Mit dem European Long-Range Strike Approach (ELSA) treiben mehrere europäische Staaten die Entwicklung weitreichender Präzisionswaffen voran. Marschflugkörper, ballistische Raketen und Hyperschallgleiter konkurrieren dabei nicht nur miteinander. Im Ernstfall ergänzen sich ihre Stärken und Schwächen zu einem militärisch sinnvollen Mix.
Deutschland und andere europäische NATO-Staaten unternehmen derzeit große Anstrengungen, Flugkörper mit Reichweiten von deutlich über 500 Kilometern zu beschaffen oder selbst zu entwickeln. Dabei zeigt sich technologisch eine große Vielfalt: Viele setzen auf Marschflugkörper, Frankreich und Großbritannien zudem auf ballistische Mittelstreckenraketen, und sowohl Deutschland und Großbritannien als auch Frankreich wollen Hyperschallgleiter entwickeln. Diese Mehrgleisigkeit ist für Europas militärische Wirksamkeit gegenüber Russland ein Vorteil, denn die drei Flugkörpertypen haben jeweils Stärken und Schwächen, die sich im Gesamtmix ergänzen.

Die Modulare Abstandswaffe (MAW) Taurus KEPD 350 ist in der Bundeswehr nur für das Kampfflugzeug Tornado zugelassen. Die Integration in den Eurofighter läuft.
(Foto: MBDA)

Russlands Kalkül mit Abstandswaffen

Der politisch-territoriale Konflikt mit Russland über die Ordnung Europas bildet die Arena, in der die europäischen NATO-Staaten erweiterte militärische Fähigkeiten anstreben. Putin will eine exklusive Einflusssphäre in Russlands Nachbarschaft und den Rückzug amerikanischer Macht aus Europa. Hierfür setzt Moskau auch militärische Gewalt ein. Die Europäer lehnen Putins Politik indessen ab und befürchten, Russland könnte deswegen auch sie angreifen.