Die Bundeswehr setzt im Sanitätsdienst verstärkt auf unbemannte Systeme und hat die Avilus GmbH mit dem Innovationsprojekt der Rettungsdrohne „Grille“ beauftragt. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits Anfang April unterzeichnet, wie Avilus am 15. Juli mitgeteilt hat. Das Vorhaben gilt als Meilenstein für den Aufbau luftgestützter, unbemannter Kapazitäten, die künftig eine Schlüsselrolle bei medizinischen Evakuierungen (MedEvac) und Logistiktransporten einnehmen sollen.

Projekt „Unbemannter qualifizierter Patiententransport Luft“

Unter dem Projekttitel „Unbemannter qualifizierter Patiententransport Luft“ liefert Avilus zwei flugfähige Drohnensysteme, wie ESuT berichtete. Neben der Bereitstellung der Hardware umfasst die Vereinbarung auch Flugtests sowie Schulungen für das Bedienpersonal. Durch die Erprobung in der Praxis will die Bundeswehr das System exakt auf die operativen Anforderungen des Sanitätsdienstes zuschneiden.

Das Programm startet mit der Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten und geht anschließend in eine intensive Flugtestphase über. Ziel ist es, die technologischen Innovationen nahtlos in die bestehende, lückenlose Rettungskette der Streitkräfte zu integrieren.

Die Rettungsdrohne Avilus kann einen Patienten über 50 Kilometer zur nächsten Sanitätseinrichtung fliegen. (© Avilus)

Resilienz im Rettungswesen

Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, hob die Bedeutung des Projekts hervor: Innovative Ansätze seien unverzichtbar, um die Widerstandsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der medizinischen Versorgung auch künftig zu garantieren.

Avilus-CEO Niclas Bähr ergänzte, das Unternehmen sei stolz auf die Kooperation, mit der man gemeinsam die Resilienz im Rettungswesen stärken wolle.

Grille für den Lufttransport von Verletzten

Die Rettungsdrohne „Grille“ (Typ Grille X4) ist ein vollelektrisches, unbemanntes Luftfahrzeug, das speziell für den taktischen Verwundetentransport und medizinische Evakuierungsmissionen konzipiert wurde. Mit einem maximalen Startgewicht von 750 Kilogramm und einem Außendurchmesser von 7,8 Metern verfügt das System über zwölf koaxial angeordnete Motoren auf sechs Armen, die eine maximale Leistung von 240 Kilowatt erbringen. Sie ist für ein Patientengewicht von 135 Kilogramm ausgelegt. Die Drohne erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 86 Kilometern pro Stunde und verfügt über eine Reichweite von 51 Kilometern bei einer Dienstgipfelhöhe von bis zu 2.100 Metern.

Das Gesamtsystem lässt sich in einem standardisierten 20-Fuß-ISO-Container transportieren und von zwei Soldaten in weniger als 15 Minuten komplett werkzeuglos aufbauen.

Gerhard Heiming