem die erste autonome Luftbetankung eines unbemannten Flugzeugs (AAR).

Mit einer geschätzten Spannweite von 22 bis 26 Metern erinnert Chinas CH-7 eher an strategische Bomber als an unbemannte Luftplattformen.

Obwohl das US-Programm letztlich nicht in eine Serienproduktion für einen Kampfbomber mündete, sondern Erkenntnisse für den Tanker MQ-25 Stingray lieferte, zeigt die chinesische CH-7, dass Peking das Konzept des autonomen Nurflügler-Kampfflugzeugs konsequent weiterverfolgt hat. Während die X-47B primär für den Trägereinsatz konzipiert war, ist die CH-7 (bislang) landgestützt. Die optische und konzeptionelle Nähe legt jedoch nahe, dass chinesische Ingenieure die aerodynamischen und strukturellen Lösungen des US-Vorbilds genau analysiert und für ihre Zwecke adaptiert haben.

Ausblick auf die Erprobung

Der erfolgreiche Erstflug ist erst der Anfang einer intensiven Testkampagne. In den kommenden Monaten wird der Fokus höchstwahrscheinlich auf der Erweiterung des Flugbereichs, der Integration der Sensoren sowie Tests der Waffenschacht-Mechanik liegen. Sollte die Entwicklung in diesem Tempo fortschreiten, könnte die chinesische Luftwaffe in naher Zukunft über eine potente asymmetrische Fähigkeit verfügen, die bestehende Luftverteidigungskonzepte in der Region vor neue Herausforderungen stellt.

Dabei beweist die konzeptionelle Reife der CH-7 einmal mehr Pekings sich verstärkenden Fokus auf unbemannte Systeme. Besonders deutlich wurde dieser Fokus zuletzt bei Chinas Militärparade demonstriert, bei der neben einer Vielzahl an unbemannten Luftsystemen auch Unterwasserdrohnen (XLUUVs) zu sehen waren.

Jannis Düngemann