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Lange erwartet, wurden nun die beiden Wettbewerber zur Ausarbeitung des finalen Angebotes für das MKS 180 aufgefordert. Zuletzt ging man mit der Wiederaufnahme des Angebotsverfahrens zu einem späteren Zeitpunkt des Jahres aus.

Wie German Naval Yards in seinem Internetauftritt am 17. April mitteilt, traf am 12. April die Aufforderung zur Erstellung eines finalen Angebotes für die Entwicklung, Konstruktion und den Bau des Mehrzweckkampfschiffes 180 (MKS 180) ein. Aus der Veröffentlichung geht weiter hervor, daß die Kieler Werft nun drei Monate Zeit hat, das finale Angebot zu erstellen. Jörg Herwig, Geschäftsführer von German Naval Yards Kiel (GNYK): „Wir freuen uns, dass es jetzt in die finale Phase geht. Wir sind extrem motiviert und arbeiten mit Hochdruck daran, für die Deutsche Marine und unsere Soldaten das bestmögliche Angebot abzugeben. Für die deutsche Industrie hat das Projekt immense Bedeutung: Denn von der Vergabeentscheidung für das MKS 180 hängt auch ab, ob die deutsche Marineindustrie langfristig Technologieführer im Überwasserschiffbau bleiben kann.“

GNYK, der verbleibende deutsche Generalunternehmer der europaweiten Ausschreibung, hatte im August 2018 mit thyssenkrupp Marine Systems eine Zusammenarbeits-Vereinbarung für die Ausschreibung MKS 180 getroffen.

Neben thyssenkrupp will GNYK zahlreiche andere deutsche Zulieferer aus der Marine- und Verteidigungsindustrie in sein Angebot integrieren. „Im Falle des Zuschlags wird GNYK die Entwicklung und Konstruktion der MKS 180 komplett in Deutschland umsetzen. Auch die Designrechte und das Know-how für die Konstruktion verbleiben damit in der Bundesrepublik.“, so die Kieler Werft.

Ähnlich will auch der Mitbewerber Damen verfahren. Das führende niederländische Schiffbauunternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) will die MKS 180 bei Blohm+Voss in Hamburg bauen lassen. In einem Interview mit unserer Schwesterzeitung European Defence and Security, Heft 4/19, formuliert Richard Keulen, Director Naval Sales Support bei DSNS: „… dies ist sehr wichtig zu verstehen, weil einige Leute unser Angebot als niederländisches Angebot ablehnen, obwohl dies nicht der Fall ist. Mit Blohm & Voss, im Besitz von Lürssen, haben wir einen starken Partner, der viele Lieferanten in Deutschland hat. Das erlaubt uns dieses Programm als ein deutsches Programm zu realisieren. Unsere Teilnahme (Anmerkung der Redaktion: Damens Teilnahme) ist eigentlich ziemlich begrenzt. Wir werden dies gemeinsam durchführen und in echter Zusammenarbeit. Das ist sehr wichtig! Das Projekt ist so deutsch wie möglich, weil wir verstehen, dass das zur Verfügung gestellte Budget auch den deutschen Marinecluster stärken soll.“

Endlich und doch schon jetzt: Angebotsabgabe für MKS 180 angefordert

Die Beschaffung von vier Mehrzweckkampfschiffen 180 (MKS 180) ist im Bundeshaushalt mit insgesamt 5,270 Milliarden Euro berücksichtigt – für das Haushaltsjahr 2019 sind Mittel in Höhe von 195 Millionen Euro veranschlagt, für die Folgejahre ist eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 5,075 Milliarden Euro ausgebracht (so das BMVg im Januar auf eine Anfrage einer Bundestagsfraktion). 2018 waren 4,232 Milliarden Euro ausgewiesen worden. Der Kostensprung wurde bereits zum Stein des Anstoßes. Bei weiteren Steigerungen besteht nicht nur das Risiko der (außer-) parlamentarischen Akzeptanz. Angesichts der sich aus der diesjährigen Haushaltsaufstellung abzeichnenden Linie, von der Vereinbarung, die Verteidigungsausgaben bis 2024 auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen zu lassen, abzuweichen, könnten Kostensteigerungen bei der MKS 180 zu unerwünschten Effekten führen – etwa Streckung des Projektes oder Kompensationsleistungen innerhalb des EPl 14 (innerhalb von Kategorien (z.B. der Betriebsausgaben, der investiven Ausgaben) oder zwischen ihnen (z.B. Materialerhaltung vs. Beschaffung)). Neben dem Finanziellen bleiben zügige Auftragsvergabe, rechtzeitiger Mittelabfluss, Überwachung in der Umsetzung und Einhaltung der Zeitvorgaben kritische Faktoren bei der Realisierung des Großprojektes.

Dabei drängt die Zeit. Der Inspekteur der Marine hatte im Interview mit dieser Zeitung (s. ESuT 4/19) die Dringlichkeit einer Entscheidung zur MKS 180 unterstrichen: „Ich erwarte diese Schiffe jetzt 2027 in der Marine. Diese Zeitlinie ist wichtig, um zu vermeiden, dass wir in eine Fähigkeitslücke hineinlaufen, weil wir dann 2027 mit der Fregatte 123 ja auch so langsam an das Ende der Lebenszeit kommen.“

Hans Uwe Mergener