Rheinmetall hat den von CEO Armin Papperger am 8. September angekündigten Vertrag über die Lieferung von Luftverteidigungssystemen Skyranger 35 auf Leopard 1 abgeschlossen. Als Auftragswert wurde ein dreistelliger Millionen Euro-Betrag angegeben. Die Finanzierung erfolgt durch ein EU-Mitglied im Rahmen der EU-Initiative „Windfall Profit Mechanism“, bei der Übergewinne aus dem Energiesektor abgeschöpft werden. Papperger bedankte sich für die Unterstützung durch den nicht genannten EU-Staat und bei der Ukraine für das Vertrauen in das System.

Die Skyranger 35 auf Leopard 1-Basis werden von Rheinmetall Italia SpA an deren Hauptsitz in Rom hergestellt. Nach der Rheinmetall-Information vereint dieses System die Mobilität und den Schutz eines bewährten Kettenfahrzeugs mit der herausragenden Wirksamkeit eines kanonenbasierten Flugabwehrsystems.

Skyranger 35 auf Leopard 1 beim scharfen Schuss auf der Schiessbahn Ochsenboden/Schweiz (Foto: Rheinmetall)

Ziele erfassen, Wirkung entfalten: Skyranger 35 mit AESA-Radar und 35-mm-AHEAD

Der Hauptsensor in dem überarbeiteten Skyranger-Turm ist das Oerlikon AMMR (Multi-Mission Radar) System mit vier AESA (Active Electronically Scanned Array) Antennen, die jeweils einen horizontalen Winkel 90 Grad abdecken. Für die Zielverfolgung dient ein Ku-Band Tracking Radar in Verbindung mit einer elektro-optischen Einheit bestehend aus einer Taglicht- und einer Infrarotkamera sowie Laserentfernungsmesser für Luft- und Bodenziele mit unterschiedlichem Sichtwinkel.

Der Effektor ist die 35-mm Oerlikon Revolverkanone KDG, die auf bis zu vier Kilometer wirken kann. Im Feuerstoß beträgt die Kadenz 1.000 Schuss pro Minute. Für den Skyranger 35 wurde die 35mm x 228mm AHEAD-Munition (Advanced Hit Efficiency and Destruction, verbesserte Treffer-Wirksamkeit und Zerstörung) entwickelt, eine Air Burst Munition mit 152 Subprojektilen aus Wolfram.

Perspektivisch sei auch die Einrüstung moderner Lenkflugkörper möglich, schreibt Rheinmetall.

Verteidigungsministerium skaliert Bestellung für Skyranger 30 deutlich nach oben

Laut Handelsblatt plant die Bundeswehr noch in diesem Jahr eine Großbestellung von über 600 Skyranger 30 auf Boxer bei Rheinmetall. Meldungen zufolge soll das Volumen rund neun Milliarden Euro umfassen. Weitere Medien berichten übereinstimmend über die geplante Beschaffung zur schnellen Schließung von Lücken in der Drohnenabwehr. Damit würde der bislang gesetzte Rahmen deutlich wachsen.

Der Boxer Skyranger 30 ist im September 2024 einem Fachpublikum im scharfen Schuss vorgeführt worden. (Foto: Rheinmetall)

Im Jahr 2024 beauftragte die Bundeswehr zunächst 19 Systeme, bestehend aus einem Prototyp und 18 Serienfahrzeugen, mit einer Option auf weitere 30 Systeme. Der Vertragswert beträgt 595 Millionen Euro. Das Nachweis- und Verifikationsmodell wurde Ende Januar 2025 an die Bundeswehr übergeben. Die Serienauslieferung ist überwiegend für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen. Die Bestellung von mehr als 600 Systemen würde den nationalen Hochlauf deutlich beschleunigen, parallel zur Beschaffungslinie für die Ukraine mit dem Skyranger 35 verlaufen und zusätzliche Fertigungskapazitäten für Turm und Trägerfahrzeug erfordern.

Der Skyranger 30 wird auf Trägerfahrzeugen Piranha und Pandur auch nach Dänemark und Österreich geliefert. Nach ES&T vorliegenden Informationen sind die Produktionskapazitäten für den Boxer bereits intensiv ausgelastet. Neben Skyrangern sind für die Bundeswehr auch schwere Waffenträger und Sanitätsfahrzeuge bestellt. Für die British Army ist die Produktion von mehr als 500 Boxern kürzlich angelaufen. Schützenpanzer Rad, die Rad-Haubitze RCH155 sowie weitere Varianten stehen kurz vor der Bestellung. Abzuwarten bleibt, inwieweit die Industrie diese zusätzliche Auslastung bewältigen wird.

Gerhard Heiming