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Am 3. August fand der Erstflug der neuen russischen schweren Kampfdrohne Suchoi S-70 Okhotnik (auch als Hunter B bezeichnet) statt. Das Unmanned Combat Aerial Vehicle (UCAV) wurde seit 2011 gemeinsam von Suchoi und Mig entwickelt. Anfang 2019 tauchten im Internet erste Fotos der Kampfdrohne auf, bis dahin war das Programm ein gut gehütetes Geheimnis. Diese Nurflüglerdrohne soll rund 20 Tonnen wiegen und über Stealth-Eigenschaften verfügen.

Video des Erstflugs der Okhotnik am 3. August 2019 (Video: Russisches Verteidigungsministerium)

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums, welche im Zuge des Erstfluges an die Öffentlichkeit kommuniziert wurden, soll die S-70 aus Verbundwerkstoffen und einer radarabsorbierenden Beschichtung bestehen; zusammen mit dem Nurflügler-Design erzeugt es die Stealth-Eigenschaften. Der Erstflug der Okhotnik erfolgte in einer Höhe von 600 m und dauerte insgesamt 20 Minuten. Das russische Verteidigungsministerium verlautbarte weiterhin, dass der neuartige Nurflügler mit Aufklärungssystemen (elektro-optisch, radarbasiert und anderweitig) bestückt werden kann.

Fachdiskussionen um tatsächliche Leistungsparameter

Bereits die Anfang 2019 veröffentlichten Bilder der Drohne führten zu regen Diskussionen über die tatsächlichen Leistungsmerkmale der S-70. Als Anrieb wird den Bildern nach ein Strahltriebwerk (vermutlich Saturn AL-31F Turbofan) angenommen. Anhand von Bildauswertungen durchgeführte Größenvergleiche lassen vermuten, dass die Flügelspannweite der S-70 ca. 20 m beträgt.

Es wird weiterhin über die Existenz von zwei internen Waffenschächten spekuliert, die bis zu 2.000 kg an gelenkten und ungelenkten Effektoren mitführen können sollen. Neben der Stealth-Technologie soll sie zudem über Fähigkeiten der elektronischen Kampfführung (EW) verfügen. Dies legt die Vermutung nahe, dass sie auch oder vor allem im Bereich des Kampfes gegen die gegnerische Luftverteidigung zum Einsatz kommen soll. Das herausstehende Nachbrenner-Triebwerk in Kombination mit dem linear angeordneten Lufteinlass in der Front lösen bei einigen Experten Zweifel über die tatsächliche Ausprägung der Stealth-Fähigkeit des Okhotnik aus. Diese sich widersprechenden Designelemente (klassisches Triebswerksdesign/Anordnung und Nurflüglerkonzept aus Verbundwerkstoffen) legen die Vermutung nahe, dass es sich beim S-70 über einen Experimentalträger für einzelne Technologien handeln könnte.

Neuland für die russischen Luftstreitkräfte

Bisher ist keine andere russische Drohne bekannt, die mit einer Bewaffnung versehen werden kann. Die Suchoi S-70 Okhotnik wäre die erste, von der der Westen Kenntnis erlangt. Im staatlichen Waffenprogramm 2018-2027 werden durch die russische Regierung jedoch umfangreiche Mittel für eine Beschaffung von UCAV eingeplant.

Seit Mitte Januar ist zu beobachten, dass eine Leitwerklakierung den dritten Prototypen der Su-57 ziert, diese zeigt die SU-57 im Verbund mit dem Okhotnik. (Foto: VK)

Laut russischer Doktrin sollen in Zukunft (unbewaffnete) Aufklärungsdrohnen im Verbund mit bewaffneten Drohnen und bemannten Kampfflugzeugen im Schwarm eingesetzt werden. Die Verbindung wird durch sichere Datenlinks sichergestellt. Dies wäre analog zum deutsch-französischen FCAS-Ansatz. So ist beispielsweise auf dem dritten Prototyp des Kampfflugzeuges Su-57 eine Leitwerklackierung zu erkennen, dass die Su-57 im Verbund mit einer Nurflüglerdrohne zeigt.

André Forkert